Medizin

Passivrauchen in der Wohnung schadet Blutgefäßen der Kinder

Mittwoch, 5. März 2014

Hobart – Wenn beide Eltern zuhause rauchen, kommt es bei den Kindern zu einer beschleunigten Atherosklerose, was in zwei Kohortenstudien im European Heart Journal (2014 doi: 10.1093/eurheartj/ehu049) an einer stärkeren Zunahme der sonographisch bestimmten Intima-Media-Dicke der Halsschlagader erkennbar war.

Die Intima-Media-Dicke, die leicht mit einem Ultraschallgerät bestimmt werden kann, gilt als wichtiger Maßstab für die Atherosklerose. Sie wurde beispielsweise im Diabetes Controls and Complications Trial (DCCT) eingesetzt, um die günstigen Auswirkungen der intensiven Insulintherapie beim Typ 1-Diabetes auf die Makroangiopathie zu belegen.

Anzeige

Der Unterschied nach sechs Jahren betrug 0,013 Millimeter. In der METEOR-Studie konnte gezeigt werden, dass die Behandlung mit Rosuvastatin das Fortschreiten der Atherosklerose bei Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten begrenzt. Der Unterschied zum Placebo-Arm betrug 0,014 Millimeter pro Jahr. DCCT und METEOR waren rando­misierte Interventionsstudien, die zur Frage der Auswirkungen des Passivrauchens wohl niemals durchgeführt werden.

Die prospektive Beobachtungsstudie von Seana Gall, Universität von Tasmanien, und Mitarbeitern zeigt jedoch, dass der Verzicht auf das Rauchen in der eigenen Wohnung ähnlich günstige Auswirkungen auf die Blutgefäße hat wie eine medikamentöse Thera­pie. Anders als bei der medikamentösen Therapie könnten aber auch andere Menschen davon profitieren, hier die eigenen Kinder.

Gall konnte die Daten von zwei Longitudinalstudien auswerten. Es handelt sich einmal um die Cardiovascular Risk in Young Finns Study, die eine Gruppe von 2.401 Kindern seit den 1980er Jahren begleitet. Die zweite Kohorte umfasst 8.498 Personen, die 1985 in Australien als Schulkinder an einer Umfrage zur Gesundheit und Fitness (CDAH) teilgenommen hatten.

In beiden Studien war der Raucherstatus der Eltern abgefragt worden und in beiden Studien wurden später Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagader durchgeführt. Gall ermittelte einen Unterschied von 0,015 Millimetern zwischen den Kindern, deren beide Elternteile geraucht hatten und jenen Kindern, wo Vater und Mutter Nichtraucher waren.

Die Differenz kann sich mit den Auswirkungen der beiden klinischen Studien vergleichen, auch wenn die Nachbeobachtungszeit mit über 20 Jahren bedeutend länger war. Ein Effekt war jedoch erkennbar (wenn auch nur für die Kinder, bei denen beide Eltern geraucht hatten, nicht aber die Gruppe, bei der nur ein Elternteil geraucht hatte).

Nach den Berechnungen von Gall könnte die intensive Passivraucherfahrung der Kinder das Gefäßalter um 3,3 Jahre beschleunigt haben. Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich nicht ganz ausschließen, dass andere Faktoren den Grund für den schlechteren Zustand der Blutgefäße bei Kindern von Rauchern erklären, auch wenn die große Teilnehmerzahl und die intensiven Befragungen einige mögliche „Confounder“ wie Erziehung, Rauchen der Kinder, körperliche Aktivität, Body-Mass-Index, Alkoholkonsum sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck und Cholesterin ausschließen können. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

13.01.17
Einnahmen aus der Tabaksteuer gesunken
Wiesbaden – Der Fiskus hat nach der Einführung von Schockbildern und größeren Warnhinweisen auf den Packungen für Zigaretten und andere Tabakwaren im vergangenen Jahr weniger an den Rauchern verdient.......
13.01.17
Tokio – Japan will seinen Ruf als eines der letzten Raucherparadiese der Erde bis zu den Olympischen Spielen 2020 loswerden. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo heute berichtete, plant das......
10.01.17
Genf – Tabakkonsum schadet der Weltwirtschaft enorm. Das geht aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Nationalen Krebsinstitut der USA hervor. Raucher und Tabakkauer kosten die......
02.01.17
Potsdam – Die Zahl der Raucher in Brandenburg ist in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Dabei haben Männer eher auf Tabakkonsum verzichtet als Frauen. Das teilte das Brandenburger......
30.12.16
Berlin – Für viele Menschen gehört der Genuss von Alkohol an den Feiertagen und am Silvesterabend traditionell dazu. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, appelliert an......
20.12.16
Raucherentwöhnung: FDA schwächt Warnungen für Vareniclin und Bupropion ab
Silver Spring – Die Gefahr, dass die Medikamente Vareniclin (Champix) und Bupropion (Zyban), die Rauchern bei der Entwöhnung helfen sollen, schwere Stimmungsschwankungen beziehungsweise Verhaltens-......
19.12.16
Tabakprävention: 22 Millionen Todesfälle wurden verhindert
Washington – Maßnahmen zur Bekämpfung des Tabakkonsums haben sich als erfolgreich erwiesen. Sie veranlassten zwischen den Jahren 2008 und 2014 mehr als 53 Millionen Menschen in 88 Ländern dazu, mit......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige