Ärzteschaft

Interdisziplinäres Forum der BÄK: Bei der Patientenverfügung viele Unsicherheiten

Montag, 13. Januar 2014

Berlin – Nach wie vor gibt es bei dem Thema Patientenverfügung viele Unsicherheiten bei Patienten aber auch Ärzten. Das berichtete Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin in Göttingen, auf dem 38. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin. Er lobte, dass „die gesetzlichen Regelungen zur Patientenverfügung ohne Frage das große Bedürfnis in unserer Gesellschaft aufgreifen, für Patienten so viel Selbstbestimmung wie möglich auch für den Fall abzusichern, dass sie sich selbst nicht mehr zu ihrer medizinischen Versorgung und Betreuung äußern können“.

Nauck verwies auf das sogenannte Advance Care Planning (ACP = umfassende gesundheitliche Vorausplanung) als ein neues Konzept, dass an die Stelle der traditionellen Patientenverfügung treten könne. Mit dem Konzept soll der Patient lernen, in einem professionell begleiteten Gesprächsprozess, eigene Wünsche zu entwickeln und eine aussagekräftige Patientenverfügung zu erstellen.

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Außerdem würden die Adressaten im Lesen und in der Deutung von Vorausverfügungen geschult. „Durch Kommunikation bei fortschreitender Erkrankung oder auch durch vorab formulierte Vereinbarungen zur Behandlungsbegrenzung kann es gelingen, die Behand­lung nicht-einwilligungsfähiger Menschen auch gemäß ihren früher festgelegten Wünsche zu gestalten“, so Nauck.

In der Versorgung von sterbenskranken Patienten wirke sich die spirituelle Betreuung positiv aus, sagte Traugott Roser. Professor für praktische Theologie an der Universität Münster. Diese leisteten nicht nur Seelsorger, sondern auch Ärzte und andere Gesundheitsberufe.

Einem besonders sensiblen Thema widmete sich Boris Zernikow, Chefarzt der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln der Universität Witten/Herdecke. Er erläuterte die Besonderheiten im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In dieser Patientengruppe habe die Prävalenz lebensbe­drohlicher Erkrankungen in den letzten zehn Jahren um mehr als 30 Prozent zugenommen. Von 10.000 Kindern und Jugendlichen bis zum 19. Lebensjahr seien 32 von einer solchen Erkrankung betroffen, so Zernikow.

In Deutschland hätten viele sterbenskranke Kinder einen Migrationshintergrund. Die Patienten litten oft an zum Teil sehr seltenen Krankheitsbildern, die vorrangig mit neurologischen Symptomen und Lungenerkrankungen einhergingen. © hil/aerzteblatt.de

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