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Meist übernehmen Töchter die häusliche Pflege der Eltern

Dienstag, 18. März 2014

Berlin – Geschwister pflegen ihre Eltern, wenn diese alt und hilfsbedürftig werden, nicht in gleichem Umfang: In drei Viertel der Fälle übernimmt ein einzelnes Kind die Pflege. Die Mütter werden dabei in erster Linie von den Töchtern gepflegt. Söhne sind nach wie vor seltener bereit, die Pflegearbeit allein zu leisten. Zu diesem Ergebnis Marcel Raab vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH.

Die Studie konzentriert sich auf zeitintensive Pflegetätigkeiten. Die Kinder, die diese intensive Pflege übernehmen, reduzieren häufig ihre Arbeitszeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit sogar vollständig. Wenn die Eltern das erste Mal Pflege von ihren Kindern erhalten, sind sie durchschnittlich 77 Jahre alt. Die erwachsenen Kinder sind zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 49 Jahre alt.

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Die Forscher werteten Daten der amerikanischen „Health and Retirement Study“ für die Jahre 1998 bis 2008 aus. Die Ergebnisse basieren auf Daten zu 2.452 Eltern-Kind-Paaren aus 641 Familien. „Für Deutschland fehlen bisher entsprechende Daten, um die Übernahme der Pflege innerhalb einer Familie im zeitlichen Verlauf zu untersuchen“, so die Wissenschaftler.

Eine entscheidende Rolle spielt die räumliche Entfernung. Geschwister, die in der Nähe der Eltern wohnen, haben nach den Berechnungen der Forscher eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, ihre Eltern zu pflegen wie ihre Geschwister, die weiter von diesen entfernt leben. Für Kinder, die mit ihren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt wohnen, vervierfacht sich die Wahrscheinlichkeit nahezu. Für Erstgeborene ist statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, die Pflege ihrer Eltern zu übernehmen, fast doppelt so hoch wie für ihre jüngeren Geschwister.

Zudem beeinflussen die Erwartungen der Eltern das Verhalten der Geschwister. Kinder, die von ihren Eltern vor dem Pflegeeintritt als potenzielle Pflegepersonen genannt wurden, haben eine dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit, die Eltern zu pflegen, wie ihre nicht genannten Geschwister. Einen Unterschied macht auch, ob Geschwister finanzielle Unterstützung von ihren Eltern erfahren haben oder erwarten. Für Kinder, die im Gegensatz zu ihren Geschwistern im Testament berücksichtigt sind, verfünffacht sich statistisch die Wahrscheinlichkeit, die Eltern zu pflegen. © hil/aerzteblatt.de

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