Politik

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin gegen ärztliche Beihilfe zum Suizid

Donnerstag, 16. Januar 2014

Köln ­ – Die Beihilfe zum Suizid gehört nicht zu den Aufgaben des Arztes. Das betont die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) im Deutschen Ärzteblatt (Heft 3). Rechtlich gesehen bleibe der ärztlich assistierte Suizid zwar straflos, die DGP unterstützt aber die Formulierung der (Muster-)Berufsordnung, in der es heißt: „Ärztinnen und Ärzte dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“ Die DGP empfiehlt den Landesärzte­kammern, ihre Berufsordnungen in diesem Sinne zu vereinheitlichen.

Ärztlich assistierter Suizid: Hilfe beim Sterben – keine Hilfe zum Sterben

Welche spezifischen Anforderungen stellt das Thema ärztlich assistierter Suizid an die in der palliativmedizinischen Versorgung Tätigen? Reflexionen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin Der ärztlich assistierte Suizid gehört nicht zu den Aufgaben der Ärztinnen und Ärzte.

Den Palliativmedizinern ist es jedoch bewusst, dass Ärztinnen und Ärzte dennoch im Einzelfall vor einem Dilemma stehen können, wenn Patienten sie um Beihilfe zum Suizid bitten. Dieser explizit geäußerte Wunsch sei zwar selten, er stelle im klinischen Alltag aber eine Herausforderung für das gesamte therapeutische Team dar. Ziel der Palliativmedizin sei es, „durch bestmögliche Unterstützung Menschen im Sterben Leben zu geben und gleichzeitig das Sterben nicht aufzuhalten, sich somit dem ,Sterben wollen‘ nicht entgegenzustellen“.

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Da das Verbot einer ärztlichen Mitwirkung am Suizid nicht zwingend an eine Sanktion gebunden sei, hätten die Landesärztekammern grundsätzlich die Möglichkeit, im begründeten Einzelfall von einer berufsrechtlichen Sanktion der ärztlichen Beihilfe zum freiverantwortlichen Suizid abzusehen, heißt es in den Reflexionen der Fachgesellschaft.

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (1/7)

    Suizid: Suizid ist laut Weltgesundheitsorganisation der Akt der vorsätzlichen Selbsttötung. Der Bundesgerichtshof geht in seiner Rechtsprechung von der Straflosigkeit der Selbsttötung aus, wenn sie frei und eigenverantwortlich gewollt und verwirklicht ist.

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (2/7)

    Tötung auf Verlangen: Tötung auf Verlangen liegt laut Strafgesetzbuch (StGB) § 216 vor, wenn jemand durch das „ausdrückliche und ernstliche Verlangen“ des Getöteten zur Tötung bestimmt wurde und den Tod gezielt aktiv herbeiführt. Die Tötung auf Verlangen ist in Deutschland verboten, in den Niederlanden („Euthanasie“), Belgien und Luxemburg dagegen unter bestimmten Bedingungen straffrei gestellt.

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (3/7)

    (Bei-)Hilfe zum Suizid: Beihilfe zum Suizid leistet, wer einem Menschen, der sich selbst tötet, dabei Hilfe leistet. Diese Hilfe kann vielfältige Formen haben, sie kann zum Beispiel darin bestehen, jemanden zu einer Sterbehilfeorganisation im Ausland zu fahren, Medikamente zu besorgen, einen Becher mit einer tödlichen Substanz zuzubereiten und hinzustellen. In Abgrenzung zur „Tötung auf Verlangen“ kommt es darauf an, dass der Hilfeleistende das Geschehen nicht in der Hand hält. Den entscheidenden Akt des Suizids muss der Sterbewillige selbst vollziehen, indem er das Getränk mit der tödlich wirkenden Substanz austrinkt, den tödlichen Schuss abfeuert. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland straflos.2

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (4/7)

    Ärztlich assistierter Suizid: Rechtlich gesehen ist auch der ärztlich assistierte Suizid zuerst einmal eine Beihilfe zum Suizid und als solche straflos. Unter Umständen können in dieser Konstellation Abgrenzungsprobleme entstehen, die bei anderen Menschen nicht auftreten, weil der Arzt eine Behandlungspflicht haben könnte, die andere Menschen nicht haben und deren Vernachlässigung zum Beispiel dazu führen könnte, einen ärztlich assistierten Suizid als Totschlag durch Unterlassen zu bewerten. In der Regel und mit Blick auf die neueren gesetzlichen Regelungen zu Patientenverfügungen und zur Bedeutung des mutmaßlichen Willens stehen diese Bedenken aber nicht im Zentrum der Diskussion.

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (5/7)

    Therapiezieländerung/Therapieverzicht/Therapieabbruch/Sterben zulassen: Nicht strafbar sind das Unterlassen, Begrenzen oder Abbrechen (Beenden) lebenserhaltender oder lebensverlängernder Maßnahmen, sofern dies dem Willen des Patienten entspricht. Dazu zählt insbesondere der Verzicht auf künstliche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Medikamentengabe, Beatmung, Intubation, Dialyse, Reanimation beziehungsweise deren Abbruch vor Eintritt des Hirntodes. Der Begriff „Therapiezieländerung“ fokussiert darauf, dass nicht grundsätzlich auf alle therapeutischen Maßnahmen verzichtet wird, wie der Begriff des Behandlungsabbruchs nahelegt; vielmehr erfolgt gezielt eine Korrektur hinsichtlich des Einsatzes einer spezifischen einzelnen Therapie, während gleichzeitig selbstverständlich versucht wird, zu erreichen, dass der Patient nicht leidet.

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (6/7)

    Palliative Sedierung: Palliative Sedierung ist der überwachte Einsatz von Medikamenten mit der Absicht, das Bewusstsein zu reduzieren oder auszuschalten, um so die Belastung durch sonst unerträgliches und durch keine anderen Mittel beherrschbares Leiden zu lindern, in einer für Patienten, Familie und Behandler ethisch akzeptablen Weise. Die palliative Sedierung kann intermittierend oder kontinuierlich erfolgen und eine oberflächliche oder eher tiefe Sedierung zum Ziel haben. Die Intention besteht eindeutig in der Symptomlinderung, nicht in einer Beschleunigung des Todeseintrittes.

     

  • Suizid/Sterbehilfe: Terminologie (7/7)

    Behandlung am Lebensende: Die Gabe stark wirksamer Medikamente kann zur Symptomkontrolle notwendig sein. Dabei ist nicht auszuschließen, dass durch unbeabsichtigte Nebenwirkungen der medikamentösen Symptomlinderung der Eintritt des Todes beschleunigt wird. Im Vordergrund steht auch hier die Intention respektive Indikation der genutzten Maßnahmen: Handlungsleitend ist grundsätzlich der Bedarf an Symptomlinderung und nicht eine Beschleunigung des Sterbens. Diese Behandlung ist unter der Voraussetzung einer entsprechenden medizinischen Indikation in Deutschland auch berufsrechtlich zulässig, wenn sie dem ausgesprochenen oder – bei Einwilligungsunfähigkeit – vorab geäußerten oder mutmaßlichen Willen des Patienten entspricht.

© Kli/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Montag, 20. Januar 2014, 11:36

Lasst den ethischen Mief eines verstaubten Arztethos unter den Arztkitteln entweichen!

Nun weiß ich zwar nicht, was genau mit dem Hinweis „mal wieder Mittelalter“ gerügt wird, aber im Kern steckt hierin sowohl mit Blick auf den Beitrag als auch das Statement eines ärztlichen Kollegens ein Stück „Wahrheit“.

Die Arztethik steht nicht isoliert neben der Rechtsethik, erhält diese doch gerade von der Rechtsethik ganz entscheidende Impulse, über die auch die ärztliche Selbstverwaltung nicht einfach hinweg schauen kann, ungeachtet der Tatsache, was vielleicht zu Zeiten Hippokrates oder Hufelands gedacht wurde.

Die Palliativmediziner mögen eine Partikularethik vertreten, die allerdings nur in Teilen im Übrigen mit der Medizinethik im Allgemeinen konsensfähig ist, da üblicherweise das individuelle Gewissen der insoweit handelnden Ärzte maßgeblich ist. Die unterschiedlichen Gewissensentscheidungen müssen beileibe nicht deckungsgleich sein und insofern darf wirklich ein Jeder nach seiner Facon selig werden. Allein in diesem Sinne halte ich den Hinweis der DGP, man/frau möge in den LÄK die vorgeschlagene Musterberufsregelung der BÄK zum Verbot der ärztlichen Suizidassistenz übernehmen, für unangemessen, kommt doch auch in diesem Votum ein Stück weit die Intoleranz gegenüber anders denkenden Kolleginnen und Kollegen zum Vorschein.

Dass es Herrn Schätzlern offensichtlich nicht gelingt, sich zu bedeutsamen Grundrechten seiner Kollegen zu bekennen, mag bedauerlich sein so wie es auch ungebührlich erscheinen mag, dass er Mitdiskutanten aus anderen Professionen mit unsinnigen persönlichen Angriffen zu kritisieren versucht.

Erklärbar ist der Eifer allerdings dadurch, dass es nicht wenige im Diskurs gibt, die da meinen, mit vollmundigen Worten ihre eigentliche ethische Überzeugungstäterschaft überspielen zu können. Darüber kann auch nicht hinweg getäuscht werden, in dem man meint, auf Grund höchst persönlicher Erfahrungen wisse man sofort, ob jemand interessengeleitet daher redet oder schwafelt und ob jemand eine Position wirklich verstanden hat. Nun – ob sich in solchen Worten nicht zuletzt eine Selbstüberschätzung widerspiegelt – mithin also eine Art Arroganz – mag ein Jeder für sich selbst beantworten, wenngleich in der Debatte steht das wissenschaftliche Argument überzeugen sollte. Es gelingt den Protagonisten des Verbots der Sterbehilfe nicht, ihre eigenen Argumente verfassungsfest präsentieren zu können. Dies kann auch nicht gelingen, weil sie einerseits es tunlichst vermeiden, sich der medizinethischen Kritik aus den eigenen Reihen zu stellen und andererseits erkennbar erhebliche Probleme haben, den verfassungsrechtlichen Befund in der Debatte zur Kenntnis zu nehmen.

Lassen wir doch endlich den Mief einer mehr als nur verstaubten Arztethik unter den weißen Kitteln entweichen und hören wir auf, den Geist sowohl des Hippokrates als auch Hufelands „reanimieren“ zu wollen. Die Ethik kann nicht auf den Status quo des Mittelalters oder etwa zu der Zeit des Hippokrates auf Ewig zementiert werden. Das „Grundgesetz der ärztlichen Sittlichkeit“ muss sich der aktuellen Verfassungswirklichkeit stellen und spätestens mit unserem Grundgesetz haben wir alle Freiheitsrechte gewährt bekommen, bei denen es sich lohnt, dieselben auch gegen ethische und moralische Erziehungsversuche nachhaltig zu verteidigen. Dass die Palliativmediziner nicht den Stab über Kolleginnen und Kollegen brechen sollten, dürfte ebenso verständlich sein wie der Umstand, dass auch Herr Schätzler sich darauf beschränken möge, inhaltliche Kritik zu üben, ohne hierbei einem untauglichen Versuch zu erliegen, ggf. mit seiner Kritik zur Stigmatisierung einer gesamten Profession beitragen zu wollen.

Es mag für so manchen Arzt resp. Ärztefunktionär sicherlich eine „schmerzliche“ Erkenntnis sein, aber ohne uns Juristen geht es nun mal nicht, um einen halbwegs tragbaren Konsens in der leidigen Sterbehilfedebatte herstellen zu können, so wie es sicherlich unerlässlich ist, bei entsprechender Veranlassung einen geeigneten ärztlichen Therapeuten statt einen „Geistheiler“ aufzusuchen, der da auch von sich aus meint, die „Wahrheit“ nicht nur zu verkünden, sondern auch gleich noch wirksam in die Tat umsetzen zu können.
Krankenhausarzt
am Montag, 20. Januar 2014, 09:46

an der Wirklichkeit gezielt vorbei

Puh, mal wieder Mittelalter.
Die Katholische Kirche bewegt sich dagegen geradezu...
advokatus diaboli
am Sonntag, 19. Januar 2014, 19:02

Kommentar wenig zielführend!

Auch wenn hier die Kommentarfunktion nicht in einem "Dialog" ausarten soll, so sei es doch gestattet, kurz auf den Kommentar von Thomas G. Schätzler zu replizieren.

Mein Kommentar hat den aus meiner Sicht wesentlichen Aspekt angesprochen, den es zu kritisieren gilt. Manche Palliativmediziner resp. die DGP setzen sich expressis verbis nicht (!) mit den anderen arztethischen Stellungnahmen etwa namhafter und nicht weniger renommierter Palliativmediziner und Ethiker auseinander. Zuweilen löst dies nicht nur Verwunderung, sondern letztlich auch Skepsis aus und lässt befürchten, dass manche Ethiker resp. Palliativmediziner sich davor scheuen, sich mit den Positionen ihrer Kollegen ernsthaft auseinanderzusetzen. Es wird vielfach in den Publikationen davon Abstand genommen, gegenteilige Ansichten überhaupt in einer Fußnote zu erwähnen. Ob dies als wissenschaftliches Arbeiten Geltung beanspruchen kann, wage ich doch zu bezweifeln, obwohl dies mehr denn je in einer hoch emotionalisierten Debatte scheinbar salonfähig geworden ist.

Entscheidend für meine Kritik war, dass schlicht darauf hingewiesen wurde, dass das Verbot der ärztlichen Suizidassistenz annehmbar sei und im Übrigen die Ärzteschaft wohl gut beraten wäre, diesbezüglich in allen Landesärztekammerbezirken eine einheitliche Auffassung (resp. ethische Werthaltung) zu vertreten.

Das etwa die Berliner Ärztekammer sachgerecht reagiert hat, lässt hoffen, da zumindest im Gegensatz zur BÄK die ÄK Berlin der seinerzeit ergangenen Entscheidung des VG Berlins Beachtung geschenkt und hieraus die berufsrechtliche Konsequenzen gezogen hat, und zwar ohne "Zuwarten" auf ein "staatliches Obergericht", wie es sich der amtierende Präsident der BÄK wünscht.

Indes bleibe ich freilich bei meiner Generalkritik, dass derzeit der Sterbehilfediskurs mehr durch "Geschwätzigkeit" denn durch gebotenen Sachverstand charakterisiert ist. Wir als Juristen sollten dafür Sorge tragen, dass auch Ärztefunktionäre "nur" von dem reden, wovon sie Ahnung haben (so wie es ja auch der Präsident der BÄK von den Juristen einfordert). Die verfassungsrechtlichen Implikationen des Sterbehilfediskurses jedenfalls scheinen manchen Ärztefunktionär, aber auch einige Palliativmediziner und Ethiker zu überfordern, und dies unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, erscheint mir persönlich mehr als redlich und zwar jenseits ihrer persönlichen Erfahrungen als Arzt, der da ja nicht verpflichtet wird, ggf. bei einem frei verantwortlichen Suizid eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen zu assistieren!
Horst Dreier, ein für mich herausragender Verfassungsrechtlicher, hat einmal zu bedenken gegeben, dass die Verfassung keine Bibel sei. Dem ist vollinhaltlich beizupflichten, können und sollen doch nicht alle letzten Sinnfragen des Lebens oder gar des Sterbens geklärt werden. Entscheidend ist der "Geist" der Grundrechte, will heißen in einem nach wie vor säkularen Staat: die Bedeutung, Funktion und Inhalt (!) der Grundrechte. Hierüber mit Ethikern und/oder Theologen zu "philosophieren", mag höchst interessant sein, zumal an einem offenen Kaminfeuer bei einem Tässchen Tee, ein wenig Schwarzbrot und Käse, vorausgesetzt, der erlauchte Kreis der Diskutanten weiß, worüber geredet wird. Verfassungsrecht und -Interpretation ist keine Philosophie, noch weniger Ethik, geschweige denn Theologie, sondern eine ernstzunehmende Wissenschaft, die sich nicht dem Mainstream einer leidenschaftlich geführten Debatte, bei der all zu häufig in die "Glaskugel" geschaut wird, unterordnen sollte.

Auch Sie mögen ihre persönlichen Erfahrungen gemacht haben - im Umgang mit Krankheit und deren Bewältungsstrategien -; dies zu beurteilen, steht mir freilich nicht zu, wenngleich ich doch zu bedenken gebe, dass es im Sterbehilfediskurs hierauf gerade nicht ankommt. Wir reden nicht einem demokratisch legitimierten Konsens mit Blick auf einen arztethisch akzeptablen Tod resp. Sterben das Wort, sondern es werden lediglich die für selbstverständlich erachteten Grundrechte angemahnt und es wäre wünschenswert, wenn die Diskutanten sich in Toleranz üben. Jeder mag seine Freiheiten gebrauchen, so wie er es für geboten hält und da helfen Einzelschicksale nicht weiter. Wesentlich ist nur, dass Grundrechte zuvörderst individuelle Rechte sind und demzufolge auch individuell ausgeübt oder im Zweifel auf die Freiheitsgewährleistungen verzichtet werden kann.

Dies sollten auch Palliativmediziner respektieren und sofern diese meinen, bei einem Suizid eines schwersterkrankten Patienten nicht assistieren zu können, wird das die Gesellschaft, aber in erster Linie der anfragende Patient zu respektieren haben, so dass er sich im Zweifel an einen anderen Arzt wenden kann.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 18. Januar 2014, 15:25

@ Assessor jur. Lutz Barth alias "advokatus diaboli"

Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen? Mit Ihrem Kommentar: "Auch Palliativmediziner sind zur Toleranz aufgerufen!" gehen Sie mit keinem einzigen Wort formal oder inhaltlich auf die hier unter "News Politik" unter aerzteblatt.de dargestellten Positionen der "Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin gegen ärztliche Beihilfe zum Suizid" ein. Auch findet die Publikation in der print-Ausgabe DÄ: "Ärztlich assistierter Suizid: Hilfe beim Sterben – keine Hilfe zum Sterben" hier bei Ihnen keinerlei Erwähnung vgl. http://www.aerzteblatt.de/archiv/152921/Aerztlich-assistierter-Suizid-Hilfe-beim-Sterben-keine-Hilfe-zum-Sterben

Stattdessen strotz Ihr Kommentar vor ebenso wortreichen wie inhaltleeren Hülsen, mit denen Sie ausgedehnt die Kommentarlandschaft durchpflügen, o h n e als Jurist je die ärztlich-ethischen Dimensionen, die Gratwanderungen zwischen "Tötung auf Verlangen" (§216 StGB), aktiver und passiver Sterbehilfe bzw. ärztlich assistiertem Suizid nicht nur mit Worten, sondern auch mit substanziellen Taten und Handlungen begreifen zu können. Denn wenn es ums tätige Tun von Ärzten/-innen geht, stehen Sie eher anstiftend herum, weil das aktive Handeln die Ihre Sache ja wohl nicht so ist.

Wir erleben als Ärzte in Klinik und Praxis in einigen Fachbereichen fast täglich Menschen, die nicht mehr leben wollen und können, die sich selbst (und manchmal auch anderen) den Tod wünschen. Wir können und dürfen die nicht alle in den Tod schicken, weil die meisten entweder froh und glücklich sind, wenn wir ihnen therapeutisch helfen können. Oder die erleichtert darüber sind, dass wir offen über palliative Maßnahmen und Möglichkeiten sprechen. In letzter Konsequenz wollen Sie als „advokatus diaboli“ uns Ärzte nämlich tatsächlich zu "Abdeckern" degradieren.

Und ich sage Ihnen meine ganz persönliche Meinung: Das wie auch immer geartete "Geschäft" mit der organisierten Sterbehilfe, aber auch das private "Helfer-Syndrom" z. B. eines Peter Puppe ("wenn Sie wüßten, was ich alles studiert habe...nach 8 Jahren täglichem, vielfältigem Eigenstudium") sind keineswegs nur altruistisch-selbstaufopfernd sondern auch immer auch ein Stück weit überheblich-selbstüberschätzend-anmaßend vgl.
http://www.aerztezeitung.de/panorama/?sid=853241
In dem man alleine vorgibt zu wissen, was für Sterbende gut und richtig ist, dass die eigentlich medizinischen Experten ignorant, verleugnend und unwissend sind.

Warum ich mir da Ihnen gegenüber so sicher bin?
1. Ich hatte im Jahr 2000 ein hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom Stadium IVa mit Hochdosis-Chemotherapie, autologer Stammzellübertragung und im Leukozyten-Nadir zweimal einen akut septischen, lebensbedrohlichen Zustand.
2. Ein Rezidiv 2007 mit retroperitonealer Lymphom-OP, Chemotherapie und Rituximab-Therapie.
3. Seit dieser Zeit habe ich vor dem Tod keine wirkliche Angst mehr - da war ich schon zu oft zu nah dran.
4. Seit dieser Zeit lebe und schreibe ich so intensiv und bin mit mir selbst im Reinen wie nie zuvor.
5. Seitdem merke ich aber auch s o f o r t, ob jemand nur irgendwie interessegeleitet daherredet, drum herumredet oder perseverierend schwafelt.
6. In Disputationen finde ich s o f o r t heraus, ob jemand eine andere, gegensätzliche Position wirklich inhaltlich und genau gelesen, verstanden und reflektiert hat.

Bedauerlicherweise treffen auf Sie Punkt 5 und 6 zum größten Teil zu.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
advokatus diaboli
am Freitag, 17. Januar 2014, 14:56

Auch Palliativmediziner sind zur Toleranz aufgerufen!

Es ist schon erstaunlich, dass die Autoren sich nicht näher mit der Frage auseinandersetzen, warum (!) einige Landesärztekammern die in der MBO enthaltene Verbotsregelung nicht übernommen haben.

Es ist ein "ethischer Flickenteppich" entstanden, bei dem ein allgemeines "Arztethos", welches insbesondere der BÄK vorschwebt, seine Integrationskraft verloren hat. Dies allerdings verwundert nicht, übt doch der Arzt seinen Beruf in erster Linie nach seinem Gewissen aus und nicht nach den ethischen Vorgaben einiger Ärztefunktionäre oder Palliativmediziner, die sich nicht selten von Machbarkeitsvorstellungen ihrer eigenen Disziplin leiten lassen.

Insofern ist das Plädoyer der Autoren, die Landesärztekammer mögen im Zweifel der MBO folgen, zwar nachvollziehbar, aber ethisch nicht haltbar, sehen wir mal von dem ethischen Grundstandard unseres Grundgesetzes ab, der selbstverständlich auch den Selbstverwaltungskörperschaften Grenzen aufzeigt.

Der parlamentarische Gesetzgeber ist aufgerufen, den "ethischen Flickenteppich" der Ärzteschaft zu beseitigen, in dem er Sterbehilfereglungen verabschiedet, die zugleich auch für die Ärzteschaft bindend sind, so dass kein Raum mehr für abweichende berufsrechtliche Regelungen verbleibt.

Die ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften, die die Regelung der MBO übernommen haben, waren sich offensichtlich nicht der Bedeutung der ärztlichen Gewissensfreiheit bewusst und insofern muss der Gesetzgeber einschreiten!
Freilich bleibt es der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin unbenommen, diesbezüglich eine andere Auffassung zu vertreten. Indes sollte dieser bewusst sein, dass sie mehr oder minder direkt den rigiden Kurs der BÄK hinsichtlich einer Zwangsethisierung der verfassten Ärzteschaft unterstützt – einen Kurs, der m.E. einer freien Ärzteschaft unwürdig ist. Unsere Gesellschaft benötigt keine „ethisch gleichgeschalteten“ Ärzte und auch die DGP wird sich den harschen Vorwurf gefallen lassen müssen, scheinbar den inneren Kern der ärztlichen Gewissensfreiheit ihrer Kolleginnen und Kollegen nicht begriffen zu haben.
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