Medizin

Probiotika beugen in Studie Säuglingskoliken vor

Dienstag, 14. Januar 2014

Bari – Die tägliche Gabe von probiotischen Bakterien in den ersten drei Lebensmonaten hat in einer randomisierten Studie in JAMA Pediatrics (2014; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.4367) die Dauer der täglichen Säuglingskoliken verkürzt, die Zahl der Regurgitationen gesenkt und die Zahl der täglichen Entleerungen gesteigert.

Säuglingskoliken sind keine Seltenheit. Für die meisten Kinder ist die Verdauung in den ersten drei Monaten eine schmerzhafte Angelegenheit, und auch Regurgitationen von Muttermilch oder Babyersatznahrung sind häufig. Die Ursache ist nicht klar. Experten bringen die Koliken aber mit der Etablierung einer bakteriellen Darmflora in Verbindung, die in den ersten Lebenswochen erfolgt.

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Laut einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie kommt es bei einigen Säuglingen zu einer Dominanz von Proteobacteria, darunter auch gasbildenden Bakterien. Schmerz­hafte Blähungen könnten deshalb die Ursache für das Schreien sein. Bifidobacteria und Lactobacilli wurden bei den Schreikindern dagegen in geringerer Menge gefunden. Diese Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass die Gabe von probiotischen Bakterien die Säuglingskoliken verhindern könnte.

Genau dies wurde jetzt in einer randomisierten Doppelblindstudie an 554 Neugeborenen in neun pädiatrischen Zentren in Italien untersucht. Die Mütter erhielten ein Fläschchen mit einer Flüssigkeit, von der sie ihrem Säugling täglich fünf Tropfen verabreichen sollten. Bei einer Hälfte der Teilnehmer enthielten die Tropfen 1 × 10 hoch 8 kolonie­bildende Einheiten von Lactobacillus reuteri, bei den anderen war die Lösung frei von lebenden Bakterien.

Primäre Endpunkte der Studie waren die Dauer der täglichen Schmerzattacken sowie die Zahl der Regurgitationen und der täglichen Entleerungen. Außerdem führten Flavia Indrio von der Aldo Moro Universität in Bari und Mitarbeiter eine Kosten-Nutzen-Analyse durch.

In allen Punkten wurde ein günstiges Ergebnis erzielt. Nach drei Monaten hatte die probiotische Lösung die Zahl der täglichen Schreiattacken von 71 auf 38 Minuten verkürzt. Die Zahl der Regurgitationen wurde von 4,6 auf 2,9 pro Tag gesenkt. Die Zahl der Darmentleerungen stieg von 3,6 auf 4,2. Mit Ausnahme der Regurgitationen waren die Unterschiede statistisch signifikant.

Dank der Probiotika setzten die Mütter weniger Medikamente (Simeticon, Cimetropium oder pflanzliche Präparate) ein. Sie suchten seltener Arzt oder Notfallambulanz mit den Kindern auf und sie versäumten weniger Arbeitstage. Deshalb fällt für Indrio auch die Kosten-Nutzen-Analyse positiv aus. Nebenwirkungen hatten die Probiotika nicht.

Dennoch fällt die Bewertung der Editorialisten Bruno Chumpitazi und Robert Shulman vom Baylor College of Medicine in Houston zurückhaltend aus. Sie verweisen auf eine Meta-Analyse aus dem letzten Jahr in JAMA Pediatrics (2013; 167: 1150-1157), die zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen war – obwohl auch dort der therapeutische Einsatz von L. reuteri eine gewisse Wirkung erzielte. Chumpitazi und Shulman vermissen Daten zur langfristigen Sicherheit der Probiotikagabe. Sie seien notwendig, da die Art der Darmbesiedlung in den ersten Lebensmonaten Auswirkungen auf die spätere Gesundheit haben könne. © rme/aerzteblatt.de

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