Medizin

Hepatitis C: Teure Heilung in Sicht

Freitag, 13. Dezember 2013

Rockville – Der Hersteller Gilead ist wegen der Preisgestaltung des Hepatitis C-Medika­ments Sovaldi in die Kritik geraten. Jede Tablette mit dem Wirkstoff Sofosbuvir soll 1.000 US-Dollar kosten. Das halten Kritiker für maßlos überteuert.

Der Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir gilt als das derzeit beste Medikament zur Behand­lung der Hepatitis C. In Kombination mit Ribavirin und pegyliertem Interferon erzielte Sofosbuvir in klinischen Studien bei bis zu 90 Prozent der Patienten mit Genotyp 1 eine „sustained virologic response“ (SVR), die mit einer Heilung gleichgesetzt wird.

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Ohne Sofosbuvir sind die Chancen weniger als halb so groß und die Therapie dauert doppelt so lange. Der Genotyp 1 ist in den Industrieländern die häufigste Variante. Bei den Genotypen 2 und 3 kann sogar auf die begleitende Interferontherapie verzichtet werden.

Diese Vorteile gegenüber der bisherigen Therapie hat jedoch ihren Preis. Der Groß­handels­preis für Sovaldi soll 28.000 US-Dollar pro Flasche betragen. Jede Flasche enthält 28 Tabletten, die einmal täglich eingenommen werden. Der Preis für Deutschland ist noch nicht bekannt. Das Mittel dürfte aber in Kürze zugelassen werden, nachdem die EMA im November eine positive Empfehlung abgegeben hat.

Der hohe Preis von Sofosbuvir ist nicht die Folge einer komplexen Synthese. Die Herstellungskosten sind gering. Der Pharmakologe Andrew Hill von der Universität Liverpool schätzte sie gegenüber Science auf 68 bis 136 US-Dollar – und zwar nicht für eine Tablette sondern für die Gesamtration einer 12-wöchigen Therapie. Der hohe Verkaufs­preis hat nach Einschätzung von Beobachtern einen anderen Grund.

Gilead hat Sofosbuvir nicht selbst entwickelt, sondern von einer kleinen Firma gekauft und dafür im Januar 2012 nicht weniger als 11,2 Milliarden US-Dollar bezahlt. Die Hepatitis C wird von den Herstellern als lukratives Geschäft betrachtet, in das viele Konzerne sich mangels eigener Innovationen einkaufen müssen. Deshalb dürften auch die zahlreichen anderen Mittel, die derzeit in der klinischen Erprobung sind, sehr teuer werden.

Die meisten Hepatitis C-Kranken gibt es allerdings nicht in den Industrieländern, wo sich heute fast nur noch i.v.-Drogenabhängige infizieren (eine sexuelle Übertragung ist auch möglich, aber seltener). Die Hersteller spekulieren vor allem auf die Behandlung  einer unbekannten Zahl von Menschen, die sich vor Entdeckung des Virus und der Testent­wicklung iatrogen mit einer Non-A-Non-B-Hepatitis infizierten.

Die meisten Erkrankungen treten in ärmeren Ländern auf. Experten schätzen den Anteil auf 90 Prozent. Für diese Patienten ist Sovaldi unbezahlbar. Die Non-Profit-Organisation Treatment Action Group (die aus der ACT-Up-Bewegung HIV-Infizierter hervorgegangen ist) fordert deshalb, dass der Hersteller das Medikament kostengünstig zur Verfügung stellt.

Gilead hat gegenüber Science eine gewisse Bereitschaft signalisiert, gleichzeitig aber auf die „komplexen Herausforderungen“ einer Zweipreispolitik hingewiesen. Tatsächlich könnte die günstigere Abgabe an Patienten in ärmeren Ländern schnell zu einem Schwarzhandel führen.

Da die Hepatitis C erst nach Jahrzehnten zu Leberzirrhose und -krebs führt, dürften viele Patienten in den Entwicklungsländern bereit sein, das persönliche Risiko zu ignorieren, und das günstig erworbene Medikament zum Vielfachen des Preises weiter verkaufen. © rme/aerzteblatt.de

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