Medizin

MRT: Schaden Gadolinium-Rück­stände im Gehirn?

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Tokio – Die wiederholte Verwendung von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln in der Kernspintomographie (MRT) hinterlässt möglicherweise Spuren im Gehirn. Eine Studie in Radiology (2013M doi: http://dx.doi.org/10.1148/radiol.13131669) sieht eine Verbindung mit Hyperintensitäten in zwei Hirnregionen. Kausalität und klinische Relevanz sind jedoch unklar.

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel galten lange als unbedenklich, da das hochtoxische paramagnetische Metall Gadolinium chemisch fest in Chelate gebunden ist. Inzwischen wird Gadolinium jedoch für die nephrogene systemische Fibrose verantwortlich gemacht, eine seltene, aber gravierende Multiorgan-Erkrankung, bei der es, vermutlich als Folge von Gadoliniumanlagerungen im Gewebe zur einer krankhaften Bildung von Binde­gewebe kommt. Sie waren Anlass für Anwendungseinschränkungen bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, die die Eliminierung des Kontrastmittels verzögern und damit die Gefahr einer Ablagerung von Gadolinium erhöhen.

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Seit einigen Jahren beobachten nun Radiologen aus Japan, dass es bei Patienten, die mehrfach gadoliniumhaltige Kontrastmittel erhalten haben, zu dauerhaften Hyperintensitäten in zwei Hirnregionen kommt. Betroffen sind der Nucleus dentatus, das größte Kerngebiet im Kleinhirn, und der Globus pallidus, der zu den Basalganglien des Großhirns gehört. Der Eindruck, dass die Hyperintensitäten mit der Anwendung von gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln in Verbindung stehen, wird jetzt durch eine Studie bestätigt, die Tomonori Kanda von der Teikyo Universität in Tokio durchgeführt hat.

Der Radiologe verglich die T1-gewichteten MRT von 19 Patienten, die zuvor sechs oder mehr konstrastmittel-verstärkte MRT erhalten hatten, mit den Aufnahme von 16 Patien­ten mit einer geringeren Exposition. Für beide Hirnregionen fand Kanda eine signifikante Assoziation zwischen den Hyperintensitäten und früheren kontrastmittelverstärkten MRT.

Ob die anhaltenden Hyperintensitäten Folge einer Gadolinium-Ablagerung sind, ist nicht bekannt. Unklar ist auch, ob die Hyperintensitäten einen Krankheitswert haben. Hyperin­tensitäten im Nucleus dentatus treten aber im Rahmen der multiplen Sklerose auf. Sie ist eine häufige Indikation für wiederholte MRT mit gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln.

Es sei deshalb nicht auszuschließen, dass toxische Folgen des Kontrastmittels mit Symptomen der multiplen Sklerose verwechselt werden, meint Kanda. Weitere Erkenntnisse erhofft sich der Forscher von tierexperimentellen Studien und von autoptischen Befunden. © rme/aerzteblatt.de

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Hoffnungsvoll
am Mittwoch, 31. Dezember 2014, 15:38

Angst

Hallo ich habe schon 4 mal Gadoliniumhaltige Kontrastmittel verabreicht bekommen aber damals war ich noch sehr jung und wusste darüber nichts. Eine Nierenschwäche oder ähnliches hatte ich damals nicht. Solte ich mich auf Schäden des Kontrastmittels untersuchen lassen ?
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