Politik

Gesundheitliche Ungleichheit hat in den letzten 20 Jahren zugenommen

Dienstag, 26. November 2013

Berlin – Noch nie waren in Deutschland so viele Menschen erwerbstätig wie im Jahr 2012. Hatten 1997 noch weniger als 38 Millionen Menschen eine Arbeit, so waren es im vergangenen Jahr 41,5 Millionen. Das geht aus dem Datenreport 2013 hervor, der heute in Berlin präsentiert wurde. „Das sogenannte deutsche Jobwunder relativiert sich jedoch, wenn man nicht nur die Personen betrachtet, sondern die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamt, Roderich Egeler. Denn das Arbeitsvolumen habe trotz einer deutlich größeren Zahl an Erwerbstätigkeiten unter dem des Jahres 1991 gelegen. Grund dafür sei, dass immer mehr Menschen, gewollt oder ungewollt, in Teilzeit arbeiteten.

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Zugleich stieg der Anteil armutsgefährdeter Personen dem Report zufolge seit 2007 von 15,2 auf 16,1 Prozent an. Als arm galt 2011, wer weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte. 18- bis 24-Jährige und 55- bis 64-Jährige seien dabei weitaus häufiger von Armut bedroht gewesen als Menschen anderer Altersgruppen, erklärte Egeler. Zwei Gründe für das zunehmende Armutsrisiko junger Menschen seien die lange Ausbildung und die immer schlechter bezahlten Einstiegsjobs, sagte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger.

Schlechter Gesundheitszustand bei Armut
Auf die Korrelation zwischen Armut und Gesundheit verwies Roland Habich vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hin: „Von Armut bedrohte Männer haben ein dreifach höheres Risiko, einen weniger guten oder schlechten allgemeinen Gesundheitszustand zu haben als Männer aus der hohen Einkommensgruppe.“

Zudem seien Männer und Frauen, die von Armut betroffen sind, in fast allen Alters­gruppen deutlich häufiger adipös als Männer und Frauen in höheren Einkommens­gruppen. Auch auf die Mortalität habe Armut eine deutliche Auswirkung. „Die mittlere Lebenserwartung bei Geburt von Männern der niedrigen Einkommensgruppe liegt fast elf Jahre unter der von Männern der hohen Einkommensgruppe“, sagte Habich. Bei Frauen betrage die Differenz achte Jahre.

„Die vorliegenden Erkenntnisse sprechen dafür, dass die gesundheitliche Ungleichheit in den letzten zwanzig Jahren zugenommen hat“, heißt es in dem Datenreport. Dies lasse sich beispielsweise für den allgemeinen Gesundheitszustand, das Rauchverhalten und die sportliche Aktivität belegen. Auch Studien aus anderen Ländern deuteten eher auf eine Ausweitung als auf eine Verringerung der sozial bedingten Unterschiede in der Gesundheit und Lebenserwartung hin.

In dem Report wurde auch die Anzahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen untersucht. So waren im Jahr 2011 4,9 Millionen Menschen im Gesundheitssystem tätig und damit zehn Prozent mehr als im Jahr 2006. Der Datenreport wird vom Statistischen Bundesamt, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Sozio-oekonomischen Panel am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung herausgegeben. © fos/aerzteblatt.de

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