Politik

Kauder: Sterbehilfegesetz kommt im Herbst

Freitag, 7. März 2014

Berlin – Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat erstmals einen konkreten Zeitplan für die Einbringung und Verabschiedung eines neuen Sterbehilfegesetzes genannt. Mit dem Gesetz soll nicht nur die auf Gewinn ausgerichtete Beihilfe zum Suizid, sondern jegliche organisierte Form der Beihilfe zur Selbsttötung verboten werden.

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Der Bild-Zeitung vom Samstag sagte Kauder: „Wir streben in diesem Jahr ein Gesetz zum Verbot der organisierten kommerziellen Sterbehilfe an. Dazu wird es nach der Sommerpause eine Anhörung im Bundestag geben. Dann wird es zu Gruppenanträgen kommen. Mit einer Abstimmung rechne ich für den Spätherbst.“ Die Abstimmung im Herbst soll vom Fraktionszwang freigestellt werden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte die Ankündigung. „Jährlich über 150 organisiert angebotene Selbsttötungsbegleitungen verlangen ein gesetzgeberisches Handeln“, erklärte Vorstand Eugen Brysch. Es gebe kein Recht auf Tötung oder Selbsttötung. Brysch zeigte sich zuversichtlich, dass ein entsprechendes Gesetz eine Mehrheit finden werde.

Die schwarz-gelbe Koalition aus Union und FDP hatte sich vor einigen Jahren nicht auf eine Neuregelung der Sterbehilfe einigen können. Die damalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wollte lediglich die auf Gewinn ausgerichtete Suizidbeihilfe verbieten. © kna/aerzteblatt.de

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Senbuddy
am Freitag, 21. März 2014, 13:41

Genau das meine ich....

...wenn ich mir u.g. Kommentare zur Sterbehilfe ansehe:

Da wird Töten sogar als "Liebesbeweis" dargestellt und auch noch der "eigene Schmerz" dabei besonders herausgestellt. Und dann wird das Ganze sogar mit dem Töten eines Hundes verglichen. Man lernt: Je gefühlsduseliger die Ansichten, desto verworrener:

Töten von Hunden ist eine Sachbeschädigung - nicht nur juristisch, für die meisten Menschen auch ethisch. Mit dem Töten von Menschen hat das jedoch gar nichts zu tun, unter keinem der beiden Aspekte. Und besonders die Schmerz- oder "Liebes"-Gefühle von Tötenden sind bei solchen Tötungen völlig ohne Relevanz. Ein Mord bleibt ja auch stets ein Mord, egal welche verworrenen oder geradlinigen Gefühle der Mörder dabei gehabt hat.

Solche Beipiele taugen also bestenfalls nur für die (bestimmt oft auch) scheinheilige "Aura des Edlen und Guten", mit der man sich in Befürworterkreisen so gern umgibt.

Aber warum ist das Ganze so ? Warum dieses Edel-und-Würde-Getue ?
Vermutlich wird gerade dieses Töten so verherrlicht, weil man damit von der eigentlichen Banalität und Härte von ansonsten stets als moralisch verwerflich angesehenen Tötungsakten (Krieg, Totschlag usw.) ablenken möchte.

Aber das ist wohl eine Strömung der Zeit. So wie es Zeiten gegeben hat, wo z.B. das Töten im Krieg als edel und würdevoll verherrlicht wurde. Man kann nur hoffen, dass der aktuell aufgekommene "Hype" wieder abflaut und dass auch diese Verwirrung wieder als das gesehen wird, was sie ist: Eine Art des Tötens...

Viele Grüße
S.
tanjatotal2002
am Montag, 10. März 2014, 10:50

@Senbuddy und an Irmina:

@Senbuddy:
Selbsttötung kann sehr wohl würdevoll sein, denn es ist der eigene Wille des Menschen! Und genau dieses Recht auf Sterbehilfe (Selbsttötung mit Hilfe) wird uns Menschen von irgendwelchen Leuten verboten.
Mein Haustier, welches aufgrund einer Erkrankung/eines Unfalls leidet, kann ich von seinen Schmerzen erlösen. Dies ist der allergrößten Liebesbeweis, den ich meinem geliebten Tier erweisen kann und wenn es noch so schmerzhaft für mich selber ist! Das Tier weiter leiden zu lassen wäre purer Egoismus.
Und du hältst es also für "edel", wenn du deinen geliebten Menschen/Angehörigen leiden, seine Schmerzen unnötigerweise weiter aushalten lässt?
Du lässt also deinen geliebten nächsten Angehörigen lieber edel weiter leiden? Ich bin fassungslos!

@Irmina:
Vor deinem Beruf habe ich die allerhöchste Hochachtung, vor allem weil du und deine Kollegen so viel Leid mit ansehen müsst!
Unfassbar, dass der Mensch euch um Essen anfleht und ihr ihm aufgrund einer Verfügung, die derjenige vielleicht vor Jahren unwissend verfasst hat, ihr ihn verhungern lassen müsst.
Kommt denn da keiner auf die Idee, ich meine jetzt den "Bevollmächtigten", dass der Mensch doch am Leben hängt und weiterleben möchte?
Wie gesagt: Hochachtung vor diesem Beruf!!

Ich habe Multiple Sklerose und ich möchte selber entscheiden, wann ich nicht mehr weiterleben will bzw. diese Erkrankung weiter aushalten kann!
Hoffentlich ändert sich die Gesetzeslage doch noch in Deutschland …!
Senbuddy
am Sonntag, 9. März 2014, 08:49

Würdevoll ?

@Irmina: Wie kann Selbsttötung - egal ob mit oder ohne Hilfe - "würdevoll" sein ?
So etwas kann ich beim besten Willen nicht verstehen.

Es ist bemerkenswert, dass Begriffe, die von den Befürwortern der Sterbehilfe verwendet werden, oft so edel, freundlich und gut klingen. Während das doch wohl viel "edlere" (wiel viel mehr Kraft und Stärke verlangende) Weiterleben trotz Schmerz und Leid von den gleichen "wohlmeinenden Helfern" als etwas unwürdiges und schlechtes dargestellt wird.

Eine völlig verdrehte Weltsicht. Und das in so einem Beruf...
Viele Grüße
S.
Irmina
am Samstag, 8. März 2014, 13:47

Kein Recht auf ein würdevolles Ende???

Ich bin erschüttert über solche Aussagen wie "es gibt kein Recht auf "Selbsttötung".Und dies sage ich als leidenschaftliche Altenpflegerin in der Palliativpflege,dort wo der Tod unmittelbar vor der Tür steht und manches Mal viel zu lang auf sich warten lässt und damit unnötiges Leid verursacht.Was hat es mit unantastbarer Menschenwürde zu tun,wenn ein Mensch zb 2-3 Wochen lang stirbt??In dem er verhungert?Weil er eine Verfügung hat die künstliche Ernährung ausdrücklich ablehnt...Ist das würdevoll?Wenn der Mensch uns Pflegekräfte um Essen bittet,wir dem aber nicht nachgeben dürfen weil es die Verfügung und die Bevollmächtigten nicht erlauben?Die Politik und angebliche Humanisten leben in einer Welt,weit fernab von der oftmals qualvollen Realität!Unteranderem weil es Deutschland nach fast 70 Jahren immer noch nicht gelungen ist,das Holocaust-Trauma hinter sich zu lassen.Ein todkranker Mensch hat das Recht,selbst zu entscheiden ob er leiden will oder nicht!Alles andere ist Menschenunwürdig!!!!
tanjatotal2002
am Samstag, 8. März 2014, 13:13

Falscher Titel?

Als ich den Titel und den dazugehörigen Artikel las, dachte ich nur, dass es sich hier um eine Verwechslung handeln kann. Der Titel, dass ein Sterbehilfegesetz im Herbst kommen wird, hat doch überhaupt gar nichts damit zu tun -meiner Meinung nach-, dass ein Gesetz bzgl. der kommerziellen Suizidbegleitungen im Herbst gekippt wird!

Sehe ich alleine das so?
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