Politik

Ersatzkassen: Schlechte Krankenhäuser von der Versorgung ausschließen

Dienstag, 19. November 2013

Berlin – Der Verband der Ersatzkassen (vdek) fordert, dass Krankenhäuser mit schlechter Qualität künftig aus der Versorgung ausgeschlossen werden. „Schlechte Qualität wollen wir unseren Versicherten nicht mehr zumuten – wir wollen sie aber auch nicht mehr bezahlen“, sagte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, heute in Berlin.

Qualitätsdefizite in Krankenhäusern müssten Konsequenzen haben. Würden Qualitätsstandards nicht eingehalten, so sollte den jeweiligen Krankenhäusern eine zweijährige Bewährungszeit auferlegt werden, in der sie die Mängel beseitigen können. Sei dies nach Ablauf der zwei Jahre nicht geschehen, so müsse der Ausschluss der Leistung aus der kollektiven Versorgung drohen.

Anzeige

Damit gehen die Forderungen des vdek über die Vorhaben der Arbeitsgruppe Gesundheit hinaus: Union und SPD hatten sich bei den Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, Krankenhäuser künftig stärker nach Qualität zu vergüten. „Schlechte Qualität sollte nicht schlechter vergütet werden, sie sollte gar nicht mehr erbracht werden“, so die vdek-Vorstandsvorsitzende.

Mehr Qualitäts-Mindeststandards definieren
Zudem forderte Elsner den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) auf, mehr Qualitäts-Mindeststandards für die Leistungserbringung zu definieren. Bisher gebe es für 30 Leistungsbereiche 430 Qualitätsindikatoren, die der G-BA festgelegt hat. Damit könne man Aussagen zu 20 Prozent der in Krankenhäusern vorkommenden Leistungen treffen.

„Das ist zu wenig, aber zumindest ein Anfang“, sagte Elsner. Auf dieser Basis solle der G-BA verbindliche Qualitätsmindestanforderungen festlegen, insbesondere auch für die Ergebnisqualität. Darüber hinaus sprach sich Elsner für Selektivverträge mit ausge­wählten Hospitälern aus, die bestimmte Leistungen mit besonders hoher Qualität erbringen. Wichtig sei dabei jedoch, dass die freie Krankenhauswahl nicht eingeschränkt würde.

Des Weiteren solle eine höchstmögliche Transparenz über die Qualität der Krankenhäuser geschaffen werden, forderte Elsner. Dafür müssten die jährlich zu erstellenden Qualitätsberichte vollständig, verständlicher und transparenter für die Patienten aufbereitet werden. Zudem befürwortete sie das Zweitmeinungsverfahren. Bei planbaren Operationen sollten sich Patienten Rat bei unterschiedlichen Ärzten suchen.

Spezielle Innovationszentren für neue Behandlungsmethoden
Außerdem solle in speziellen Innovationszentren, das heißt insbesondere in Universitätskliniken, festgestellt werden, ob sich neue Behandlungsmethoden als medizinische Verbesserung darstellen. Erst dann dürfe die Methode für weitere Krankenhäuser freigegeben werden. „Wir wollen, dass der medizinische Fortschritt bei den Versicherten zeitnah ankommt. Aber neue Untersuchungs- und Behandlungs­methoden sind oft auch mit erheblichen Risiken verbunden“, so Elsner.  

Karsten Neumann, Geschäftsführer des IGES Instituts, betonte, dass Qualität in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gut gemessen werde. Daraus ziehe man aber keine Konsequenzen. „Da schlechte Qualität praktisch nicht zu Sanktionen führt, bleiben die wenigen identifizierten Qualitätsmängel faktisch ohne Folgen“, so Neumann. Andere Länder, wie die Niederlande oder die USA, seien konsequenter in der Qualitätsverbesserung. Dort herrsche mehr Transparenz und Selbstkritik in Bezug auf das eigene System und mehr Mut, schlechte Leistungen mit Sanktionen zu belegen. © Ol/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

22.07.16
Berlin – Ihre Smartphone-Applikation der Bundesarztsuche erweitert hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Das System bietet Praxen jetzt auch die Möglichkeit, eine Zertifizierung nach dem......
07.07.16
Köln – In Deutschland existiert bislang kein Best-Practice-Modell zur Umsetzung von Leitlinien-Empfehlungen. Aber auch in der internationalen Literatur gibt es offenbar keine Studien, die es......
06.07.16
Berlin – Welche Anforderungen einrichtungsübergreifende Fehlermeldesysteme erfüllen müssen, damit Krankenhäuser sie als Grundlage für Vergütungszuschläge nutzen können, hat der Gemeinsame......
05.07.16
Essen – Patienten sind in den Kliniken in Rheinland-Pfalz gut aufgehoben: Eine hohe Behandlungsqualität bescheinigt den Häusern jetzt ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für......
16.06.16
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Qualitätsindikatoren festgelegt, die von Krankenhäusern im Qualitätsbericht 2015 veröffentlicht werden müssen. Im Vergleich zum Berichtsjahr 2014......
10.06.16
Berlin – „Wir haben in der stationären Versorgung in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin.“ Diese Meinung vertrat Thomas Mansky von der Technischen Universität (TU) Berlin heute auf dem......
18.05.16
Apotheken in NRW starten gemeinsames Fehlermeldesystem
Münster – Ein gemeinsames, internetgestütztes „Critical Incident Reporting System“ (Cirs), also ein Meldesystem für Fehler und Beinahefehler wie es aus dem Risikomanagement in Kliniken bekannt ist,......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige