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Demenz: Pflegende Angehörige benötigen Beratung durch Facharzt

Mittwoch, 26. Februar 2014

Berlin – Pflegende Angehörige von Demenzpatienten benötigen besonders viel Beratung und Zuwendung. Darauf hat der Spitzenverband ZNS (SPiZ) hingewiesen. „Typischer­weise sind pflegende Angehörige von Demenzpatienten sehr belastet und haben einen besonders hohen Informationsbedarf“, erläutert der Vorsitzende des SPiZ, Frank Bergmann. Plötzliche Verschlechterungen der Erkrankten wie akute Unruhe, Weglauf­tendenz zum Beispiel in der Nacht oder aggressive Verhaltensweisen erforderten wiederholte zum Teil kurzfristige Beratungen.

„Hier kommen schnell insgesamt einige Stunden zusammen“, so Bergmann. Neben den medizinischen Aspekten gehe es auch darum, die Angehörigen im Umgang mit den Erkrankten zu schulen, um Juristisches wie Autofahren, Vorsorgevollmacht, gesetzliche Betreuung sowie um entlastende soziale Hilfen. Außerdem sollte der Arzt das Befinden der Pflegenden mit im Auge haben. „Es handelt sich ja zumeist um betagte Angehörige, die plötzlich rund um die Uhr eingespannt werden“, betonte der SPiZ-Vorsitzende.

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Zwei Drittel der Demenzpatienten werden von Angehörigen gepflegt
Laut dem Verband werden rund zwei Drittel der Demenzpatienten zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Diese trauern um den Verlust eines Gegenübers auf Augenhöhe und müssen gleichzeitig anstrengende Pflege leisten. 60 Prozent der Pflegenden leiden daher unter Rückenschmerzen, 20 Prozent unter gedrückter Stimmung oder Depression und 25 Prozent unter Schlafstörungen. Nicht selten komme es zu psychosomatischen Erkrankungen oder Bewältigungsversuchen mit Psychopharmaka oder Alkohol.

Der Arzt ist ein wichtiger Ansprechpartner für die pflegenden Angehörigen. „Dabei reicht ein kurzes Gespräch meist nicht aus, damit die Angehörigen sich öffnen, zumal sie oft ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie vorübergehend ihr eigenes Befinden in den Vordergrund stellen. Wir müssen ihnen die Zeit für ein längeres Gespräch einräumen. Nur so kann sprechende Medizin funktionieren. Auch manche Operation dauert ja länger als eine Stunde“, so Bergmann.

Besonders schwierig werde es für die Angehörigen, wenn die Patienten im Verlauf der Demenz Unruhe oder Aggressionen entwickelten. Dann steige neben dem Behand­lungsbedarf der Patienten auch der Beratungsbedarf und der Stress der Angehörigen deutlich.

Externe Hilfen auf Dauer unabdingbar
Diese Belastung können Pflegende auf Dauer nur bewältigen, wenn sie externe Hilfen in Anspruch nehmen. Allerdings kennen sie die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten meist nicht. Hier sind sie auf die qualifizierte Beratung durch den Facharzt angewiesen. Dann könnten Hilfsangebote wie die Beantragung einer Pflegestufe, die Einrichtung eines häuslichen Pflegedienstes, vielleicht die tageweise Unterbringung der Patienten in einer Tagespflege oder die Einbindung ehrenamtlicher Kräfte die Angehörigen sehr entlasten.

„Um diese intensive Beratung realisieren zu können, brauchen Neurologen, Nervenärzte und Psychiater einen ökonomischen Ausgleich“, stellt Bergmann fest. Zwar sehe der Einheitliche Bewertungsmaßstab Ziffern für die Angehörigenbetreuung vor, in der Abrechnungswirklichkeit erhalte der Arzt für die Patientenbetreuung und die Angehöri­genbetreuung zusammen aber eine Pauschale von rund 44 Euro für drei Monate.

„Das genügt nicht einmal für die Patientenversorgung. Weil die Angehörigenbetreuung mit in dieser Pauschale enthalten ist, wird sie in der Regel de facto gar nicht vergütet“, kritisiert Bergmann. Seine Forderung: „Qualifizierte Beratungsleistungen sollten ange­messen als Einzelleistung vergütet werden!“

© hil/aerzteblatt.de

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