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Antes: Forschungsgelder in Milliardenhöhe werden verschwendet

Donnerstag, 20. Februar 2014

Berlin – Der Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums (DCZ), Gerd Antes, hat kritisiert, dass die Ergebnisse unzähliger Studien nicht veröffentlicht würden. „50 Prozent von dem, was in der  Forschung begonnen wird, kommt nicht in der Versorgung an“, sagte Antes beim Parlamentarischen Abend der Deutschen Gesellschaft für Urologie gestern Abend in Berlin. Etwa die Hälfte der 820 Milliarden Dollar, die jährlich weltweit in die Forschung investiert würden, werde dadurch verschwendet. „Das ist eine Katas­trophe“, betonte Antes und forderte, dass Studienprotokolle sofort veröffentlicht werden müssten, damit unliebsame Studienergebnisse nicht verschwinden könnten.

Das Fachjournal The Lancet hatte dem Thema im Januar einen umfangreichen Sonderband "Verbesserungsmoeglichkeiten und Defizite in der Gesundheitsforschung" gewidmet.

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Der DCZ-Direktor kritisierte zudem, dass in Deutschland fast keine relevanten Studien durchgeführt würden. Außerdem würden solche Studien fast alle in englischer Sprache publiziert: „In Deutschland haben wir eine totale Abhängigkeit von ausländischen Quellen.“ Dabei läsen 80 Prozent der deutschen Ärzte ungern englische Texte.  

Wenn eine Studie in englischer Sprache veröffentlicht werde, komme ihr Inhalte bei deutschen Ärzten vielfach nicht an, sagte auch Bernd Wullich vom Vorstand der DGU. Zudem entstünden durch die Sprachbarriere Wissensverluste. Wenn andererseits Studien nicht auf Englisch publiziert würden, würden ihre Ergebnisse kaum wahrge­nommen.

„Zwischen 2000 und 2010 wurde nur ein Prozent aller Publikationen zum Prostatakrebs in deutscher Sprache veröffentlicht“, erklärte Wullich. „Das liegt aber nicht daran, dass in Deutschland keine Studien zu diesem Thema durchgeführt wurden, sondern daran, dass sie nicht veröffentlicht wurden.“  

Um den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis zu verbessern, hat die DGU in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit dem DCZ das urologische Studien­register sowie das Zentrum UroEvidence gegründet. In ersterem werden in Deutschland durchgeführte klinische Studien erfasst. „Hier können sich Urologen schnell einen Überblick darüber verschaffen, welche Studien zurzeit laufen“, sagte Wullich.

In letzterem würden, um der Flut von wissenschaftlichen Informationen zu begegnen, anhand einer Literaturrecherche systematische Übersichtsarbeiten zu konkreten klinischen Fragestellungen erstellt. Urologen oder Selbsthilfeorganisationen könnten sich mit Anfragen an das Zentrum wenden. Zudem würden Bereiche identifiziert, in denen offenen Fragen beantwortet und Studien durchgeführt werden müssten. © fos/aerzteblatt.de

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