Medizin

Notfall-Kontra­zeption bei adipösen Frauen unzuverlässig

Mittwoch, 27. November 2013

Edinburgh – Notfallkontrazeptiva (die sogenannte Pille danach) mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sind bei adipösen Frauen offenbar weniger zuverlässig als bei schlanken Frauen. Eine Meta-Analyse in Contraception (2013; 84: 363-367) stellt auch die Zuverlässigkeit von Ulipristal infrage.

Die Studie fasst die Ergebnisse aus zwei randomisierten kontrollierten Studien zusammen, die die Effektivität von Ulipristal und Levonorgestrel untersucht hatten. Die von Anna Glasier von der Universität Edinburgh zusammen mit Wissenschaftlern des Herstellers HRA Pharma, Paris, durchgeführte Untersuchung ergab, dass adipöse Frauen trotz Einnahme von Levonorgestrel mehr als viermal häufiger schwanger wurden als normalgewichtige Frauen (Odds Ratio 4,41; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,05-9,44).

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Auch für Ulipristal wurde eine etwa zweieinhalbfach höhere Versagerrate ermittelt (Odds Ratio 2,62), die bei einen 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,89 bis 7,00 aber das Signifikanzniveau verfehlte. Wie nicht anders zu erwarten, war das Schwanger­schaftsrisiko bei beiden Methoden besonders hoch, wenn der ungeschützte Geschlechtsverkehr einen Tag vor der vermuteten Ovulation stattfand (Odds Ratio 4,42; 2,33-8,20) oder wenn die Frauen nach Einnahme der Pille noch einmal einen unge­schützten Verkehr hatten (Odds Ratio 4,64; 2,22-8,96).

Glasier empfiehlt den Frauenärzten, allen übergewichtigen Frauen (BMI 25 oder höher) nach einem ungeschützten Verkehr als ideale Lösung ein Kupfer-Intrauterinpessar (IUD) anzubieten. Es gilt unter Experten als die sicherste Notfallkontrazeption. Das IUD verhindert die Implantation des befruchteten Embryos und ist deshalb auch einige Tage nach einem ungeschützten Verkehr noch effektiv. Die höhere Versagerrate von Levonorgestrel und vielleicht auch Ulipristal könnte mit der Lipophilie der Wirkstoffe zusammenhängen. Sie führt zu einer Anreicherung im Fettgewebe, was die effektive Wirkstoffkonzentration im Serum senkt.

Interessanterweise haben die Ergebnisse der Studie, die bereits seit 2011 verfügbar sind, bisher keine regulatorischen Folgen gehabt. In den Fachinformationen der beiden Notfallkontrazeptiva von HRA Pharma (PiDaNa mit Levonorgestrel und Esmya mit Ulipristal) wird nicht auf eine bei Adipositas möglicherweise erhöhte Versagerrate hingewiesen. Eine Vertreterin von HRA Pharma sprach jetzt gegenüber BBC-Online von „überraschenden“ Ergebnissen, die eine Diskussion über die Wirksamkeit von Levonorgestrel ausgelöst hätten.

Für das nächste Jahr wurde eine Änderung der Fachinformation von Norlevo (der britischen Variante von PiDaNa) angekündigt. Für Ulipristal scheint der Hersteller (möglicherweise aufgrund der nicht-signifikanten Ergebnisse) keinen Handlungsbedarf zu sehen. Dem Vernehmen nach beschäftigt sich die US-Arzneibehörde FDA derzeit mit der Effektivität der hormonellen Notfallkontrazeption. © rme/aerzteblatt.de

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