Politik

1,8 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland

Donnerstag, 9. Januar 2014

Berlin – Die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland ist innerhalb weniger Jahre deutlich gestiegen – auf rund 1,8 Millionen. Junge Erwachsene unter 25 sind verstärkt alkoholabhängig, wie aus einer neuen Erhebung des Instituts für Therapieforschung in München hervorgeht.  Weitere 1,6 Millionen Erwachsene weisen Alkoholmissbrauch auf,  gelten aber nach den offiziellen Kriterien nicht als abhängig. Insgesamt 7,4 Millionen Bundesbürger trinken mehr als die von Experten empfohlene Höchstmenge.

Kernzahlen der Studie „Epidemiologischer Suchtsurvey“ mit Daten aus dem Jahr 2012 wurden von dem Grünen-Drogenexperten Harald Terpe öffentlich gemacht. Terpe zeigte sich alarmiert. Seit 2006 sei die Zahl der Alkoholabhängigen um 36 Prozent gestiegen. Damals seien es noch 1,3 Millionen gewesen.

Anzeige

Insgesamt rund 5,6 Millionen sind laut der Studie tabakabhängig. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass Tabak von allen Suchtstoffen am verbreitetsten ist, aber in der Suchthilfe kaum behandelt wird.

319.000 Erwachsene sind laut dem Survey abhängig von illegalen Drogen. Mindestens 2,3 Millionen Menschen sind von Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln abhängig. Vor allem ältere Menschen liefen verstärkt Gefahr, wegen der Verordnung mehrerer Medikamente parallel und wegen der langen Einnahmedauer Schäden davonzutragen.

Die Studienautoren schreiben: „Die hohe Verbreitung psychischer Störungen durch Alkohol und Tabak macht die Dringlichkeit der Umsetzung effizienter Präventionsmaßnahmen deutlich.“ Auch Medikamentenmissbrauch sollte mehr beachtet werden. Terpe forderte den neuen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, „der Suchtprävention und -therapie mehr Energie als sein Vorgänger zu widmen“.

„Hinter diesen Zahlen verbergen sich zahlreiche Familientragödien, denn mit den Abhängigen leiden auch ihre Familien und insbesondere die Kinder“, sagte Terpe. Häufig warteten Abhängige monatelang auf die Genehmigung einer Therapie. „Auch zwischen Entgiftung und Therapie entstehen oft wochenlange Wartezeiten.“

Das Bundesgesundheitsministerium betonte, dass zugleich der durchschnittliche Alkoholverbrauch zurückgegangen sei. Die Reduzierung von Alkoholmissbrauch sei ein vordringliches Ziel der Regierung. Das Gesundheitsressort habe im vergangenen Jahr mit 1,3 Millionen Euro entsprechende Projekte gefördert. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

08.09.16
In der Schwangerschaft gelten null Promille
Berlin – Werdende Mütter sollten in Schwangerschaft und Stillzeit keinen Alkohol trinken. Darauf haben erneut der Berufsverband der Frauenärzte (BVF), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die......
06.09.16
Psychotherapeuten wollen Bier, Wein und Schnaps teurer machen
Berlin – Nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) muss Alkohol deutlich teurer werden, „um die Zahl der jährlich 74.000 Toten durch diese legale Droge zu verringern“. Die BPtK forderte......
02.09.16
Hoher Alkoholkonsum vermindert Fruchtbarkeit
Aarhus – Ein hoher Alkoholkonsum kann verhindern, dass Frauen schwanger werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2016; 354: i4262), in der ein......
27.07.16
Drogenbeauftragte: Alkohol und Tabak Hauptproblem unter Jugendlichen
Würzburg – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hält Alkohol und Tabak unter Jugendlichen für problematischer als illegale Drogen. „Alltagsdrogen sind das eigentlich größere Problem“, sagte......
13.07.16
„Handy-Diät“ und Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr gefordert
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat eine konsequente „Handy-Diät“ im Straßenverkehr sowie Einhaltung der Null-Promille-Grenze gefordert. Hintergrund ist......
30.06.16
Neue S3-Leitlinie für die Diagnose der fetalen Alkohol­spektrum-Störungen
Berlin/Düsseldorf – Mütterlicher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft führt bekanntlich häufig zu Schäden beim ungeborenen Kind. Die jungen Patienten werden aber bislang oft nicht richtig oder......
15.06.16
Fachverband warnt vor Hürden zu einer Suchttherapie
Bonn – In Deutschland sind die Hürden für eine professionelle Suchtbehandlung – vor allem bei Alkoholkrankheit – zu hoch. Das kritisiert der Fachverband Sucht. Laut Verband standen im Jahr 2014 rund......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige