Politik

DSO: Hirntoddiagnostik zu Unrecht unter Generalverdacht

Mittwoch, 19. Februar 2014

Frankfurt am Main - „Der Generalverdacht, die Hirntoddiagnostik in Deutschland sei häufig fehlerhaft, ist nicht gerechtfertigt“, erklärt der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Rainer Hess. Er bezieht sich dabei auf eine Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung.

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Die Hirntoddiagnostik sei eine der sichersten Diagnosen in der Medizin. Aber Fehler seien dennoch nicht hundertprozentig vermeidbar. In zwei Fällen sei es tatsächlich zu einer Organentnahme nach formal fehlerhafter Hirntoddiagnostik gekommen, räumt Hess ein. In einem Fall habe eines der vier Hirntodprotokolle gefehlt, und in dem anderen Fall seien die Untersuchungszeiten nicht korrekt eingehalten worden.

Beide Fälle seien der Staatsanwaltschaft gemeldet worden. Dabei sei zweifelsfrei bestätigt worden, dass beide Spender vor der Organentnahme hirntot waren. In den weiteren Fällen sei auf Intervention von DSO-Koordinatoren die Hirntoddiagnostik korrekt wiederholt worden, oder es habe bei weiterhin zweifelhafter Diagnose keine Organent­nahme stattgefunden.

Hess betont, dass die korrekte und sorgfältige Hirntoddiagnostik eine unabdingbare Voraussetzung für ein funktionierendes Transplantationssystem sei. Das sei auch ein wichtiges Anliegen der DSO, wie die aufgezeigten Fälle zeigten. Eine Diskussion zur Vermeidung von Fehlern sei unerlässlich, dürfe aber nicht in einen Generalverdacht des ansonsten gut und sicher aufgestellten Systems führen, so der DSO-Vorstand. Die Hirn­tod­diagnostik sei in Deutschland streng geregelt, und die Diagnose müsse von zwei Ärzten unabhängig voneinander bestätigt werden.

Obwohl die Hirntoddiagnostik nach dem Gesetz in den Verantwortungsbereich des Krankenhauses fällt, ist es die Aufgabe der DSO-Koordinatoren, die Protokolle vor der Entnahmeoperation auf ihre formale Richtigkeit zu überprüfen. Hess erklärt, dies sei eine wichtige zusätzliche Kontrollfunktion. © Kli/aerzteblatt.de

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kairoprax
am Donnerstag, 20. Februar 2014, 13:20

Rainer Hess ist offenbar zu unkritisch für seinen Job


Mein lieber Joli, hier geht es nicht darum ob für eine medizinische BEHANDLUNG Risiken und Nebenwirkungen auftreten können. Hier geht es um eine Todesfeststellung, nach der einer so genannten Leiche Organe entnommen werden können. Jeder halbwegs taugliche Jurist haut jeden Arzt in die Pfanne, wenn jede x-beliebige Leichenschau fehlerhaft und nicht zutr5effend einen Tod feststellt. Fehler seien nicht huindertprozentig vermeidbar? Okay! Dann läßt man die Hirndiagnostik lieber, bevor man sich auf eine Fehlerquote von 100-x einläßt.
Herrn Hess kann man nur nahelegen, zusammenmit der DSO in den Ruhestand zu gehen, weder der Mann, noch die Stiftung sind noch tragbar!
Es ist unerträglich und zynisch, was da steht.

Dr.Karlheinz Bayer
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 19. Februar 2014, 22:09

DSO rätselhaftes Kreuzworträtsel?

Wenn der Interimsvorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. jur. Rainer Hess, behauptet, in keinem Fall habe es eine Organentnahme bei Lebenden gegeben und dem Vorwurf entgegentrat, die Hirntoddiagnostik sei hierzulande in begründeten Einzelfällen fehlerhaft, mit "Ich weise den Generalverdacht über falsche Todesfeststellungen mit Nachdruck zurück", entschuldigt ihn vielleicht, dass er (* 6. 11. 1940) nunmehr im 74. Lebensjahr stehend, über keine Befähigung zur Ausübung der Heilkunde verfügt. Aber letzten Endes weist er nur noch reflexhaft alle Unterstellungen und Verdachtsmomente zurück, während die Organspende-Bereitschaft immer dramatischer zurückgeht. Denn es ist und bleibt gerichtsnotorisch und aktenkundig, dass es in der Transplantations-Medizin an einigen wenigen Behandlungszentren in Deutschland drunter und drüber gegangen ist. Und dagegen könnte nur eine V o r w ä r t s- und keine Rückwärts-Verteidigung etwas ausrichten.

• Wenn es jedoch nach Angaben der privatwirtschaftlichen, mit 44 Millionen Euro jährlich alimentierten DSO selbst in 2 Fällen aktenkundig "zu einer Organentnahme nach formal fehlerhafter Hirntoddiagnostik" gekommen sei, darf man auch als juristischer Laie fragen, wie es dann mit der möglicherweise i n h a l t l i c h fehlerhaften Hirntoddiagnostik bestellt ist?
• Wie es zur Entnahme von lebensfrischen Organen kommen kann, wenn die Hirntod-Feststellung "obligatorisch vor der Leichenspende" ist?
• Wie es zu der neuen Begrifflichkeit der "Leichenspende" kommt, wenn bei Organtransplantationen und in der gesamten Transplantationsmedizin immer wieder betont wird, dass diese im G r e n z b e r e i c h zwischen Leben und Tod agiert?
• Warum, so makaber es klingt, vitale bzw. vitalisierte Organe von "Leichenspendern" im NAW/RTW mit Blaulicht transportiert werden und nicht in schwarzen Fahrzeugen mit Milchglasscheiben?
• Wenn bei Säuglingen und Kleinkindern bzw. differenziert bei Erwachsenen auch nur einmal "die Untersuchungszeiten nicht korrekt eingehalten worden" sind, welche "Flüchtigkeitsfehler" werden dann noch ans Tageslicht kommen?
• Wenn einmal eines der vier Hirntodprotokolle gefehlt haben soll, wie oft soll das denn noch passieren?
• Wenn die Prüfung des Atemstillstands, der Lichtstarre beider Pupillen und weitere neurologisch definierte Befundkriterien verpflichtend sind (Ziffer 2. ff. der BÄK-Richtlinie von 1997), warum musste dann im Sommer 2012 betont werden, dass "die Überprüfung des Atemantriebs zum Nachweis aller Ausfallsbefunde des Gehirns unerlässlich" sei?
• Wenn eine interne DSO-Studie 2006 publiziert wurde, wonach das regionale DSO-Team für Niedersachsen (Region Nord) in 21 von rund 50 Fällen die Hirntoddiagnostik nicht sicher reproduzieren konnte [Dtsch Arztebl 2006; 103(19): A-1270], warum hat die DSO bis heute nicht konsequent reagiert?
• Wenn die BÄK-Richtlinie (Bundesärztekammer) zur Hirntod-Diagnostik von 1997 stammt [Dtsch Arztebl 1997; 94(19): A-1296 / B-1103 / C-1031], also nunmehr 17 Jahre alt ist, und derzeit überarbeitet wird, wieso hat BÄK-Chef Prof. h. c. (HH) und Kollege Frank-Ulrich Montgomery sich nicht unmittelbar nach den bekannt gewordenen Transplantationsskandalen um Aktualisierung bemüht?
• Ist der DSO denn nicht bekannt, dass international bereits ein „Non Heart Beating Donor“-Organspenderkonzept diskutiert wird?

Damit ich nicht missverstanden werde: Ich bin f ü r die Weiterentwicklung der Transplantationsmedizin in Wissenschaft, Forschung und Krankenversorgung, genauso wie für Kritikfähigkeit, Transparenz, Verantwortung, Öffentlichkeit und Kontrolle! Aber nach den aufgedeckten Skandalen, Manipulationen und hier vorliegenden Ungereimtheiten bin ich in meinem Glauben an die Medizin und an den möglichen medizinischen Fortschritt im Sinne der Verbesserung der "conditio humana" nachhaltig erschüttert und enttäuscht. Das m u s s jetzt endlich besser werden!
Und wann werden die hohen Herrschaften bei der DSO i n h a l t l i c h darüber nachdenken wollen, wie optimale bio-psycho-soziale Rahmenbedingungen für a l l e diejenigen geschaffen werden können, die in Intensivpflege, im OP und ärztlichen Dienst, in der Technik/Logistik bei Explantation, Transplantation und Implantation einerseits den endgültigen Sterbeprozess bei hirntoten Organspendern aufhalten, andererseits bei Organempfängern unter dem Druck enger Zeitfenster, drohendem Transplantatversagen und möglichen intraoperativen Komplikationen medizinische Maximalversorgung in der Transplantationschirurgie sicherstellen sollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

vgl. auf Schätzlers Schafott: "Transplantation - Organ(isations)-Versagen!"
http://www.springermedizin.de/organisations-versagen/4963928.html
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