Politik

Union will Einfluss der Krankenkassen einschränken

Montag, 18. November 2013

Berlin – Die Union plant eine grundlegende Veränderung des bisherigen Pflegesystems. Dabei sollen die Überprüfung der Pflegebedürftigkeit sowie die Qualitätskontrollen der Heime einem komplett unabhängigen Medizinischen Dienst übertragen und der bisherigen Verantwortung der Krankenkassen entzogen werden. Gegen diese Pläne laufen die Krankenkassen Sturm.

Der Medizinische Dienst sei in der Verantwortung der Krankenkassen „gut aufgehoben“, erklärte Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Kranken­ver­sicherung (GKV), der Welt am Sonntag. Heute sei der Medizinische Dienst „fachlich unabhängig“ und es gehe nicht um „möglichst hohe Gewinne“.

Anzeige

Demgegenüber verteidigte der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn den Vorstoß. „Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen fühlen sich vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung ungerecht behandelt“, sagte der Sprecher der Union in der zuständigen Koalitionsarbeitsgruppe der Welt.

Die Betroffenen hätten die Befürchtung, dass die Krankenkassen als Kostenträger Einfluss auf die Entscheidungen nehmen und deshalb vieles rein unter Kosten­gesichtspunkten entscheiden würden. „Deshalb wollen wir den Medizinischen Dienst eigenständig machen. Künftig soll er ein unabhängiges Institut sein, in dessen Gremien auch die Betroffenen vertreten sind“, so Spahn.

Nach den bisherigen Regelungen beauftragen die Krankenkassen als Kostenträger die Gutachter des Medizinischen Dienstes. Sie prüfen dann, ob Pflegeheime die verein­barten Qualitätsstandards auch tatsächlich einhalten. Zusätzlich entscheiden die Gutachter auch mit darüber, in welche Pflegestufe die Patienten eingestuft werden und wie viel Geld aus der Pflegekasse den Patienten und deren Angehörigen damit zusteht.

Sollten die Gutachter in Zukunft dem Verantwortungsbereich der Kassen entzogen werden und vollständig unabhängig prüfen, verlören die Kassen die Kontrolle über die Kosten und es bestünde, laut Welt-Bericht, die Gefahr neuer Kostensteigerungen für die Kassen. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

12.05.16
Behandlungsfehler: MDS fordert gesetzliche Meldepflicht
Berlin – Für tatsächliche Behandlungsfehler sollte es in Deutschland eine gesetzliche Meldepflicht geben. Dies hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) anlässlich......
09.03.16
Köln – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) lehnt eine stärkere Kontrolle von Kliniken durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) ab. Es dürfe nicht zu einer Ausweitung der......
26.10.15
Kassen sollen Briefe von Ärzten an den MDK nicht mehr öffnen können
Berlin – Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Andrea Voßhoff, beanstandet, dass Krankenkassen Briefe öffnen, die Ärzte an den Medizinischen Dienst der......
04.12.14
MDS: Pflegebedürftige sind mit Gutachten zufrieden
Berlin – 86 Prozent der Pflegebedürftigen waren im Jahr 2013 mit der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zufrieden. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der......
06.11.14
Berlin – Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) begrüßen die erweiterten Leistungen für Pflegebedürftige, wie sie das sogenannte erste Pflegestärkungsgesetz vorsieht. Dieses Gesetz......
02.09.13
Ministerium sieht Prüfpraxis der Krankenkassen kritisch
Berlin – Das Bundesministerium für Gesundheit steht den Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) kritisch gegenüber. „Natürlich müssen die Kassen nachprüfen, ob hinter einer......
19.08.13
Mehr als 200.000 negative Bescheide für Krankenversicherte
Berlin – Insgesamt mehr als 230 000 Mal urteilten MDK-Gutachter im vergangenen Jahr bundesweit, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer eigentlich gar nicht mehr arbeitsunfähig sind – das sind 16 Prozent......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige