Medizin

US-Studie: Erblindungen durch Glaukom halbiert

Dienstag, 21. Januar 2014

Rochester – Die Gefahr, an einem Glaukom zu erblinden, hat sich seit 1980 halbiert. Dies geht aus einer epidemiologischen Langzeitstudie in Ophthalmology (2014; 121; 134-141) hervor. Die Autoren vermuten, dass Früherkennung und bessere Behand­lungs­möglichkeiten für den Rückgang verantwortlich sind.

Das Glaukom gehört weltweit zu den häufigsten Erblindungsursachen. Auch in Deutsch­land wird es hier nur von der altersbezogenen Makuladegeneration und der diabetischen Retinopathie übertroffen. Sehr zuverlässige Aussagen über die Prognose von einzelnen Erkrankungen liefert das Rochester Epidemiology Project.

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Es liefert den Epidemiologen seit Jahrzehnten Einblick in alle Krankenakten im Olmsted County im Einzugsgebiet der Mayo Clinic. Der Ophthalmologe Arthur Sit von der Mayo Clinic in Rochester konnte deshalb ermitteln, wie viele Patienten mit einem Offenwinkel-Glaukom (mit einem Anteil von zwei Dritteln die häufigste Glaukom-Form) erblindet sind.

Die individuelle Erblindungsrate steigt mit der Dauer der Erkrankung und beträgt heute – in einer Kohorte, bei der die Erkrankung zwischen 1981 und 2000 diagnostiziert wurde – 13,5 Prozent für eine Erblindung auf wenigstens einem Auge. Dies ist angesichts der Tatsache, dass die Erkrankung bei einer Früherkennung behandelt werden kann, immer noch sehr hoch, findet Sit.

Doch verglichen mit einer früheren Studie aus der Zeit zwischen 1965 und 1980 habe sich die Zahl der Erblindungen halbiert. Damals waren noch 25,8 Prozent der Patienten an ihrem Offenwinkelglaukom wenigstens auf einem Auge erblindet.

Nach den Berechnungen von Sit kommen auf 100.000 Einwohner heute 5,5 Einwohner, die innerhalb von 10 Jahren nach der Diagnose auf dem erkrankten Auge erblinden. Bei der früheren Untersuchung waren es noch 8,7 auf 100.000 Einwohner. Sit glaubt nicht, dass dies allein eine Folge der früheren Diagnose ist. Dann wäre die niedrigere Erblindungs­rate nur ein scheinbarer Fortschritt. Gegen einen solchen Lead Bias spricht laut Sit, dass die Gesamtzahl der Neuerkrankungen seit 1965 gleichgeblieben ist. Völlig ausschließen kann die Studie einen Lead-Bias in der Diagnostik allerdings nicht.

Offen bleibt, welchen Fortschritten in Diagnostik und Therapie die günstige Entwicklung zu verdanken ist. In den Untersuchungszeitraum fallen Verbesserungen in der medika­mentösen und chirurgischen Therapie. Sit nennt die Lasertrabekuloplastik. die automa­tische Perimetrie, die bessere Darstellung des Nervus opticus. Es habe auch neue Einblicke in die Pathogenese gegeben und neue Erkenntnisse zu den Risikofaktoren.

Einen wesentlichen Anteil könnte aber auch das gestiegene Bewusstsein zu den Gefahren des erhöhten Augeninnendrucks in der Bevölkerung gehabt haben, meint Sit. Immer mehr Menschen würden ihren Augeninnendruck kontrollieren lassen, meint der Ophthalmologe. © rme/aerzteblatt.de

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