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Hoher Alkoholkonsum beschleunigt Gedächtnisverlust um mehrere Jahre

Freitag, 17. Januar 2014

London – Moderater Alkoholkonsum fügt dem Gehirn keinen Schaden zu, die relaxierende Wirkung auf die Gefäße könnte sogar günstig sein. Beim Überschreiten einer Grenze, die eine Kohortenstudie in Neurology (Online) für Männer bei 36 Gramm Alkohol am Tag zieht, kommt es im Alter jedoch zu einen Abfall der kognitiven Leistungen

Die Studie basiert auf den Daten der Whitehall II-Kohorte, einer Gruppe von zirka 5.054 männlichen und 2.100 weiblichen Staatsangestellten aus dem gleichnamigen Londoner Regierungsbezirk, die in einem Zeitraum von zehn Jahren dreimal nach ihren Trinkge­wohnheiten befragt worden waren. Später wurden die Teilnehmer mehrmals kognitiven Tests unterzogen, die Séverine Sabia vom University College London jetzt mit dem frühen Alkoholkonsum in Beziehung setzt.

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Bei Männern war die oberste Kategorie des Alkoholkonsums signifikant mit schlechteren Leistungen in Gedächtnistest verbunden, die exekutiven Funktionen (vernunftmäßiges Handeln) waren ebenfalls tendenziell vermindert. Die Effektgröße entspricht Sabia zufolge einer beschleunigten Alterung um 5,7 Jahre bei den Gedächtnisleistungen und um 1,5 Jahre bei den exekutiven Funktionen.

Die oberste Kategorie begann bei einem Konsum von 36 Gramm reinen Alkohol pro Tag. Bei drei Bier am Abend (330 ml mit 4,8 Volumenprozent enthalten 12,7 Gramm Alkohol) wird diese Grenze bereits erreicht. Wer täglich weniger als 20 Gramm Alkohol trinkt, darf der Studie zufolge auf die gleiche kognitive Leistungsfähigkeit hoffen wie abstinent lebende Menschen.

Weibliche Staatsangestellte tranken in der Whitehall-Kohorte deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Die oberste Kategorie begann bei 19 Gramm Alkohol am Tag. Die Folgen waren geringer als beim Mann. Nur für die exekutiven Funktionen ermittelte Sabia eine beschleunigte Alterung um 2,4 Jahre. Die Assoziation war jedoch nicht signifikant. Bei beiden Geschlechtern hatten Spirituosen eine schädlichere Wirkung als Bier oder Wein.

Die Gründe für die negativen Auswirkungen auf die Hirnfunktion konnte die Studie nicht ermitteln. Eine naheliegende Vermutung sind neurotoxische Schäden durch Trink­exzesse. Leider waren die Teilnehmer hierzu nicht detailliert befragt worden. Zu den Einschränkungen gehört auch, dass die Angestellten den Alkoholkonsum selbst eingeschätzt haben. Sollten sie ihre Trinkmenge zu niedrig angegeben haben, müsste der Grenzwert entsprechend gesenkt werden. © me/aerzteblatt.de

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gilligan-2
am Sonntag, 19. Januar 2014, 18:06

nee, anders

>> Sollten sie ihre Trinkmenge zu niedrig angegeben haben, müsste der Grenzwert entsprechend gesenkt werden. <<

Sollten sie ihre Trinkmenge zu niedrig angegeben haben, wäre sie *ja in Wirklichkeit* höher gewesen. Und dann müßten die Grenzwerte nach oben korrigiert werden. In Richtung der "wirklichen" Werte.

mit freundlichen, kollegialen Grüßen

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