Medizin

Alzheimerverbände befürchten stärkeren Anstieg von Demenzerkrankungen

Donnerstag, 5. Dezember 2013

London – Die Zahl der Demenzerkrankungen im Alter könnte stärker ansteigen als bisher angenommen. Im Jahr 2050 werden weltweit 135 Millionen Menschen an Demenz erkrankt sein, schätzt der Dachverband Alzheimer's Disease International (ADI), der seine erst kürzlich im World Alzheimer Report 2013 veröffentlichten Zahlen nach oben korrigiert hat. Anlass ist der bevorstehende „G8 Demenz-Gipfel“, den der Verband im 11. Dezember in London veranstaltet.

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Im World Alzheimer Report 2013 war noch von 115 Millionen Demenzkranken bis 2050 die Rede, doch der Autor Martin Prince vom King's College in London scheint damals einige Daten aus Ostasien und dem Afrika südlich der Sahara übersehen zu haben. Für die ADI ist dies ein Anlass für ein erneutes Kurzdossier und die Werbung zu dem „G8 Demenz-Gipfel“, der mit Unterstützung des britischen Gesundheits­minsteriums in London stattfindet.

Ansonsten enthält das Dossier wenig Neues. Die ADI geht weiter von einem Anstieg der Demenzerkrankungen in den reichen Ländern aus. Die Zahl der Betroffenen soll sich in den G8-Ländern von derzeit 14 Millionen bis 2050 auf fast 29 Millionen verdoppeln. Für die Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen wird beinahe eine Vervierfachung von 28 auf 97 Millionen Demenzkranke prognostiziert. Auf diese Länder würden dann 71 Prozent aller weltweiten Demenzerkrankungen entfallen, ohne dass die Regierungen darauf vorbereitet wären. Laut ADI verfügen nur 13 Länder über einen „nationalen Demenz-Plan“.

Die Schätzungen der ADI werden nicht von allen Experten geteilt. So fand das Team um Carol Brayne vom Cambridge Institut of Public Health kürzlich heraus, dass die Prävalenz von Demenzerkrankungen im Alter in den letzten 20 Jahren zurückgegangen ist – mit der Folge, dass  die Gesamtzahl der Betroffenen trotz Veränderung der Alterspyramide annähernd gleich geblieben ist (Lancet 2013; 382: 1507-1513).

Das Team um Kaare Christensen von der Universität in Odense kam in einer weiteren Studie zu dem Ergebnis, dass sich die kognitiven Funktionen von über 90-Jährigen im letzten Jahrzehnt gebessert haben, was der Forscher auf den Rückgang der Raucher in der Gesellschaft sowie die bessere Behandlung von Hypertonie und Hypercholes­terinämie zurückführt. Sie sind Risikofaktoren für zerebralsklerotische Erkrankungen, die im Gegensatz zur echten Morbus Alzheimerdemenz vermeidbar sind (Lancet 2013; 382: 1507-13). © rme/aerzteblatt.de

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