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Wittener Allgemeinmediziner kritisieren Arzneimitteltherapie

Freitag, 15. November 2013

Witten/Herdecke –Das Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke hat nach einer Vorstudie Kritik an der Polymedikation vieler Patienten geübt. Danach werden ein Drittel aller Medikamente ohne wissenschaftliche Begründung verschrieben. Die Wittener untersuchten in der Vorstudie Patienten, denen im Durch­schnitt etwa neun verschiedene Medikamente pro Tag verordnet worden waren. Im Mittel fanden sie bei 2,7 Medikamenten pro Patient keine wissenschaftliche Begründung für die Verordnung.

Mehr als 90 Prozent der Patienten wiesen mindestens eine unbegründete Arzneimittel­verschreibung auf. Darüber hinaus fanden sich bei 56 Prozent der Patienten Dosierungsfehler, relevante Interaktionen zwischen den Medikamenten bei 59 Prozent der Patienten, und Verordnungen von Medikamenten, die bei alten Menschen nicht verordnet werden sollten, bei 37 Prozent der über 65-Jährigen.

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„Die Hausärzte der betroffenen Patienten fühlen sich überfordert. Wie sollen sie die langen Medikationslisten, mit denen Patienten aus der Klinik entlassen werden oder von verschiedenen Fachärzten zurückkommen, kritisch durchforsten? Wie sollen sie entscheiden, welches Medikament wirklich erforderlich ist?“, fragte der Leiter des Institutes Andreas Sönnichsen.

In einer neuen europaweiten Studie wollen die Wissenschaftler jetzt Verbesserungen erreichen. Unter Berücksichtigung von Diagnosen, Laborwerten und Begleiter­krankungen soll eine elektronische Entscheidungshilfe Vorschläge machen, welche Medikamente am ehesten entbehrlich oder gar schädlich sind. © hil/aerzteblatt.de

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