Politik

OECD warnt vor hohen Fallzahlen und Auswirkungen des demografischen Wandels

Donnerstag, 21. November 2013

Berlin – Hohe Behandlungszahlen im stationären Bereich und der demografische Wandel sind die größten Herausforderungen für die  Stabilität und Nachhaltigkeit des deutschen Gesundheits- und Pflegesystems. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gesundheitsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) „Gesundheit auf einen Blick 2013“, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach lassen sich die Deutschen häufiger als Menschen in vielen anderen Industrieländern im Krankenhaus behandeln: Auf tausend Einwohner kommen hierzulande 244 Krankenhausbehandlungen, der OECD-Durchschnitt liegt bei 156. Nur Österreich verzeichnet noch höhere Fallzahlen im stationären Bereich. 

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Die OECD-Analysten sehen die Zahl der Krankenhausbehandlungen in der Altersstruktur der Bevölkerung, dem technologischen Fortschritt, neuen klinischen Verfahren sowie der Verfügbarkeit von Krankenhausbetten begründet. Mit acht Krankenhausbetten pro tausend Einwohner liegt Deutschland im Vergleich hinter Japan und Korea und deutlich über dem OECD-Durchschnitt von fünf Betten. Und das, obwohl die Anzahl der Krankenhausbetten pro Einwohner seit dem Jahr 2000 um knapp zehn Prozent gesunken ist.

Die Zahl der Ärzte ist laut dem Gesundheitsbericht seit 2000 in fast allen OECD-Ländern sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gestiegen. Auch hier rangiert Deutschland über dem Durchschnitt der OECD-Länder: Auf tausend Einwohner kommen 3,8 Ärzte und 11,4 Pflegekräfte. Sorgen bereiten den Autoren des Berichts zwei Entwicklungen.

Erstens sinkt in einigen Ländern die Zahl der Allgemeinmediziner, was nach Ansicht der OECD einen ausreichenden Zugang zur hausärztlichen Versorgung gefährdet. Zweitens sind fast ein Drittel aller Ärzte in OECD-Ländern über 55 Jahre alt. In Deutschland, Italien, Frankreich und Israel liegt der Anteil der über 55-jährigen Ärzte bei mehr als 40 Prozent. „In diesen Ländern wird es in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren einen großen Ersatzbedarf geben“, sagte OECD-Gesundheitsökonom Michael Müller. 

Insgesamt steht den Deutschen aber laut OECD-Bericht eine deutlich bessere medizi­nische Infrastruktur zur Verfügung als Einwohnern anderer OECD-Staaten. „Das sorgt dafür, dass das Gesundheitssystem für die Bevölkerung sehr gut zugänglich ist. Es gibt praktisch keine Wartezeiten für operative Eingriffe, und Patienten können frei entscheiden, welchen Arzt sie aufsuchen“, betonte Müller.

Dem Bericht zufolge lagen die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Jahr 2011 mit 11,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwei Prozentpunkte über dem OECD-Durch­schnitt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern habe die Finanzkrise in Deutschland keinerlei Auswirkungen auf das Gesundheitssystem gehabt. So lag die jährliche Wachstumsrate der Gesundheitsausgaben von 2000 bis 2011 stabil bei 2,1 Prozent, während das Wachstum in vielen anderen Ländern – vor  allem aber in Griechenland – deutlich eingebrochen ist .

Alle zwei Jahre gibt die OECD den Bericht „Gesundheit auf einen Blick“ heraus. Er stellt Entwicklungen und Einflüsse vor, die den Gesundheitsstatus, Gesundheitsleistungen und -politik in OECD-Staaten in den vergangenen Jahren geprägt haben. Obwohl man aus der positiven Entwicklung von Indikatoren wie Lebenserwartung und Kindersterblichkeit dem Bericht zufolge schließen kann, dass sich die Gesundheit der Bürger in OECD-Staaten stetig verbessert, haben Ungleichheiten bei Einkommen, Bildung und anderen sozialen Faktoren nach wie vor großen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung und deren Zugang zu Gesundheitsleistungen. © ank/aerzteblatt.de

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