Ärzteschaft

Chirurgen: Neue Medizinprodukte in klinischen Studien testen lassen

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) hat gefordert, die Sicherheit neuer Medizinprodukte in klinischen Studien testen zu lassen. Zudem unterstützt sie die Initiative der EU-Kommission, die Medizinprodukteverordnung zu verschärfen und strengere Kriterien für die Zulassungsstellen durchzusetzen. „Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass die europaweiten Zulassungsstellen nicht not­wendiger­weise die Sicherheit neuer Produkte garantieren, da die Kriterien dieser Zulassungsstellen teils erheblich divergieren“, sagte DGCH-Präsident Joachim Jähne heute in Berlin.

Anzeige

Die EU-Initiative dürfe aber „nur der erste Schritt“ sein. Der zweite sei es, den Nutzen von Medizinprodukten in Studien zu untersuchen. Die DGCH habe dafür schon vor zehn Jahren in Heidelberg ein Studienzentrum gegründet, das die personellen und infrastruk­turellen Voraussetzungen besitze, um diese Studien zusammen mit der Medizinprodukte­industrie durchzuführen, so Jähne. Die Qualität der Patientenversorgung könne zudem durch die Einrichtung von Registern verbessert werden, mit denen langfristig geprüft werden könne, wie es den Patienten nach Einsatz von Medizinprodukten wie Hüftgelenksprothesen gehe. 

Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD im Gesundheits­bereich bewertete der Generalsekretär der DGCH, Hans-Joachim Meyer. Er kritisierte, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung künftig zur Verbesserung der Qualitätssicherung unangemeldet Kontrollen in Krankenhäusern durchführen soll. Es sei schwierig, Qualität durch die Einführung von noch mehr Bürokratie sichern zu wollen, so Meyer.

Er monierte zudem, dass Union und SPD dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Fülle weiterer Aufgaben übertragen wollen. Denn dieser sei mit Mitarbeitern besetzt, die oftmals fernab der klinischen Routine ständen. Auch sei es für Fachgesellschaften schwierig, sich beim G-BA Gehör zu verschaffen.

Meyer bemängelte zudem, dass die Routinedaten der Krankenkassen künftig für die Versorgungsforschung genutzt werden sollten. Dies sei gar nicht möglich. Im Bereich der Onkologie seien zum Beispiel die verschiedenen Tumorstadien in den Daten überhaupt nicht enthalten.

Der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen, Hans-Peter Bruch, kritisierte, dass heute nicht mehr das Leiden des Patienten im Mittelpunkt stehe, sondern das Primat der Ökonomie. Vor allem größere Klinikbetreiber würden ihre Abteilungen neu einrichten, weil das DRG-System dafür sorge, dass bestimmte Leistungen gewinnträchtig seien.

Wenn die Kosten für eine stationäre Behandlung einschließlich des „shareholder value“ vom DRG-System nicht gedeckt würden, werde zum Beispiel gesagt, der betreffende Patient in einer anderen Klinik, zum Beispiel einem Maximalversorger oder einer Universitätsklinik, besser aufgehoben. Insofern führe das System zu Fehlanreizen. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

16.08.16
Berlin – Beim Kauf von medizinischen Produkten verlässt sich gut die Hälfte der Patienten voll und ganz auf das Urteil des Arztes. Das ergab eine heute bekannt gewordene Umfrage im Auftrag der......
18.07.16
Lübeck – Der Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Dräger hat weiter mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Nach den vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal 2016 ging der Umsatz währungsbereinigt um......
15.07.16
Berlin/Düsseldorf – Eine Bewertung von Medizinprodukten ist in Deutschland aufgrund handwerklicher Fehler im Gesetzentwurf kaum möglich. Das ist das Ergebnis eines Arbeitstreffens der......
02.05.16
Brustim­plantate-Skandal: Berufungsgericht bestätigt Haftstrafe
Aix-en-Provence – Im Skandal um Brustimplantate aus Billigsilikon hat ein französisches Berufungsgericht die vierjährige Haftstrafe für den Gründer des Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP)......
27.04.16
Duderstadt - Der Prothesen-Hersteller Otto Bock hat vor dem für 2017 geplanten Börsengang den Umsatz deutlich gesteigert. Die Erlöse der Firmengruppe betrugen 2015 rund 1,031 Milliarden Euro, sagte......
26.04.16
Berlin – Neue Geräte und Technologien schneller für die Patienten verfügbar zu machen und so den Heimatmarkt Deutschland zu stärken, fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) in seinem......
26.04.16
Lübeck - Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Dräger hat seinen Verlust im 1. Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum erhöht. Der Fehlbetrag nach Steuern betrug 13,6 Millionen Euro nach......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige