Politik

Genitalver­stümmelung ist Menschen­rechtsverletzung

Mittwoch, 5. Februar 2014

Berlin – Auf die Probleme von Frauen nach Genitalverstümmelung hat die Parlamen­tarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), hingewiesen. Anlass ist der morgige Internationale Gedenktag mit dem Titel „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“. „Die schrecklichen Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung sind Menschenrechtsverletzungen, die nicht durch kulturelle oder religiöse Traditionen zu rechtfertigen sind“, betonte Fischbach.

Durch die Globalisierung kommen immer mehr Mädchen und Frauen, die von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind, nach Deutschland. Man schätzt, dass hierzulande 30.000 Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht sind. Weltweit sind schätzungsweise 140 Millionen Mädchen und Frauen durch die Zwangsbeschneidung verstümmelt.

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Sie wird vor allem in Ländern Afrikas praktiziert, obwohl sie in vielen dieser Länder mittlerweile verboten ist. Die Verstümmelungen verursachen bei den Frauen akute und langfristige körperliche und seelische Schäden, die zu drastischen Beeinträchtigungen der Lebensqualität und häufig sogar zum Tod führen können.

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) engagiert sich gegen weibliche Genitalver­stümmlung. Schon 2005 hat die Kammer dazu „Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmlung“ erarbeitet und in der Folge aktualisiert. „Die Tradition einiger afrikanischer Kulturen kann nicht nur historisch, politisch und ethisch-moralisch bewertet werden; sondern den betroffenen Frauen ist entsprechend ihrem Leidensdruck und ihrem Beschwerdebild zu helfen, und zwar sozial, psychologisch und medizinisch kompetent“, heißt es dort in der Einleitung.

Auch die deutsche Sektion des UN-Frauen-Komitees erinnerte am Mittwoch in Berlin an die schweren gesundheitlichen und seelischen Folgen der weiblichen Genital­ver­stümmelung. Das Komitee begrüßte zugleich, dass die Menschenrechtsverletzung in Deutschland inzwischen als eigener Strafbestand anerkannt sei. Dies biete Betroffenen eine Rechtsgrundlage und die Täter könnten zur Verantwortung gezogen werden.

Die Stiftung Weltbevölkerung in Hannover rief zu einem stärkeren Engagement gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen auf. „Wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, werden Schätzungen zufolge in den kommenden 15 Jahren weitere 86 Millionen Mädchen genitalverstümmelt”, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung, Renate Bähr.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Christoph Strässer (SPD), sagte, man wolle eng mit den Regierungen und Zivilgesellschaften anderer Länder zusammenarbeiten, um Genitalverstümmelung zu unterbinden. „Gemeinsam können wir konstruktive Ansätze entwickeln mit dem Ziel, diese unmenschliche Praxis zu unterbinden.”

Die frauenpolitische Sprecherin der Linken, Cornelia Möhring sprach von einer „eklatanten Menschenrechtsverletzung” und forderte, das Thema in die Integrationskurse aufzunehmen. © hil/kna/aerzteblatt.de

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