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Ältestes menschliches Erbgut entschlüsselt

Donnerstag, 5. Dezember 2013

London/Leipzig – Einem internationalen Wissenschaftlerteam ist ein sensationeller Erfolg bei der Erforschung der Entstehung der Menschheit gelungen: Ein Team vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig entschlüsselte mit Hilfe neuester Analysetechniken das bislang älteste menschliche Erbgut, wie das Fachblatt Nature (doi:10.1038/nature12788) berichtet. Gemeinsam mit Kollegen aus Madrid hatten die Leipziger Forscher einen rund 400.000 Jahre alten Knochenfund aus Atapuerca im Norden Spaniens ausgewertet.

Das verhältnismäßig gut erhaltene Knochenpulver aus dem Oberschenkel eines menschenartigen Lebewesens ist rund 320.000 Jahre älter als die bislang älteste entschlüsselte Erbsubstanz des sogenannten Denisova-Menschen aus dem Süden Sibiriens.

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Die Knochenfunde aus den Karsthöhlen in Atapuerca in der nordspanischen Provinz Burgos halten die Paläontologen bereits seit zwei Jahrzehnten in Atem, führten aber bislang noch nicht zu einer allgemein akzeptierten Neuinterpretation der Menschheits­geschichte. Die Funde, darunter 28 menschenartige Skelette, reichen viel weiter in die Vergangenheit zurück als die der inzwischen weithin bekannten Neandertaler.  

Die Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut um Matthias Meyer und Svante Pääbo konnten auf einen dieser Funde zugreifen, der von den spanischen Forschern um Juan Luis Arsuaga aus Madrid zur Verfügung gestellt wurde. Sie testeten ihre Rekonstruktion von DNA aus den Mitochondrien seit dem Jahr 2010 zunächst am Knochenfund eines Bären aus derselben Höhle von Atapuerca („Sima de los Huesos“) und wandten sie dann an dem Oberschenkel an. Dafür reichten ihnen zwei Gramm Knochenpulver.  

Die Vergleiche des Erbguts aus Atapuerca mit anderen Vorläufern aus dem Stammbaum der Menschen (Hominini) dürften die Wissenschaft noch geraume Zeit beschäftigen. Jedenfalls ergab die erste Auswertung, dass die genetische Nähe zwischen den Hominini aus Nordspanien und den Denisova-Menschen größer ist als die zu den Neandertalern. Die Paläontologen gehen jedoch davon aus, dass die genetische Auseinander­ent­wicklung der Sima-Menschen von den Denisova-Menschen sogar rund 700.000 Jahre zurückliegen muss.  

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir nun sogar das Erbgut von menschlichen Verwandten untersuchen können, die vor mehreren hunderttausend Jahren lebten“, sagte der Leipziger Max-Planck-Direktor Svante Pääbo. „Das eröffnet uns ganz neue und aufregende Möglichkeiten.“ Von zentraler Bedeutung sind dabei die Analyse­techniken, die an dem Leipziger Institut perfektioniert wurden.  

„Der nächste Schritt wäre nun, die Kern-DNA zu sequenzieren“, sagte Studienleiter Matthias Meyer am Donnerstag. Die DNA aus den Mitochondrien hat letztlich eine geringere Aussagekraft als das Erbgut aus den Zellkernen. Nach einem Jahr der Forschung am Erbgut aus dem Oberschenkel-Knochenpulver will Meyer die Auswertung der „unglaublichen Goldmine“ aus der „Knochengrube“ in Nordspanien gerne fortsetzen. © hil/aerzteblatt.de

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