Medizin

Parkinson: Neue Therapieansätze durch Gen-Silencing

Montag, 25. November 2013

Bethesda – US-Forscher haben in einer genomweiten Suche nach Genen gefahndet, die die Funktion des Proteins Parkin wieder herstellen, dessen Ausfall für die frühe Form der Erkrankung verantwortlich gemacht wird. In Nature (2013; doi: 10.1038/nature12748) wurden erste Ansätze für eine Therapie beschrieben.

Das Protein Parkin, kodiert im PARK2-Gen, wurde vor 15 Jahren als eine mögliche Ursache der frühen Parkinson-Erkrankung entdeckt. Inzwischen gibt es genauere Vorstellungen über seine Funktion. Seine Aufgabe könnte darin bestehen, defekte Mitochondrien zu markieren (Ubiquination), damit sie von den zelleigenen Recycling­zentren (Proteasom) abgebaut werden, um Platz für neue gesunde Mitochondrien zu schaffen. Beim Morbus Parkinson werden defekte Mitochondrien nicht mit Parkin markiert. Die Erkrankung ist nach dieser Hypothese Folge einer defekten Qualitätskontrolle in der Zelle.

Anzeige

Das Team um Richard Youle vom US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) in Bethesda sucht jetzt nach Möglichkeiten, die Markierung defekter Mitochondrien mit Parkin zu verbessern. Sie bedienten sich dabei der Technologie des Gen-Silencing.

Dabei wird die Expression einzelner Gene gezielt durch sogenannte Small interfering RNA (siRNA) blockiert. SiRNA lassen sich für jedes bekannte Gen im Labor synthe­tisieren. Die US-Forscher probierten im Labor tausende von Möglichkeiten durch. Dabei wurden zwei Gene (BAG4 und SIAH3) gefunden, deren Blockade in Zellen mit einem Parkin-Defekt tatsächlich die Markierung von defekten Mitochondrien verbessern.

SiRNA können im Prinzip therapeutisch genutzt werden. In kleine Lipidpartikel verpackt könnten sie nach einer Injektion in die Nervenzellen gelangen, wo sie dann einzelne Gene zum Verstummen bringen. In der Arzneimittelforschung ist dies ein vielver­sprechender Ansatz, der kürzlich erfolgreich zur Senkung des Cholesterinspiegels genutzt wurde. Beim Morbus Parkinson dürften die Aussichten auf eine Umsetzung allerdings gering sein.

Denn die Therapie müsste einsetzen, bevor die betroffenen Hirnzellen abgestorben sind. Sie käme zuerst für Patienten infrage, bei denen aufgrund eines bekannten Defekts im PARK2-Gen eine Erkrankung bevorsteht. Nichtsdestotrotz liefert die Studie neue Einblicke in die Pathogenese. Das siRNA-Screening dürfte in der Forschung noch auf andere Erkrankungen angewendet werden.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56074/RNA-Interferenz-senkt-Cholesterin |DÄ-Meldung: RNA-Interferenz senkt Cholesterin © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

22.09.16
Mannheim – Schlafstörungen und neurologische Erkrankungen können zusammenhängen. „Guter Schlaf erhöht dagegen die Chancen, bis ins hohe Alter geistig fit und gesund zu bleiben“, erläuterte der......
17.08.16
Funktionelle Kernspintomo­graphie zeigt Fortschreiten von Parkin­son-Krankheiten an
Gainesville – Die Änderung der Hirnaktivität, die ein fester Handgriff des Patienten in der funktionellen Kernspintomographie auslöst, könnte ein zuverlässiger Biomarker für Parkinson-Erkrankungen......
11.08.16
Suizidrisiko: Potenzieller Biomarker entdeckt
Grand Rapids – Menschen, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen, könnten eines Tages anhand eines Bluttests identifiziert werden. Forscher aus Australien, Schweden und den USA haben bei......
10.08.16
Birmingham – Parkinson-Patienten, die über einen langen Zeitraum L-Dopa einnehmen, entwickeln häufig medikamentenassoziierte Dyskinesien. Grund hierfür könnte eine fehlgeleitete DNA-Methylierung sein.......
19.07.16
Birmingham – Ein Fünftel alle Parkinson-Patienten zeigt Biomarker in ihrem Urin, die auf einen eher schweren Verlauf der Erkrankung hinweisen. Andrew West an der University of Alabama und seine......
13.07.16
Morbus Parkinson nach Gehirn­erschütterungen häufiger
Seattle – Menschen, die im Verlauf ihres Lebens eine Gehirnerschütterung mit kurzer oder längerer Bewusstseinsstörung erlitten haben, erkranken im späteren Leben häufiger an einem Morbus Parkinson.......
11.07.16
Hat Parkinson autoimmune Auslöser?
Montreal – Möglicherweise spielt das Immunsystems bei der Pathogenese eines Morbus Parkinson eine größere Rolle als bisher angenommen. Dafür sprechen neue Forschungsergebnisse der University of......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige