Medizin

Weihnachtstipps: Schrittzähler gesünder als Lachen, Streitvermeidung und Alkohol

Montag, 23. Dezember 2013

London – Ein wertvolles Weihnachtsgeschenk muss nicht viel kosten. Einfache Pedo­meter oder Schrittzähler werden bereits für wenige Euros angeboten, als App für das Smartphone sind sie sogar häufig kostenlos. Für die etwa 8 Prozent der Bevöl­kerung, die unter einer gestörten Glukosetoleranz leiden, kann ein Schrittzähler kleine Wunder wirken, wie eine Auswertung der Navigator-Studie zeigt. Allerdings nur, wenn das Gerät in der Hosentasche sie motiviert, sich mehr zu bewegen.

Die Navigator-Studie hatte ursprünglich untersucht, ob das orale Antidiabetikum Nate­glinid (ein Insulinsekretionsförderer) Menschen mit gestörter Glukosetoleranz vor kardiovaskulären Erkrankungen schützt, die eine Folge des Diabetes und seiner Vorstufen sind. Dazu war Nateglinid nicht in der Lage, und wegen der Gefahr von Hypoglykämien kann Prädiabetikern in der Regel nicht zur Einnahme geraten werden (NEJM 2010; 362: 1463-76).

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Die Teilnehmer der Navigator-Studie hatten jedoch Pedometer getragen, was es Thomas Yates von der Universität Leicester ermöglichte, den Einfluss der körperlichen Bewegung auf künftige Herz-Kreislauf-Ereignisse zu untersuchen. Dabei fand Yates heraus, dass bereits wenige Schritte am Tage reichen, um Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden: Pro 2.000 Schritte am Tag sank das Risiko um 8 Prozent. Die Wirkung war „dosisab­hängig“. Wer es schafft, seine Aktivität von 4.000 auf 8.000 Schritte am Tag zu erhöhen, könnte sein Herz-Kreislauf-Risiko um 16 Prozent senken - und dies ohne eine Änderungen anderer Lebensgewohnheiten.

Ein Pedometer auf dem Gabentisch ist allemal besser, als sich mit einem freundlichen Lächeln zu begnügen. Das könnte in der Weihnachtszeit falsch verstanden werden, und Lachen ist nicht völlig ohne Risiken, wie Robin Ferner vom West Midlands Centre for Adverse Drug Reactions in Birmingham warnt.

Lachen nicht immer gesund
Wäre Lachen eine Medizin (manche halten sie ja für die beste), müsste die Fachinforma­tion die Patienten fairerweise über einige Risiken und Nebenwirkungen unterrichten. Beim Lesen des Beipackzettels dürfte so manchen das Lachen vergehen. Lachen kann eine Synkope oder eine Kataplexie auslösen, es kann zum Pneumothorax oder zum interlobulären Emphysem kommen. Bei anfälligen Personen (beispielsweise mit Long QT-Syndrom) besteht durchaus die Gefahr, sich zu Tode zu lachen, wenn der Lacher die Erregungsleitung des Herzens ins Chaos stürzt, das Kardiologen als Torsade de pointes bezeichnen (und damit ist keine gelungene Pointe gemeint).

Der Arzneimittelforscher Ferner fand in der Literatur sogar einen Kasus (allerdings aus 1927), bei dem Lachen zur Ruptur des Herzmuskels führte – was der Bezeichnung „herzhaft gelacht“ eine makabre Bedeutung gibt. Beim Lachen sollte man tunlichst keine Gegenstände im Mund haben, denn das plötzliche Einatmen nach einer Lachsalve kann diese in die Trachea befördern. Lachen kann Kopfschmerzen auslösen (eventuell ein Hinweis auf eine Chiari-Malformation, bei der Teile des Kleinhirns in das Foramen magnum rutschen, was gar nicht lustig ist).

Aber auch wenn Lachen überlebt wird, kann es bei einer Stressinkontinenz peinliche Folgen haben. Lachen kann Hernien provozieren, berichtet Ferner und eine anerkannte Nebenwirkung der Lachtherapie sind Hämatome im Rectus abdominis.

Recht haben oder Recht geben?
Wer über die Weihnachtstage jeglichem Streit aus dem Wege gehen will, in dem er seinem Ehepartner in allen Dingen Recht gibt, geht ebenfalls Risiken ein, wie die Pilotstudie „Being right or being happy“ zeigt, die an der Universität Auckland durchgeführt wurde. Der männliche Proband musste zu Studienzwecken seiner Partnerin in allen Punkten immer und bedingungslos nachgeben – was ihn aber nicht glücklich machte.

Das „data safety monitoring committee“ musste die Studie am Tag 12 abbrechen. Die Situation war für den Teilnehmer unerträglich geworden, da seine Partnerin ihn immer heftiger kritisierte und er ihr am Ende sogar den Tee ans Bett bringen musste (in Neuseeland offenbar eine schlimme Erniedrigung für Männer).

Die Hoffnung, die Permissivität würde die Lebensfreude erhöhen, hatte sich nicht erfüllt. Sein Lebensqualitäts-Index war im Keller, während es bei seiner Partnerin kaum Änderungen gab. Bruce Arroll und Mitarbeiter überlegen jetzt, ob sie die Studie unter der Prämisse, dass der Mann ständig Recht hat, wiederholen sollen.

Alkohol ist keine Lösung
Auch in schwierigen Ehe-Situationen ist die Flucht in den Alkohol keine Lösung. Das BJM warnt alle Männer davor, sich den Geheimagenten seiner Majestät zum Vorbild zu nehmen. Dessen Alkoholkonsum betrug nach einer Analyse der Romanvorlagen von Ian Fleming 92 Alkohol-Einheiten (à 7,9 Gramm) pro Woche. (Ein „Pint“ Bier sind 3, eine Flasche Wein 9 Einheiten). „007“ lag während seiner Dienstzeit eigentlich immer über der 0,8-Promillegrenze für Autofahrer in England.

Besonders viel gesoffen wurde in „You Only Live Twice“, doch die Autoren schätzen die Lebenserwartung von James Bond aufgrund seiner Lebens- und Trinkgewohnheiten gerade einmal auf 56 Jahre (mit ungewisser Fortsetzung nach dem Tode). Die Vorliebe für Martinis „shaken, not stirred“ führen die Experten auf einen schweren alkohol-induzierten Hirnschaden mit Tremor zurück, der dem „Mann mit der goldenen Leber“ nur noch eine Möglichkeit übrig ließ, sich seinen Drink zu mixen. Na dann Frohes Fest, Mister Bond. © rme/aerzteblatt.de

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