Politik

Pflegende Angehörige oft im Dauerstress

Dienstag, 17. Dezember 2013

Hamburg – Fast sieben von zehn pflegenden Angehörigen fühlen sich gestresst, fast 40 Prozent stehen unter Dauerdruck – fast doppelt so viele wie im Bevölkerungs­durch­schnitt (20 Prozent). Das berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa.

Die Pflegesituation geht auch mit einer schlechteren Gesundheitsbilanz einher. Zwei Drittel der Pflegenden geben an, dass sie unter Rückenschmerzen leiden (66 Prozent gegenüber 58 Prozent im Bundesschnitt). Fast jeder Zweite kämpft zudem mit Schlafstörungen (46 gegenüber 32 Prozent). 41 Prozent fühlen sich nervös und gereizt, verglichen mit durchschnittlich 25 Prozent.

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Auch niedergedrückte Stimmungen, Atembeschwerden und Angstzustände treten häufiger auf. Jeder Vierte, den die Pflege Angehöriger belastet, gibt zudem an, dass er in den letzten Jahren psychische Erkrankungen wie Burn-out, Depressionen oder Angststörungen hatte.

Pflegenden fällt es außerdem oft schwer, die Belastungen mit der Freizeit und dem Privatleben in einen Ausgleich zu bringen. Mehr als jeder Zweite (53 Prozent) gibt an, dass Freunde und Familie wegen des Berufs oft zu kurz kommen. Im Bundesdurchschnitt empfindet das nur jeder Dritte (34 Prozent). Auf der anderen Seite fehlt Pflegenden dadurch eine wichtige Möglichkeit, um aufzutanken. So sagt nur jeder Zweite, er könne Energie aus seinem Privatleben ziehen – gegenüber sieben von zehn Menschen im Bevölkerungsschnitt.

„Sich um einen kranken oder alten Angehörigen zu kümmern, ist für viele Betroffene eine Herzensangelegenheit. Unsere Daten zeigen aber auch, dass die Pflege an Nerven und Gesundheit zerrt“, sagt Heiko Schulz, Diplompsychologe bei der TK. Zu körperlichen Anstrengungen wie Heben oder Tragen und einem hohen Zeitaufwand komme die ständige Sorge um den Pflegebedürftigen. Viele Angehörige fühlten sich „wie in einem Hamsterrad und haben das Gefühl, nur noch zu funktionieren“, so Schulz. Es sei wichtig, ihre gesundheitlichen Ressourcen zu stärken, damit sie die unvermeidbaren Belastungen bewältigen könnten.

„Pflegende Angehörige sollten sich auch Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld holen“, rät der TK-Psychologe. Am Arbeitsplatz erweise es sich in der Regel als hilfreich, Vorgesetzte und Kollegen offen über die private Belastung zu informieren. Auch Auszeiten seien möglich: Stehe Urlaub an oder werde der Pflegende selbst krank, übernehme die Pflegeversicherung für die sogenannte Ersatzpflege für bis zu 28 Tage im Jahr Kosten bis zu 1.550 Euro. Die Pflege kann dabei zu Hause durch Freunde oder einen ambulanten Pflegedienst übernommen werden. Entlastend seien auch individuelle Schulungen oder Kurse, in denen Pflegende Techniken wie rückengerechtes Pflegen und Pflegemethoden erlernen könnten.   hil © hil/aerzteblatt.de

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