Politik

„Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus nehmen“

Montag, 20. Januar 2014

Berlin – „Natürlich geerdet – in der Heimat für die Heimat“ – so wirbt die CSU- Bundestags­abgeordnete für den Wahlkreis Roth/Nürnberger Land und neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, auf ihrer Homepage für sich. In einem Youtube-Video präsentiert sich die 58-Jährige im karierten Hemd und vor gemähtem Feld als bodenständige fränkische Landwirtin. Dass sie sich nun in ihrem neuen Amt um Crystal Meth, Cannabis und die Schicksale Drogenabhängiger kümmern muss, ist hier noch kein Thema. Seit 2002 Mitglied im Bundestag, war Mortler dort aktiv in den Bereichen Agrar und Tourismus. Am 15. Januar wurde sie zur Beauftragten der Bundesregierung für Drogenfragen berufen.

5 Fragen an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU)

DÄ: Was qualifiziert Sie für Ihre neue Aufgabe?
Marlene Mortler: Die Bekämpfung von Drogen und die Suchtproblematik erfordern eine ressort­übergreifende Zusammenarbeit, auch zwischen unterschiedlichen Ebenen wie Bund, Ländern, Gemeinden und EU. Diese Art der Koordinierung ist mir bestens vertraut – sei es aus dem Bereich Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz oder dem Themengebiet Tourismus. Beides waren und sind politische Felder, bei denen der Erfolg abhängig ist vom guten Zusammenspiel aller Beteiligten auf allen Ebenen. Ich bin sicher, dass ich hier meine bundespolitische Erfahrung aus drei Legislaturperioden gewinnbringend einbringen kann.

DÄ: Doch die Drogen- und Suchtpolitik ist für Sie neu?
Mortler: Nein. Einige Aufgaben der Drogenbeauftragten überschneiden und ergänzen sich mit meinem bisherigen Fachgebiet. Mein neues Tätigkeitsfeld als Drogenbeauftragte umfasst zudem breite Querschnittsaufgaben, die sich durch viele Bereiche des Lebens ziehen: Von der Geburt bis ins hohe Alter. Als dreifache Mutter und inzwischen mehrfache Großmutter weiß ich insbesondere um Ängste von Eltern mit Blick auf Suchtgefahren für ihre Kinder. Frühzeitige Informationen und vor allem zielgerichtete Präventionsmaßnahmen sind entscheidend. Dafür ist es gut, wenn man wie ich bodenständig verwurzelt ist und ein großes familiäres Umfeld hinter sich weiß.

DÄ: Haben Sie selbst in ihrer Jugend Erfahrungen mit Drogen gemacht?
Mortler: Illegale Drogen waren für mich stets tabu. Aber ich gestehe, dass ich in der Vergangenheit immer wieder geraucht habe. Zwar nur wenige Zigaretten am Tag, aber selbst das war zu viel, wie ich heute weiß. Während meiner Schwangerschaften habe ich nie zum Tabak gegriffen und seit 2006 rauche ich konsequent gar nicht mehr. Seitdem geht es mir besser. Ich habe gemerkt, wie schnell Tabakkonsum abhängig machen kann.

DÄ: Was ist Ihnen das allerdringlichste Thema in der Sucht- und Drogenpolitik?
Mortler: Ich glaube, das eine Thema gibt es nicht, dazu ist die Drogen- und Suchtprävention viel zu breit aufgestellt und in allen ihren Facetten wichtig. Aber was mir schon besonders am Herzen liegt, sind Kinder und Jugendliche. Hier müssen wir alles tun, um den Einstieg in ein suchtgeprägtes Leben zu vermeiden.

Ganz wichtig dabei ist es, gerade auch diejenigen zu schützen, die es noch gar nicht selbst in der Hand haben – die Ungeborenen im Mutterleib. Alkohol, Tabak und Drogen während der Schwangerschaft verursachen riesige gesundheitliche Probleme. Gute Aufklärungsarbeit ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man zum Beispiel weiß, dass jedes Jahr mehrere tausend Neugeborene mit einer vermeidbaren lebenslangen Behinderung, dem fetalen Alkoholsyndrom, zur Welt kommen, nur weil ihre Mütter in der Schwangerschaft Alkohol konsumiert haben, dann müssen wir das ganz besonders im Blick haben.

DÄ: Die Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen ist Ihnen wichtig…
Mortler: Ja. Stärker als bisher in den Fokus nehmen möchte ich die Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien. Etwa 2,6 Millionen Kinder sind in Deutschland betroffen und werden durch ihre Lebenssituation in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung massiv beeinträchtigt und benachteiligt. Viele von ihnen entwickeln später eine eigene Suchtproblematik.

Und gerade auch um das Thema übermäßiger Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen werde ich mich kümmern. Die weiterhin sehr hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, zeigt, dass wir hier noch mehr in der Prävention tun, und auch den Eltern gezielter mit Rat und Tat zur Seite zu stehen müssen. © pb/aerzteblatt.de

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