Politik

Experten diskutieren Qualität als Kriterium der Krankenhausplanung

Montag, 2. Dezember 2013

Berlin – Künftig soll „Qualität als weiteres Kriterium für Entscheidungen der Kranken­hausplanung gesetzlich eingeführt“ werden. So steht es im Koalitionsvertrag, den Union und SPD in der vergangenen Woche unterschrieben haben. Über die Umsetzung dieser Vorgabe diskutierten am Freitag Experten auf dem 7. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin.

„Wir haben kein Qualitäts-, sondern ein Finanzierungsproblem“, meinte die Geschäfts­führerin im Bereich Klinikmanagement der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Andrea Grebe. Schon heute erfüllten die Krankenhäuser zahlreiche Vorgaben zur Struktur- und Prozessqualität. „Die Frage ist aber: Wer bezahlt das alles?“, sagte Grebe. Zudem frage sie sich, ob nicht eine Scheindiskussion geführt werde, bei der es gar nicht um Qualität, sondern um Strukturbereinigung gehe.

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Weniger Krankenhäuser schafft Qualität
Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin sprach sich dafür aus, Krankenhäuser in Deutschland zu schließen, um auf diese Weise die Qualität der stationären Behandlung zu erhöhen. So werde es zum Beispiel in Dänemark praktiziert. „In Dänemark kam 1980 ein Krankenhaus auf 50.000 Patienten“, sagte Busse.

2007 sei es ein Krankenhaus auf 160.000 Patienten gewesen; künftig solle es sogar ein Krankenhaus pro 280.000 Patienten sein. „Die Dänen zentralisieren die Krankenhauskapazität, um so eine bessere Qualität zu erreichen“, erklärte Busse. Und der Erfolg gebe ihnen recht. Denn in Dänemark verstürben weit weniger Herzinfarktpatienten als in Deutschland.

Busse kritisierte zudem, dass es in Deutschland immer nur um die Anzahl der Krankenhausbetten gehe. In Kalifornien werde hingegen nicht an der Bettenzahl angesetzt, sondern die Anzahl der Pflegekräfte pro Patient definiert. „Gemessen an diesen Vorgaben müssten alle deutschen Krankenhäuser geschlossen werden“, so Busse. 

Qualitätskriterium fachärztliche Mindestbesetzung
Der Präsident der Landeskrankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (NRW), Jochen Brink, berichtete vom Krankenhausplan NRW 2015, der im Juli dieses Jahres in Kraft gesetzt wurde. Durch detaillierte Vorgaben zur Strukturqualität soll darin die Qualität der Leistungserbringung in den etwa 400 Krankenhäusern des Landes gesichert werden, zum Beispiel durch die Festlegung einer fachärztlichen Mindestbesetzung von Abteilungen.

Der Krankenhausplan enthalte noch große Interpretationsspielräume, sagte Brink. Auf regionaler Ebene würden nun die Gespräche zur Umsetzung des Planes beginnen. In jedem Fall sollten in den kommenden Jahren 11.000 Betten im Land abgebaut werden.

„Qualität im Krankenhaus geht mit zwei Dingen: Indem man anfängt, und indem man langsam anfängt“, meinte Jan Helfrich von der DAK. Im Krankenhausplan NRW gehe es um kleine Dinge. „Aber wir werden nie anfangen, wenn wir nicht mit kleinen Dingen anfangen“, so Helfrich. © fos/aerzteblatt.de

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