Politik

Patienten­beauftragter Laumann fordert mehr Medizinstudienplätze

Montag, 30. Dezember 2013

Berlin – Der designierte Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), hat die Bundesländer aufgefordert, mehr Medizin-Studienplätze zur Verfügung zu stellen und damit dem Ärztemangel entgegenzuwirken. „Das Grundproblem ist, dass zu wenig Ärzte ausgebildet werden“, sagte Laumann der Zeitung „Die Welt“ vom Samstag. „Die Länder müssen mehr Studienplätze bereitstellen.“ Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrüßte Laumanns Initiative ausdrücklich.  

Laumann verwies darauf, dass der Bedarf an Haus- und Fachärzten immer weiter gestiegen sei, weil etwa durch die EU-Arbeitszeitrichtlinie die Zahl der Überstunden pro Arzt begrenzt wurde. Deshalb müssten so schnell wie möglich neue Modelle für Gemeinschaftspraxen erprobt und mehr Studienplätze zur Verfügung gestellt werden. „Und die Universitäten dürfen nicht nur auf Einser-Abiturienten setzen, sondern auch auf andere Abiturienten, die sich für den Hausarztberuf begeistern können“, sagte der CDU-Sozialpolitiker.  

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Hausärzte seien gerade für eine älter werdende Gesellschaft von besonderer Bedeutung, betonte Laumann. „Denn die einzelnen Patienten auf dem Land sind genau wie die Pflegeheime auf hausärztliche Versorgung angewiesen.“  

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz, sagte am Samstag der: „Es ist gut, dass Herr Laumann dieses wichtige Thema anspricht, denn das Nachwuchsproblem bei den Hausärzten muss jetzt angegangen werden, damit wir in Zukunft keinen Hausärztemangel bekommen.“ Die von Ärztevertretern gerne genannte Zahl der leerstehenden Hausarztpraxen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass wir noch nie so viele hausärztlich tätige Mediziner hatten wie heute“.    

Mit Blick auf die von Laumann angesprochenen Modelle für Gemeinschaftspraxen sagte Lanz: „Wir müssen uns schon fragen, ob in Zeiten der Zusammenarbeit und der immer stärkeren Arbeitsteilung auch bei Medizinern die Einzelarztpraxis überhaupt noch zeitgemäß ist.“  

Nach Angaben der Welt fehlen bundesweit vor allem auf dem Land rund 2.600 Hausarztpraxen sowie etwa 2.000 Facharztpraxen – gemessen an der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zur Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung. Die Zahlen stammen demnach aus einer Untersuchung der KBV vom August. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 52.000 Hausarztpraxen und etwa 66.400 Facharztpraxen, davon fast 22.000 psychotherapeutische Praxen. © afp/aerzteblatt.de

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Dr. A. Hoffmann
am Mittwoch, 8. Januar 2014, 08:38

Mehr Medizinstudienplätze

Aus ärztlicher Sicht ist eine Erhöhung der Studienplatzzahlen im Fach Humanmedizin nur bedingt geeignet, den Landarztmangel zu beheben. Wir haben nicht zu wenig Absolventen, sondern ein Verteilungsproblem und dies wird in keinster Weise korrigiert, nur weil die Absolventenzahlen erhöht werden. Die rel. hohen Studienplatzzahlen aus den 80 er bzw. 90 er Jahren basieren auf dem Faktum der deutschen Wiedervereinigung, die Arztdichte in der ehemaligen DDR war höher, als in Westdeutschland, diese Nachwendezahlen als Ausgangsbasis für den heutigen Korrekturbedarf der Absolventenzahlen zu nutzen ist unlauter. Stellschrauben zur Behebung des Landarztmangels sind andere, z.B.:
Paramedizinische Strukturen stärken, Hausarztzentrierte Versorgungsansätze und nicht fachärztliche Diktionsstruktur ohne Überweisungsschein, Erhalt der Krankenhäuser auf dem Lande, Imagepflege des Landarztberufes, Gleichstellung der land- und hausärztlichen Einflussnahme in den Entscheidungsgremien, Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen Universitäten, Regressentfall und, wenn pekuniäre Steuerung und Anreize ernsthaft überlegt werden, eine echte "Buschzulage" z.B. mit der doppelten Vergütung im Vergleich zu Ärzten der Großstädte oder Ballungszentren.
Ansonsten würde weiter mit den Füßen abgestimmt, die Ärzte drängen in erster Linie dorthin, wo sie ihre Lebensvorstellung verwirklichen können. Solche Entscheidungen werden heute von Paaren gemeinsam getroffen, das bedeutet auch, dass beide einen Arbeitsplatz vor Ort haben möchten, dies lässt sich auf dem Lande teils nur schwer verwirklichen. Partnermodelle könnten bei AG auf dem Lande diese Problematik abschwächen, Ausbildungsverbünde ebenfalls. 1/4 der Medizinabsolventen pro Jahr kommt ursprünglich aus einer ländlichen Struktur, aber nur weniger als 10% davon kehren nach Studium und Ausbildung auf das Land zurück, daran sollte man korrigierenden Einfluss nehmen. Städter sind nicht bereit in eine ländliche Versorgungsstruktur zu wechseln, also müssen Landärzte aus der ursprünglichen Region rekrutiert werden, das wäre eine Chance, nicht der bare Ruf nach mehr Absolventen. Davon haben wir genug, sie sind nur falsch verteilt.
Der obige Artikel kratzt, wie so häufig, nur an der Oberfläche des Gesamtproblems, welches seit Jahren bekannt ist. Leider wieder auf allen Seiten nur Lippenbekenntnisse. Fundierte Problemanalyse, Problemfeststellung und - behebung wären nach jahrelangem Gerede und Gezerre vonnöten, stattdessen bewegt man sich weiter im Ungefähren. Sehr schade.
Dr. A. Hoffmann, Warburg / Westfalen
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