Politik

Boom bei „Pflege-Bahr“

Freitag, 15. November 2013

Berlin – Elf Monate nach dem Start des sogenannten Pflege-Bahrs erlebt die staatlich geförderte Zusatzversicherung einen Boom. Zurzeit würden pro Arbeitstag rund 1.600 Verträge abgeschlossen, teilte der Verband der Privaten Krankenversicherung

(PKV) mit. Der scheidende Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte heute: „Es war richtig, dass erstmals auch viele Menschen mit Vorerkrankungen nun eine private Versicherung abschließen können.“

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Die jüngsten Zahlen zeigten einen starken Anstieg, berichtete der PKV-Verband. Kurz nach dem Start der Versicherung gegen das Pflegerisiko waren es im Januar 2013 noch rund 240 und im Juni rund 1.000 neue Verträge pro Arbeitstag. Bahr sagte, es sei klar, dass es wie bei der Riester-Rente seinerzeit einige Zeit bis zum Erfolg dauert.

Beim sogenannten Pflege-Bahr wird die Fünf-Euro-Zulage pro Monat bezahlt, wenn der Versicherte einen Mindestbeitrag von zehn Euro schultert. Risikozuschläge und Gesundheitsprüfungen sind nicht zulässig.

PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach sagte: „Angesichts der stark steigenden Nachfrage rechnen wir damit, dass die geförderte Pflegezusatzversicherung im nächsten Jahr die stolze Marke von einer Million Verträgen erreichen wird.“ 270.000 abgeschlossene Verträge, für die bereits Geld fließe, gebe es bisher – und 62 600 zwar unterschriebene Verträge, die aber erst beginnen.

Die geförderte Zusatzversicherung wird laut PKV-Verband besonders stark von jungen Leuten im Alter zwischen 25 und 35 Jahren abgeschlossen. Sie werde derzeit von rund 25 Unternehmen angeboten, die mehr als 80 Prozent des PKV-Marktanteils repräsentierten.

Der Berater Timo Voß vom Bund der Versicherten führte den Anstieg bei den Verträgen darauf zurück, dass diese nach dem Gießkannenprinzip ohne angemessene Beratung verschickt würden. „Hier werden am Bedarf vorbei billige Produkte verkauft“, sagte er.

„Wir sollten den 'Pflege-Bahr' auslaufen lassen“
Jene mit hohem Pflegerisiko würden sich in den Tarifen sammeln. Dies lasse die Beiträge steigen. Die Leistungen fielen dann wohl geringer aus als nötig. Der Pflegeexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Dieter Lang, sagte: „Wir sollten den 'Pflege-Bahr' auslaufen lassen.“

Die künftige Finanzierung der Pflege ist auch ein Kernthema in den Koalitions­verhandlungen von Union und SPD. In diesem Zusammenhang hatte der SPD-Unterhändler in der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege, Karl Lauterbach, den Pflege-Bahr als „falsch“ bezeichnet. Auch einen von der CDU geforderten kapitalgedeckten Pflegefonds lehnt die SPD ab.

Die CDU hat sich für die Bildung einer Kapitalrücklage in der Pflegeversicherung ausgesprochen. Damit solle Vorsorge getroffen werden für die Zeit ab 2030, wenn die geburtenstarken Jahrgänge an Pflegebedürftigen kommen. Beide Seiten beraten am Sonntag über die Pflege © dpa/afp/aerzteblatt.de

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mario-m
am Freitag, 7. März 2014, 15:22

Pflege Bahr schlecht bewertet

Dabei ist der doch eigentlich schlechter bewertet als die klassische Pflegeversicherung...zumindest nach Stiftung Warentest.
5.000 News Politik

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