Medizin

Studie: Sonnenlicht senkt den Blutdruck

Dienstag, 21. Januar 2014

Southampton – UVA-Strahlen können über eine Freisetzung von Stickstoffmonoxid aus der Haut die Blutgefäße erweitern und dadurch den Blutdruck senken. Dies berichten britische Forscher im Journal of Investigative Dermatology (2014; doi: 10.1038/jid.2014.27).

Schon in den 80er Jahren war aufgefallen, dass der Blutdruck bei milden Hypertonikern im Sommer niedriger ist als im Winter. Die INTERSALT-Studie zeigte später, dass die Zahl der Hypertoniker mit dem Abstand vom Äquator zunimmt. Der Grund war bisher unbe­kannt. Vor einiger Zeit konnte das Team um Richard Weller von der Universität Edin­burgh jedoch nachweisen, dass in den obersten Hautschichten die Konzentration von Stickstoffmonoxid (NO) erhöht ist. Es entsteht dort vermutlich unter der Einwirkung von UVA-Strahlen (während die Vitamin D-Synthese auf UVB-Licht angewiesen ist).

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NO ist ein wichtiger Vasodilatator von Blutgefäßen. Zusammen mit Martin Feelisch von der Universität von Southampton hat Weller deshalb untersucht, ob eine UVA-Bestrah­lung eine Auswirkung auf den Blutdruck hat. In der experimentellen Studie wurde die Haut von 24 normotensiven Probanden über 20 Minuten mit einer UVA-Lampe bestrahlt, wie sie auch in Sonnenstudios eingesetzt wird.

Dies hatte einen Abfall des mittleren Blutdrucks um 3,5 mm Hg zur Folge. Der diasto­lische Wert sank sogar um 4,9 mm Hg. Dies sind klinisch relevante Unterschiede: Ein Rückgang des diastolischen Blutdrucks um 5 mm Hg war in Studien mit einer Senkung des Schlaganfallrisikos um 34 Prozent und des koronaren Risikos um 21 Prozent verbun­den. Die blutdrucksenkende Wirkung hielt nach dem Ende der Bestrahlung noch eine Zeitlang an. Erst nach etwa 30 Minuten stiegen die Blutdruck-Werte wieder an. Bei Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, könnte die Sonneneinstrahlung deshalb durchaus eine langdauernde Wirkung auf den Blutdruck haben.

Die blutdrucksenkende Wirkung blieb aus, wenn die Probanden mit einer Aluminiumfolie abgedeckt wurden. Dadurch schlossen die Forscher aus, dass der Effekt über eine Erwärmung der Haut zustande kam. Sie können ferner zeigen, dass die Wirkung über NO vermittelt wird. Die Hautbestrahlung erhöhte die Konzentration von Nitriten in der Haut, während die Nitrate abnahmen.

Die Forscher nehmen deshalb an, dass es unter Einwirkung von UV-A in der Haut zu einer Photolyse von Nitrat zu Nitrit kommt, die eine Quelle für die NO-Moleküle sein könnte. Wegen der begrenzten Eindringtiefe der UV-Strahlen vermuten die Forscher die Reservoire in den oberen Hautschichten. In ex-vivo Experimenten an Hautproben konn­ten sie den „NO-Pool“ dort auch nachweisen. Ihren Berechnungen zufolge würde die UVA-Bestrahlung ausreichen, um genügend NO für eine Blutdrucksenkung bereit zu stellen – sofern der Körper lange genug der Sonne ausgesetzt ist.

Dies ist aus Gründen der Hautkrebsprävention heute nicht erwünscht. Nach Ansicht von Feelisch sollten diese Empfehlungen jedoch überdacht werden. Es sei zwar richtig, dass UV-Licht – und hier vor allem der UVA-Anteil – das Hautkrebsrisiko steigere. Auf der anderen Seite könnte aber die Meidung von Sonnenlicht zu einem ungewollten Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. © rme/aerzteblatt.de

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