Medizin

Rauchstopp mit Nikotinpflaster bei Schwangeren in Studie ineffektiv

Mittwoch, 12. März 2014

Paris – Die Tabaksucht ist oft stärker als alle guten Vorsätze. In einer randomisierten klinischen Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g1622) schafften es die meisten Schwangeren trotz Unterstützung von Nikotinpflastern nicht, sich und das Kind vor den Folgen des Rauchens zu schützen.

Schwangere gefährden durch das Rauchen nachhaltig die Gesundheit ihres ungebore­nen Kindes. Neben der Gefahr von intrauterinen Wachstumstörungen haben neuere Studien auch auf mögliche Spätwirkungen hingewiesen: Dazu gehört ein erhöhtes Risiko, im Kindesalter an Asthma zu erkranken (Pediatrics. 2012 Apr;129(4):735-44), als Jugendlicher anfälliger für psychiatrische Erkrankungen zu sein (Arch Gen Psychiatry 2010; 67: 841-849) und später selbst nikotinabhängig zu werden (Am J Psychiatry 2003; 160: 1978–1984).

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Auch wenn diese Risiken den Frauen, die in der Schwangerschaft rauchen, in der Regel nicht bekannt sind, dürften die meisten doch instinktiv spüren, dass das Rauchen dem Ungeborenen schaden könnte.

Die Schwangerschaft gilt deshalb als gute Gelegenheit, um mit dem Rauchen aufzu­hören. Nikotinersatztherapien werden als unterstützende Maßnahme empfohlen. Die Effektivität ist jedoch umstritten und eine Meta-Analyse der Cochrane Collaboration kam jüngst zu dem Ergebnis, dass eine Wirkung nicht belegt ist (Cochrane Database Syst Rev. 2012; 9: CD010078). Jetzt kann auch eine vom französischen Gesundheitsminis­terium finanzierte randomisierte Studie keine Wirkung feststellen.

Relativ hohe Dosierung
Dabei hatten Ivan Berlin vom Hôpital Pitié-Salpêtrière in Paris und Mitarbeiter die Nikotin­ersatztherapie relativ hoch dosiert. Während frühere Studien in der Regel nur bis zu 15 mg Nikotin verabreichten, erhielten die Schwangeren in der Studie bis zu 30mg, wobei die Dosis nach den Cotinin-Konzentrationen im Speichel vor Studienbeginn titriert wurde. Die Dauer der Nikotinersatztherapie war nicht wie in früheren Studien auf maximal 8 Wochen beschränkt. Die Frauen konnten die Nikotinpflaster bis zur Geburt anwenden. Alle Frauen erhielten außerdem eine unterstützende Beratung.

Dennoch gelang es nicht, die Abstinenzrate zu steigern. Von den 203 Frauen, die der Nikotinersatztherapie zugelost wurden, schafften es nur 11 (5,5 Prozent) bis zur Entbin­dung abstinent zu bleiben. Im Vergleichsarm, in dem die Pflaster kein Nikotin enthielten, waren es nur 10 von 199 Schwangeren (5,1 Prozent). Die meisten Schwangeren wurden schon früh rückfällig.

Die durchschnittliche Abstinenzdauer betrug in beiden Gruppen nur 15 Tage. Immerhin schafften es 42 Prozent der Frauen mit Nikotinersatz und 37 Prozent ohne Nikotinersatz, die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten um wenigstens 50 Prozent zu senken. Auch die Unterschiede im Geburtsgewicht waren nicht sehr groß. Die Kinder im Interven­tionsarm wogen mit im Durchschnitt 3.065 Gramm nur etwas mehr als im Placebo-Arm (3015 Gramm). Bei den wenigen Frauen, die komplett auf Rauchen verzichteten, war das Geburtsgewicht mit 3.364 Gramm deutlich höher.

Zu den enttäuschenden Ergebnissen der Studie gehört, dass die hochdosierte Nikotiner­satztherapie mit einem Anstieg des diastolischen Blutdrucks um 8 mm Hg verbunden war – ein durchaus klinisch relevanter Unterschied. Berlin rät deshalb den Schwangeren, die sich für die Nikotinersatztherapie entscheiden, regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren. © rme/aerzteblatt.de

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