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Lebenszeitprävalenz psychischer Erkrankungen möglicherweise unterschätzt

Freitag, 10. Januar 2014

Baltimore – Die übliche Methode, Lebenszeitprävalenzen von Depressionen und anderen psychischen Störungen retrospektiv zu erfassen, ist möglicherweise unzureichend und führt dazu, die Verbreitung der Erkrankungen zu unterschätzen. Das meinen Forscher um Yoichiro Takayanagi von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in JAMA Psychiatry (http://dx.doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2013.3579  ).

Die Lebenszeitprävalenz erfasst die Häufigkeit einer Erkrankung in der bisher verstrichenen Lebenszeit. Nach Angaben der Wissenschaftler sehen viele Studien lediglich vor, die Teilnehmer einmalig nach ihren bisherigen Erkrankungen zu befragen. Die Alternative zu dieser einmaligen Erfassung sind mehrfache Befragungen über einen längeren Zeitraum, sogenannte kumulative Erhebungen.

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Solche kumulativen Erhebungen hätten gezeigt, dass beispielsweise einige junge Erwachsene stattgehabte psychische Erkrankungen zwar in anfänglichen Befragungen angeben, doch von diesen in späteren nicht mehr berichten. Mit ihrer Studie wollte die Arbeitsgruppe prüfen, ob dies möglicherweise auch auf ältere Menschen zutrifft.

Die Forscher nutzten für ihre Studie Daten der Baltimore Epidemiologic Catchment Area Survey. Die 1.071 Teilnehmer der Studie wurden zwischen 1981 und 2005 vier Mal zu aktuellen und vergangenen Erkrankungen befragt. Die Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse der letzten Befragung mit den kumulativen Ergebnissen aus allen vier Erhebungen. Stattgehabte schwere Depressionen gaben die Teilnehmer in der letzten Befragung zu 4,5 Prozent an, während in allen vier zusammen 13,1 Prozent der Antwortenden davon berichteten.

Ähnlich sah es bei anderen psychischen Leiden aus wie Zwangsstörungen (0,6 Prozent versus 7,1 Prozent), Panikstörungen (12,6 Prozent versus 25,3 Prozent) oder Alkoholabhängigkeit (9,1 Prozent 25,9 Prozent). Im Gegensatz dazu lagen die Angaben somatischer Leiden in der einmaligen und der kumulativen Erhebung wesentlich näher zusammen. Beispielsweise lagen sie bei der Hypertonie bei 48,4 Prozent versus 55,4 Prozent oder beim Diabetes bei 18,2 Prozent versus 20,2 Prozent.

Da psychische Erkrankungen sich im frühen und mittleren Lebensalter häufen, vermuten die Wissenschaftler, dass sie später oft nicht mehr erinnert und angegeben werden. Möglicherweise sind Daten, die sich aus einmaligen retrospektiven Studien ableiten, daher nicht zuverlässig, so die Forscher.

© hil/aerzteblatt.de

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