Politik

Organspende: Mehr Ausweise, aber Vertrauen sinkt

Freitag, 24. Januar 2014

Köln – Immer mehr Bundesbürger haben nach einer Umfrage einen Organspende­ausweis. Zugleich hat eine große Zahl der Befragten das Vertrauen in das Organ­spende-System verloren. Dennoch wären immer noch mehr als zwei Drittel bereit, ihre Organe nach dem Tod zu spenden. Das ist das Ergebnis einer heute in Köln veröffent­lichten Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die von August bis September 2013 unter 4.003 Bürgern im Alter von 14 bis 75 Jahren durch­geführt wurde.

Demnach gaben 48 Prozent der Befragten an, dass sie nach Berichten über Manipu­lationen in mehreren Transplantationskliniken das Vertrauen in das Organspende-System verloren hätten. 78 Prozent erklärten, sie stünden der Organ- und Gewebe­spende positiv gegenüber.

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68 Prozent der Befragten sind zu einer Organ- und Gewebespende nach ihrem Tod bereit – zwei Prozent weniger als bei der Erhebung ein Jahr zuvor. Von allen Befragten besitzen 28 Prozent einen Organspendeausweis; das ist laut BZgA ein Rekordwert. Im Vorjahr waren dies noch 22 Prozent.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte zu den Ergebnissen, die Skandale der Vergangenheit hätten Vertrauen zerstört. „Dass die Einstellung zur Organspende dennoch positiv ist und sogar mehr Menschen bereit waren, einen Organspendeausweis auszufüllen, ist gut. Wir müssen weiterhin beharrlich für die Organspende werben.“ Verlorenes Vertrauen lasse sich nur langsam zurückgewinnen. Notwendig seien Transparenz, sachliche Informationen und hohe Qualität in der Transplantationsmedizin.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Organspendezahlen in Deutschland auf einen historischen Tiefpunkt gefallen waren. 2013 gab es nur noch 876 Organspender gegenüber 1.046 Spendern im Jahr 2012. Der Präsident der Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant, Bruno Meiser, führte dies allerdings nicht auf eine gewachsene Skepsis der Bevölkerung, sondern auf die gesunkene Bereitschaft von Ärzten zurück, sich für Organspenden einzusetzen.

Laut Studie wird der Organspendeausweis überwiegend dafür genutzt, einer Organspende zuzustimmen (84 Prozent). Lediglich vier Prozent dokumentierten ihren Widerspruch. 90 Prozent derjenigen, die zu einer Organ- und Gewebespende bereit wären, wollen anderen Menschen helfen.

Für 65 Prozent ist die Entlastung ihrer Angehörigen eine wichtige Spendenmotivation. Von den Befragten, die eine Organ- und Gewebespende ablehnen, fürchten 60 Prozent den Missbrauch durch Organhandel, und 43 Prozent haben Angst, dass von den Ärzten nicht mehr alles für sie getan wird. © kna/aerzteblatt.de

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