Medizin

3.200 Jahre alte Knochenmetastasen

Dienstag, 18. März 2014

Durham – Ein vor 3.200 Jahren im Sudan gestorbener Mann könnte der bislang früheste gesicherte Fall einer metastasierten Krebserkrankung sein. Darauf deuten zahlreiche Knochenläsionen hin, die Archäologen in PLoS ONE (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0090924) beschreiben.

Das Skelett war im Februar 2013 in einem Grab in Amara West am Nil 750 km flussab­wärts von Khartum gefunden worden. Es gehörte einem 20 bis 35 Jahre alten Mann, der um 1.200 vor Chr. gestorben ist. In den Wirbelkörpern, Rippen, Brustbein, Schlüssel­beinen, Schulterblättern, Becken sowie den Köpfen von Oberarm und Oberschenkel­knochen fielen der Archäologin Michaela Binder von der Universität Durham sofort zahlreiche 5 bis 25 Millimeter große Löcher auf. Konservatoren des Britischen Museums deuten sie als osteolytische Knochenmetastasen.

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Ein postmortaler Insektenfraß schied aus, da viele Läsionen sich in der Tiefe erweitern. Gegen eine Pilzerkrankung sprach, dass die Läsionen nicht gleichmäßig über den Knochen verteilt sind. An einigen Stellen fanden sich Zonen einer Knochenneubildung, die bei systemischen Pilzinfektionen nicht auftreten, schreibt Binder. Ein multiples Myelom kommt ihrer Ansicht ebenfalls nicht als Diagnose infrage, da diese Knochentumore kleinere Läsionen hinterlassen.

Der Ursprung des Tumors kann nicht geklärt werden, da keine Weichteile erhalten sind. Binder vermutet, dass der Mann infolge einer Schistosomiasis an einem Blasen- oder Brustkrebs erkrankt sein könnte. Die Bilharziose ist auch heute noch eine häufige parasitäre Erkrankung am unteren Nil. Auch Umweltverschmutzung kommt als Krebsursache infrage.

Die ausgegrabenen Häuser verfügten über Holzöfen zum Heizen oder zum Brotbacken, die Räume hatten jedoch weder Schornsteine noch Fenster, so dass die Bewohner erheblichen Belastungen durch Rauch und Ruß ausgesetzt waren. Auch eine genetische Ursache der Krebserkrankung kann natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Krebserkrankungen sind keinesfalls ein Phänomen des modernen Industriezeitalters. In den letzten Jahren wurden etwa 200 Fälle in Skeletten und Mumien beschrieben. Der älteste primäre Knochenkrebs wurde nach Auskunft des Britischen Museums bei einem 6.000 Jahre alten Skelett gefunden. Der älteste Fall mit Knochenmetastasen stammt aus der Zeit um 3.000 vor Chr. Die Diagnose sei allerdings umstritten, da nur der Schädel erhalten ist. Der jetzige Fund könnte deshalb der älteste gesicherte Fall einer metastasierten Krebserkrankung sein. © rme/aerzteblatt.de

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