Medizin

Hypertonie: Grüner Tee mindert Wirkung von Betablockern

Dienstag, 14. Januar 2014

Fukushima – Grüner Tee kann offenbar die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm vermindern. In einer Studie in Clinical Pharmacology & Therapeutics (2014; doi: 10.1038/clpt.2013.241) wurde die Plasmakonzentration des Betablockers Nadolol deutlich vermindert. In Zellkulturen blockierten Inhaltsstoffe des grünen Tees einen Organo-Anion-Transporter, der in der Darmschleimhaut vermutet wird.

Shingen Misaka von der Universität Fuskushima und Mitarbeiter baten zehn gesunde Probanden über 14 Tage täglich grünen Tee oder Wasser zu trinken. Danach erhielten sie eine Einzeldosis Nadolol. Bei den Probanden, die grünen Tee getrunken hatten, waren die Plasmakonzentrationen von Nadolol um 76 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe.

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Auch eine leichte Wirkung auf den Blutdruck war nachweisbar. Experimente an Zellkulturen lassen vermuten, dass ein Transportmolekül in den Darmepithelien für die verminderte Bioverfügbarkeit verantwortlich ist. Der Organo-Anion-Transporter OATP1A2, der wenigstens teilweise für die Absorption von Nadolol verantwortlich ist, konnte durch Bestandteile im grünen Tee blockiert werden. Die Experimente wurden allerdings an Nierenzellen durchgeführt. Dass OATP1A2 tatsächlich im Darm von Bedeutung ist, steht nicht fest.

Der Betablocker Nadolol wird in Deutschland kaum eingesetzt. Die Rote-Liste führt derzeit kein Präparat mit diesem Wirkstoff. Die Studie von Misaka (unter Mitarbeit eines Pharmakologen der Universität Erlangen) könnte jedoch von grundlegender Bedeutung sein, da sie zeigt, dass Nahrungsmittel die Absorption von Medikamenten im Darm beeinflussen.

Frühere Studien haben laut Misaka gezeigt, dass Fruchtsäfte (Apfel, Grapefruit und Orangen) den Transport von OATP-Substraten wie Fexofenadin, Talinolol, Etoposid und Aliskiren beeinflussen. In anderen Studien verzögerten die Orangen- und Grapefruitsäfte die Absorption von Acebutolol und Celiprolol.

Interaktionen mit grünem Tee sind vergleichsweise wenig erforscht. Ein Sprecher der Royal Pharmaceutical Society meinte gegenüber der BBC, Patienten sollten in den vier Stunden vor einer vorgesehen Medikamenteneinnahme grundsätzlich keinen grünen Tee trinken. © rme/aerzteblatt.de

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