Politik

Forschende Arzneimittel­hersteller: Nutzenbewertung muss auch langfristige Effekte neuer Arzneimittel berücksichtigen

Donnerstag, 28. November 2013

Berlin – Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat gefordert, bei der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) auch deren langfristige Effekte auf die Gesundheitsausgaben zu betrachten. Bei der heutigen Nutzenbewertung werde der Mehrwert neuer Arzneimittel nicht richtig gewertet, da die Gesamteffizienz der neuen Medikamente nicht abgebildet werde, sagt die Hauptgeschäftsführerin des vfa, Birgit Fischer, heute in Berlin.

„Man stellt sich die Frage, welchen Wert ein Arzneimittel generiert, und je höher dieser Wert ist, desto höher darf auch der Preis sein. Das ist die Philosophie, die auch hinter dem AMNOG steht“, erklärte Matthias Schönermark von der Unternehmensberatung SKC, der im Auftrag des vfa das Gutachten „Kostenevaluation von Arzneimitteln: internationale Standards der Gesundheitsökonomie und derzeitige deutsche Praxis“ angefertigt hat. Bei der Bewertung der Arzneimittel in Deutschland würden jedoch viele Aspekte ausgeblendet, die für die Wertgenerierung von Bedeutung seien.

Anzeige

Das AMNOG schaue ausschließlich auf das erste Jahr, kritisierte Schönermark. Effekte, die in den kommenden Jahren realisiert würden, würden nicht in den Blick genommen. Selbst der viel gescholtene britische Gesundheitsdienst NHS nehme Effekte aus fünf Jahren in den Blick.

„Vergleicht man den Ansatz anderer Länder, die ebenfalls Arzneimittelevaluationen durchführen, fällt auf, dass in Deutschland die sogenannten Cost-offsets (vermiedene Kosten in anderen Leistungsbereichen) systematisch unberücksichtigt bleiben“, heißt es in dem Gutachten. „Dies führt aber zu erheblichen Verzerrungen, da die Kosten des Gesamtsystems maßgeblich vernachlässigt werden und durch die Therapie erzielbare Einsparungen in anderen Sektoren außerhalb der Betrachtung bleiben.“

Führe beispielsweise das neu eingeführte Medikament zu einer Verlangsamung der zugrundeliegenden Erkrankung des behandelten Patienten oder zu einer Linderung der Beschwerden, die dem Patienten Krankenhausaufenthalte erspare oder Arbeitsunfähigkeit vermeide oder gar eine Berentung als nicht mehr notwendig erscheinen lasse, so würden die durch die Therapie vermiedenen Kosten nicht bei der Betrachtung der Kosten des Arzneimittels gegengerechnet. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

12.09.16
Frühe Nutzenbewertung darf Therapiefreiheit der Ärzte nicht einschränken
München/Stuttgart/Dortmund – Vor Einschränkungen bei der Therapiefreiheit der Ärzte haben die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in Bayern, Baden-Württemberg und Westfalen-Lippe gewarnt.......
09.09.16
Berlin – Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe haben die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) begrüßt, dem Diabetesmedikament Empagliflozin für......
07.09.16
TK-Report: Nur eines von 23 neuen Arzneimitteln brachte therapeutischen Fortschritt
Berlin – Nur eines der 23 im Jahr 2013 auf den Markt gekommenen Arzneimittel hat einen therapeutischen Fortschritt gebracht. Das ist ein Ergebnis des Innovationsreports 2016, den das Forschungszentrum......
01.09.16
Köln – „Der Verzicht auf eine Bewertung des Zusatznutzens bei Orphan Drugs hat sich nicht bewährt.“ Dieses Fazit zieht der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen......
17.08.16
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat es als „sehr sinnvoll“ bezeichnet, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte besser über den Nutzen neuer Arzneimittel zu informieren. Eine......
16.08.16
Bundesärztekammer: Kritik und Lob für AMG-Reform
Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) haben die im Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung“ vorgesehene......
20.07.16
Kein Konsens für europaweit einheitliche Bewertung neuer Arzneimittel
Berlin – Innerhalb der Europäischen Union (EU) gibt es Bemühungen der Health Technology Assessment (HTA)-Organisationen, bei der Bewertung neuer Arzneimittel enger zusammenzuarbeiten. Das erklärte der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige