Politik

Regierung hält an Rezeptpflicht für „Pille danach“ fest

Freitag, 14. Februar 2014

Berlin – Die Bundesregierung will an der Verschreibungspflicht für die „Pille danach“ festhalten. Die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), begründete dies am Donnerstagabend im Bundestag mit einem weiterhin großen

Informations- und Beratungsbedürfnis. Bei der Abwägung müsse die Gesundheit der Frau im Vordergrund stehen. Redner von SPD, Linken und Grünen, forderten hingegen die Freigabe des Notfallverhütungsmittels, da es laut Studien gesundheitlich unbedenklich sei.

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In zwei Anträgen verlangten Grüne und Linke die Entlassung des Präparats Levonor­gestrel aus der Verschreibungspflicht. Sie beriefen sich auf die entsprechende Empfehlung des Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Anträge wurden an die Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Gesundheitsausschuss. Die Entscheidung über die künftige Abgabe des Medikaments liegt bei Bundes­gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der dies per Verordnung regelt. Er will die Rezeptpflicht beibehalten.

Nach den Worten von Widmann-Mauz soll damit Information, Aufklärung und unter Umständen psychosoziale Beratung für Betroffene sichergestellt bleiben. Der Bundes­regierung gehe es bei der Abwägung weder um eine moralische Bewertung noch um die Absicht, der Frau die Pille vorzuenthalten, sondern um ihre Gesundheit. In ihrer Haltung sehe sich die Bundesregierung von der Ärzteschaft bestätigt. Die Versorgung funktioniere offenbar, da die Pille im vergangenen Jahr weit über 400.000 Mal verschrieben worden sei, betonte die CDU-Politikerin.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte demgegenüber geltend, dass die Statistik nichts über ungewollte Schwangerschaften durch eine zu späte Einnahme aussage. Die Wirksamkeit von Levonorgestrel hänge entscheidend von der raschen Einnahme ab. Das Präparat sei seit Jahrzehnten auf dem Markt und werde von der Weltgesundheitsorganisation WHO als sicher eingestuft. Es scheine ihm, dass Frauen in einer Notlage das Recht auf Hilfe ohne notwendige Begründung vorenthalten werde. Wesentlich sei ferner, dass es bei Levonorgestrel im Falle einer Schwangerschaft nicht zur Schädigung des Kindes komme, wie bei anderen Notfallkontrazeptiva.

Die Linken-Abgeordnete Birgit Wöllert berief sich auf positive Erfahrungen im Ausland. Das Medikament sei medizinisch unbedenklich und wirke umso besser, je früher es angewendet werde. Es könne gefahrlos ohne ärztliche Beratung eingenommen werden und stärke die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen. Auch Kordula Schulz-Asche

(Grüne) hob das Selbstbestimmungsrecht der Frau hervor. Die Apotheker könnten die notwendige Beratung mindestens ebenso gut leisten, wie der ärztliche Notdienst am Wochenende. © kna/aerzteblatt.de

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Frauenärzte am Potsdamer Platz
am Samstag, 8. März 2014, 21:46

Rezeptpflicht für Pille danach

Diese ganze Diskussion um die Rezeptfreiheit oder Rezeptpflicht der "Pille danach" ist ziemlich unsinnig. Bei dieser Diskussion wird völlig übergangen, daß es dabei nicht um die wirkungsvollere Variante der " Pille danach " - "Ella one " geht. Diese, die sinnvollerweise heutzutage verordnet werden sollte ( in unserer Frauenarztpraxis in Berlin wird seit Jahren nichts anderes verordnet ), weil sie wirkungsvoller ist, bleibt rezeptpflichtig, daran soll nichts verändert werden.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 15. Februar 2014, 12:42

"Pechpill" mit Diskussionsbedarf

Redner von SPD, Linken und Grünen/Bündnis 90 übersehen nach wie vor, dass es z w e i Therapieoptionen zur postkoitalen Kontrazeption als rezeptfähige "Pille danach" gibt. Es ist vollkommen abwegig, ausgerechnet diejenige Methode durch Rezeptfreiheit privilegieren zu wollen, die eine vergleichsweise hohe Tagesdosis mit höherem Nebenwirkungspotential und unsichererem/kürzerem Wirkprofil hat.
• Das ältere, nebenwirkungsträchtige Levonorgestrel (PiDaNa®) mit 1,5 mg Wirksubstanz entspricht der Einmalgabe von 50 Minipillen "Microlut®" oder "28 mini®". Als OTC-("over-the-counter")-Präparat würde es in Apotheken übergeben, o h n e dass daran Beteiligte das Recht zur Ausübung der Heilkunde besitzen. OTC-Medikamente können direkt öffentlich beworben werden. Wir Haus-Ärztinnen und -Ärzte müssten dann auch noch den Spruch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ ertragen, o h n e die potenziellen Anwenderinnen und deren Partner vorher überhaupt gesprochen oder beraten zu haben.
• Der selektive Progesteronrezeptor-Modulator mit 30 mg Ulipristalacetat (ellaOne®) wirkt bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr relativ unabhängig vom Körpergewicht der Anwenderin mit lt. Roter Liste® geringerem Nebenwirkungsprofil. In meiner aktuellen Print-Ausgabe der Gelben Liste® sind übrigens beide Präparate nicht mal aufgeführt?

Dem SPD-Epidemiologen und Gesundheitsexperten Prof. Dr. Karl Lauterbach mit Approbation als Arzt seit 2010 und offenkundig gering entwickelten Kenntnissen in Gynäkologie und Reproduktionsmedizin ist wohl entgangen, dass die männlichen Partner als "conditio sine qua non" am Dilemma der "Pechpill" mit beteiligt sind. Sonst wäre er unschwer darauf gekommen, dass die Problematik der "Pille danach" in erster Linie am mangelhaften bis teilweise gänzlich fehlenden Interesse, Wissen und Mit-Verantwortlich-Fühlen männlicher Partner bei Fragen und Problemen von Kontrazeption, Konzeption und ungewollter Schwangerschaften in allen möglichen Spielarten von Paar-Beziehungen liegt.

Informationelle Selbstbestimmung potenzieller Anwenderinnen der postkoitalen Kontrazeption muss integraler Bestandteil von "bi-sexueller" Aufklärung, Information, Sexualkunde, Biologie-Unterricht, Sicherstellung ärztlicher Erreichbarkeit rund um die Uhr, Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit Rat suchenden Frauen u n d Männern in dieser speziellen Frage sein. Empathie und weltanschauliche Toleranz sind Grundbedingungen, welche insbesondere die "C"-Parteien und immer noch viele Ärzte unter der Ägide katholischer Krankenhausträger und deren fundamentalistischer Ideologien vermissen lassen.

D a r ü b e r sollte der Deutsche Bundestag mal diskutieren!
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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