Politik

Vergleich im Prozess um Transplan­tationsstreit

Freitag, 20. Dezember 2013

Bielefeld – Der Herzpatient aus dem Irak, der wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht auf eine Transplantationsliste gekommen war, hat sich mit der Klinik auf einen Vergleich geeinigt. Die Transplantationsklinik in Bad Oeynhausen zahlt dem 62-jährigen Flüchtling 5.000 Euro. Im Gegenzug verzichtet der Kläger auf seine Forderung nach einem Schmerzensgeld von 10.000 Euro. Der 62-Jährige ist inzwischen auf der Warteliste des Uniklinikums Münster. (Az.: 4O 106/11).

Damit gab es am Freitag vor dem Landgericht Bielefeld keine grundsätzliche Entscheidung über die Richtlinien der Bundesärztekammer, auf die sich die Klinik berufen hatte. Die Klinikärzte hatten dem 62-jährigen Mann aus dem Irak die Aufnahme auf die Warteliste für Spenderherzen unter anderem wegen mangelnder Deutsch­kenntnisse verweigert. Patientenschützer hatten die Richtlinien kritisiert. Sie seien so unscharf formuliert, dass bei der Anwendung pure Willkür herrsche.

Anzeige

Die Bundesärztekammer (BÄK) verwies darauf, dass der Compliance-Begriff, also die Fähigkeit des Patienten, therapeutische Anweisungen und Empfehlungen zur Sicherung des Behandlungserfolgs einzuhalten, in der Transplantationsmedizin weiter aus­differenziert werden müsse.

Die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer arbeite schon seit geraumer Zeit daran, die erforderlichen Behandlungsabsprachen mit dem Patienten noch klarer zu beschreiben, erklärte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.

„Die grundsätzliche Annahme, dass ein Verständnis des Patienten für die nach der Transplantation zu erfolgende, zum Teil komplexe Nachbehandlung notwendig für einen Behandlungserfolg ist, ist und bleibt dabei wesentliche Voraussetzung“, sagte der BÄK-Präsident.

Die Klinik betonte, die Zahlung der Summe sei kein Schuldeingeständnis. Man wolle nur einen jahrelangen Prozess vermeiden. Es gehe ausschließlich um das Wohl des Patienten. In diesem konkreten Fall sei nicht sichergestellt gewesen, dass der Mann jederzeit und zuverlässig in seiner Sprache hätte beraten werden können. Missverständnisse bei der Beratung hätten aber dessen Leben gefährdet.

© dpa/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

22.08.16
Frankfurt/M. – Gebärmutter-Transplantationen könnten unfruchtbaren Frauen nach Ansicht des Erlanger Mediziners Matthias Beckmann helfen. Frauen, die keine Kinder bekommen könnten, fühlten sich oft......
18.08.16
Berlin – Am Lebertransplantationsprogramm der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gab es in den vergangenen Jahren nichts zu beanstanden. Das haben die Prüfungs- und Überwachungskommissionen von......
12.08.16
Organtran­splantation: Verfassungsgericht lehnt Beschwerde auf effektiven Rechtsschutz ab
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat eine Verfassungsbeschwerde über rechtliche Probleme im Rahmen von Organtransplantationen nicht zur Entscheidung angenommen. In der Klage ging es......
05.08.16
Frankfurt – Das Universitätsklinikum Frankfurt wird künftig auf Herztransplantationen verzichten. Stark rückläufige Zahlen bei Spenderorganen sind laut der Klinik ein wichtiger Grund dafür, dass sie......
02.08.16
Leipzig – Eines neues Verfahren, um die Funktion der Leber zu erfassen, setzt das Universitätsklinikum Leipzig ein – den sogenannten LiMAx-Test. Das in Berlin unter anderem an der Charité......
18.07.16
Erste Gebärmutter-­Transplantation in Deutschland geplant
Erlangen – Ein Kind mit der Gebärmutter der eigenen Mutter oder Schwester bekommen: Ärzte in Erlangen wollen das Organ transplantieren, um Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu helfen. Doch das......
08.07.16
Grünes Licht für Transplantations­register
Berlin – Alle Informationen über Organtransplantationen in Deutschland werden künftig zentral gesammelt. Der Bundestag gab gestern Abend grünes Licht für die Einrichtung eines bundesweiten......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige