Medizin

Retinazellen aus dem Tintenstrahl-Drucker

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Cambridge – Britischen Forschern ist es gelungen, Nervenzellen der Retina mit Hilfe eines Piezo-Druckers, wie er auch in Tintenstrahl-Druckern verwendet wird, auf einer Grundlage zu platzieren. Ihr in Biofabrication (2013; doi:10.1088/1758-5082/6/1/015001) vorgestelltes Verfahren könnte verwendet werden, um komplexe neuronale Netzwerke, wie sie in der Retina existieren, im Labor nachzubauen.

Die Retina des Auges ist ein feinstrukturiertes Netzwerk aus Sinneszellen, verschiedenen Neuronen und Epithelzellen. Sie verwandelt die aufgefangenen Photonen (oder Licht­wellen) nicht nur in Nervensignale. In der Netzhaut des Auges findet auch eine erste Verschaltung statt, bevor die Signale über den Sehnerven an das Gehirn weitergeleitet werden. Aufgrund ihrer überschaubaren Architektur ist die Retina zum Gegenstand einer regenerativen medizinischen Forschung geworden, die sich zum Ziel gesetzt hat, menschliche Organe im Labor nachzubauen.

Anzeige

Ein wichtiges Werkzeug sind Piezo-Drucker, deren Düsen einzelne Zellen an dem gewünschten Ort platzieren könnten. Eine wichtige Voraussetzung für die Verwendung der Drucker ist, dass die einzelnen Zellen den Weg vom Container, der mit einer Zellsuspension gefüllt wird, durch die enge Düse auch überleben. Dieser Nachweis ist jetzt einem Team um Keith Martin vom John van Geest Centre for Brain Repair der Universität Cambridge gelungen.

Trotz der Scherkräfte, welche die Zellen beim Durchtritt durch die Düse mit einem Durchmesser im Submillimeterbereich ausgesetzt werden, blieben die Zellen intakt. Die elektrischen Impulse, die beim Piezodruckverfahren zur Steuerung benötigt werden, scheinen auch die Funktion der Zellen nicht geschädigt zu haben. In Zellkulturen waren sie weiter lebensfähig und in der Lage, Dendriten auszubilden.

Das Team hatte die Experimente mit Ganglienzellen aus der Retina und Gliazellen des Nervensystems durchgeführt, die sie von Ratten gewonnen hatten. Martin ist zuver­sichtlich, dass die Zellen ihre Funktion in einem künstlichen retinalen Netzwerk erfüllen würden. Die Forscher wollen ihre Experimente demnächst mit den lichtempfindlichen Photorezeptoren fortsetzen.

Sollten sich auch diese mit dem Piezodrucker präzise platzieren lassen, könnte im Prinzip eine Netzhaut rekonstruiert werden. Voraussetzung für eine funktionierende Retina wäre allerdings, dass die einzelnen Zellen Kontakt zueinander aufbauen und nach einer etwaigen Transplantation in die Netzhaut einwachsen würden. Bis dahin dürfte es noch ein längerer Weg sein. Die jetzt publizierten Ergebnisse könnten der erste Schritt in diese Richtung sein. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

14.06.16
Typ-2-Diabetes: Aggressive Blutzuckersenkung vermeidet Augenschäden über Therapieende hinaus
Bethesda/Maryland – Eine intensive Blutzuckersenkung kann bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Entwicklung von Augenschäden vermindern. Die günstige Wirkung war in einer großen randomisierten Studie......
09.05.16
München – Ein positives Fazit ihres Augenchirurgie-Vertrages hat die AOK nach einem Jahr Laufzeit gezogen. An dem Vertrag nach Paragraf 73c des fünften Sozialgesetzbuches mit dem Bundesverband......
04.05.16
Philadelphia – Die Einführung der proliferationshemmenden Anti-VEGF-Therapie scheint auch langfristig günstige Behandlungsergebnisse bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zu erzielen. Es......
01.05.16
Oxford – Anders als bei der Leberschen Kongenitalen Amaurose, wo Gentherapien die Sehleistung der Patienten bisher nur über wenige Monate verbessern konnten, scheint die Behandlung bei der......
04.04.16
Berlin – Alle Babys, bei denen der Verdacht auf Schielen besteht, oder in deren Familien Schielen vorkommt, sollten schon mit sechs bis zwölf Monaten beim Augenarzt vorgestellt werden. Darauf hat die......
28.03.16
Vitamin C könnte vor grauem Star schützen
London – Die Entwicklung einer Katarakt (Grauer Star) ist nur zu einem Drittel genetisch bedingt. Die anderen beiden Drittel waren in einer Zwillingsstudie in Ophthalmology (2016; doi:......
10.03.16
San Diego/Osaka – Bei Säuglingen kann sich die Linse nach einer partiellen Linsenextraktion aus den im Auge verbliebenen Stammzellen regenerieren. Das Operationsverfahren, das chinesische und......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige