Medizin

Demenz: Citalopram vermindert Agitation und kognitive Fähigkeiten

Mittwoch, 19. Februar 2014

Rochester/New York – Die psychomotorische Unruhe, die die Betreuung von Demenz­patienten häufig erschwert, wurde in einer randomisierten klinischen Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 311: 682-691) durch das Antidepressivum Citalopram vermindert. Die Behandlung verschlechterte allerdings auch die kognitiven Fähigkeiten der Patienten und ging mit einer Verlängerung des QTc-Intervalls einher, was auf kardiale Risiken hinweist.

Viele Demenzpatienten leiden unter einer psychomotorischen Unruhe, die sich in einem gesteigerten Bewegungsdrang, aber auch in aggressivem Verhalten äußert. Diese „Agitation“ erschwert die Betreuung durch Angehörige. In Pflegeheimen ist sie häufig Anlass zur Verordnung von Antipsychotika, deren Effektivität allerdings umstritten ist und deren Sicherheit kürzlich durch Studien infrage gestellt wurde, in denen die Anwendung mit einem erhöhten Sterberisiko der Patienten assoziiert war.

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Als Alternative wird seit neuestem die Behandlung mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram diskutiert, dem in den USA bei älteren Patienten am häufigsten eingesetzten Antidepressivum. Die „Citalopram for Agitation in Alzheimer's Disease“ oder CitAD-Studie hat die Wirkung an 186 Demenzpatienten (MMSE 5 bis 28) untersucht, denen im Neuropsychiatric Inventory eine klinisch relevante Agitation oder Aggression bescheinigt wurde.

Die Patienten wurden neben einer psychosozialen Intervention über 9 Wochen entweder mit Citalopram oder mit Placebo behandelt. Die Citaloprambehandlung wurde mit der Tagesdosis von 10 mg begonnen. Sie wurde in den ersten drei Wochen, soweit verträglich, auf 30 mg/die gesteigert.

Wie Anton Porsteinsson vom University of Rochester Medical Center und Mitarbeiter berichten, kam es unter der Therapie mit Citalopram bei 40 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Besserung der Agitiertheit, während dies im Placebo-Arm nur bei 26 Prozent der Fall war. Als Maßstand dienten zwei häufig verwendete Instrumente zur Bewertung der neuropsychiatrischen Symptome: die Neurobehavioral Rating Scale (NBRS-A) und die modifizierte Alzheimer Disease Cooperative Study-Clinical Global Impression of Change (mADCS-CGIC).

Citalopram verstärkt kognitiven Verfall
Das Team musste allerdings feststellen, dass Citalopram den kognitiven Verfall der Patienten beschleunigte. Der Unterschied im MMSE betrug am Ende der neunwöchigen Therapiephase 1,05 Punkte. Nachdem die US-Arzneibehörde FDA in einer Drug Safety Communication vor einer möglichen Verlängerung des QTc-Intervalls unter der Therapie mit Citalopram gewarnt hatte, wurden EKG-Untersuchungen eingeführt.

Wie in den Studien der FDA kam es auch unter den Teilnehmern der CitAD-Studie zu einer Verlängerung des QTc-Intervalls. Sie betrug im Durchschnitt 18,1 Millisekunden (ms) und war damit länger als in den Untersuchungen der FDA bei vergleichbarer Dosis. Dies könnte an der langsameren Elimination von Citalopram im Alter liegen.

Die FDA hat mittlerweile die Tagesdosis für Patienten über 60 Jahre auf 20mg/die begrenzt. Die Studienleitung beschloss, die Studie in der höheren Dosis fortzusetzen, die Therapie aber bei Patienten mit einem Anstieg des QTc-Intervalls auf über 450 ms (bei Männern) und 475 ms (bei Frauen) abzubrechen. Dies wurde bei 3 von 24 mit Citalo­pram behandelten Patienten (und 1 von 24 Patienten im Placebo-Arm) notwendig. Die Vorsicht war geboten, da eine Verlängerung des QTc-Intervalls eine tödliche ventrikuläre Tachyarrhythmie auslösen kann. © rme/aerzteblatt.de

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rechtenwald
am Donnerstag, 20. Februar 2014, 10:42

Passt das zusammen?

Ein aktivierendes Antidepressivum welches gleichzeitig Agitation vermindert. Letzteres sollte ja im Rahmen dieser Studie nachgewiesen werden.
Mit Erfolg.
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