Medizin

Folgen des demografischen Wandels möglicherweise überschätzt

Donnerstag, 14. November 2013

Edinburgh – Britische Forscher an der University of Edinburgh halten ökonomische Katastrophenszenarien für übertrieben, die auf der Überalterung der Bevölkerung beruhen. Jeroen Spijker und John MacInnes veröffentlichten zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe erste Hinweise im British Medical Journal, dass sich der Anteil der nicht arbeitenden alten Bevölkerung sogar verringert habe (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f6598 ).

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Im Vereinigten Königreich ist rund ein Sechstel der Bevölkerung älter als 65 Jahre und übersteigt somit den Anteil der unter 15-Jährigen. Die Forscher berichten, dass insbesondere die Politik diese Entwicklung mit Sorge beobachte. Die vermehrte Inanspruchnahme von Sozial- und Krankenversicherungen sowie der prozentual geringere Anteil von Menschen im erwerbsfähigen Alter könnten „das System kippen lassen“, so die Befürchtung.

Zur Bewertung des demografischen Wandels werde in der Wissenschaft häufig der sogenannte der Altenquotient herangezogen. Der Quotient setzt die Gesamtzahl aller Menschen im Rentenalter (65 und älter) mit jenen im erwerbsfähigen Alter (20-64 Jahre) ins Verhältnis.

Nach Meinung der Wissenschaftler ist dieser Altenquotient nicht geeignet, die Folgen dieses Wandels richtig zu bewerten. Die Zunahme der Lebenserwartung habe nämliche unter anderem bewirkt, dass es mehr gesunde Alte gebe, die über das Renten­eintrittsalter hinaus einer Beschäftigung nachgingen. In Großbritannien seien dies eine Millionen Senioren. Weiterhin beachte der Quotient nicht, dass etwa 9,5 Millionen Bürger im erwerbsfähigen Alter aus den verschiedensten Gründen nicht arbeiten gingen. Diese Gruppe sei größer als die der über 65-Jährigen, die nicht arbeiten.

Zur Berücksichtigung dieser Umstände schlagen die Autoren der Studie einen eigens entworfenen „realen Altenquotient“ vor. Bei diesem werde die Anzahl aller Bürger, die noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 15 Jahren habe, mit der Zahl der Erwerbstätigen jeden Alters in Relation gesetzt. Ausgehend von dieser Betrachtung habe der Anteil der finanziell abhängigen Senioren in den letzten 40 Jahren um ein Drittel abgenommen.

Momentan sei die Rate der nicht erwerbstätigen Senioren in Großbritannien stabil bis rückläufig. In vergleichbaren Nationen wie Deutschland und Frankreich sei der Trend ähnlich gelagert. Da auch die ältere Bevölkerung im Vergleich zu vorigen Generationen gesünder und fitter sei, erwarten die Forscher, dass die Folgen des demografischen Wandels milder ausfallen als von der Politik befürchtet.

© hil/aerzteblatt.de

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