Politik

Expertengremium befürwortet Rezeptfreiheit für die „Pille danach“

Dienstag, 14. Januar 2014

Köln – Der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht hat sich dafür ausgesprochen, die Rezeptpflicht für das Präparat Levonorgestrel zur Notfallkontra­zeption aufzuheben. Es gebe keine medizinischen Argumente, die zwingend gegen eine Entlassung der sogenannten Pille danach aus der Rezeptpflicht sprächen, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am Dienstag in Bonn mit. Zugleich hätten die Experten jedoch darauf verwiesen, dass es wichtig sei, die betroffenen Frauen bei der Abgabe des Präparats in der Apotheke zu beraten.

Das Votum des Sachverständigenausschusses wird nun als Empfehlung an das Bundes­gesundheitsministerium weitergeleitet. Das CDU-geführte Ministerium entscheidet dann darüber, ob es eine entsprechende Verordnung erlässt und diese dem Bundesrat zur Zustimmung vorlegt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wollte sich am Dienstag noch nicht zu dem Votum äußern, sondern die schriftliche Begründung ab­warten.

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Die Entscheidung darüber, Levonorgestrel aus der Verschreibungspflicht zu entlassen, wird bereits seit 10 Jahren diskutiert. Schon 2003 hatte sich der Sach­verständigen­ausschuss für die Verschreibungspflicht dafür ausgesprochen, ohne dass das Bundesge­sundheits­ministerium tätig geworden wäre.

Der rot-grün dominierte Bundesrat hatte zuletzt im November 2013 gefordert, die Verschreibungspflicht für die „Pille danach“ aufzuheben. Er hatte damals auf die Erfahrungen anderer europäischer Länder verwiesen, in denen das Medikament ohne Rezept erhältlich ist. Dort sei die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gesunken. Außerdem habe die Rezeptfreiheit nicht zu einer Zunahme von riskantem Sexual­verhalten geführt.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hält die Entscheidung des Sachverständigenausschusses für „das falsche Signal“. Die Nebenwirkungen der Pille danach seien nicht zu unterschätzen. Zudem gebe es bessere und wirksamere Präparate als Levonorgestrel. „Deshalb ist und bleibt ein Beratungs­gespräch mit einem Arzt auch so wichtig und ist sicher auch zumutbar", erklärte Spahn.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne), sagte hingegen: „Die Aufhebung der Rezeptpflicht für die ,Pille danach‘ ist längst überfällig.“ Der zuständige Sachverständigenausschuss habe zum wiederholten Mal zu diesem Thema getagt, obwohl es seit Jahren dazu keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gebe. Nordrhein-Westfalen erwarte deshalb ein klares Votum für die Freigabe. „Frauen in Notsituationen, wie beispielsweise nach einer Vergewaltigung, muss auch bei uns der Zugang zur ,Pille danach´ erleichtert werden“, forderte Steffens.

Es wäre nicht nachvollziehbar, wenn das Selbstbestimmungsrecht von Frauen in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern hier weiterhin eingeschränkt würde. Außerdem bleibe eine fachliche Beratung durch den Bezug der „Pille danach“ über Apotheken sichergestellt. „Im Gegensatz zu Arztpraxen haben Apotheken auch nachts und an Wochenenden geöffnet“, sagte die Ministerin.

Auch der Familienverband pro familia forderte nun die sofortige Umsetzung der Empfehlung der Arzneimittelexperten für eine Freigabe der Pille. Die bisherige Weigerung von CDU und FDP, die Rezeptpflicht aufzuheben, sei „rein ideologischer Natur", erklärte Verbandsvorsitzende Daphne Hahn. Die "Pille danach" sei "sicherer als die meisten rezeptfreien Schmerzmittel". Zudem verwies sie auf die guten Erfahrungen mit der der rezeptfreien Vergabe in anderen Ländern.

Frauenärzte besorgt
Der Berufsverband der Frauenärzte reagierte mit Unverständnis auf die Empfehlung der Experten. „Wir fürchten eine Zunahme von Schwangerschaftsabbrüchen und vor allem von Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern", erklärte Verbandspräsident Christian Albring. Levonorgestrel sei das am wenigsten wirkungsvolle Mittel ist, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Das Risiko, trotz des Medikaments schwanger zu werden, sei mehr als doppelt so hoch wie bei dem verschreibungspflichtigen Präparat Ulipristalacetat. © dpa/KNA/HK/aerzteblatt.de

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