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Neue Gewaltschutzambulanz an der Berliner Charité

Montag, 24. März 2014

Berlin – Die Charité-Universitätsmedizin Berlin hat heute gemeinsam mit der Senats­verwaltung für Justiz und Verbraucherschutz die erste Gewaltschutzambulanz in Berlin vorgestellt. „Wir haben ein niedrigschwelliges Angebot für Opfer von körperlicher Gewalt geschaffen, die nicht direkt die Polizei einschalten wollen“, sagte Michael Tsokos, Ärztlicher Leiter der Gewaltschutzambulanz, bei der Pressekonferenz.

Betroffene von häuslicher Gewalt oder im öffentlichen Raum erlittener Gewalt können ihre Verletzungen dort rechtsmedizinisch untersuchen und gerichtsfest dokumentieren lassen. Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung können sich auch öffentlich-soziale Einrich­tungen an die Ambulanz wenden. Die Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt mit polizeilicher Anzeige findet weiterhin in den Rettungsstellen statt.

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Die Gewaltschutzambulanz arbeitet mit Terminsprechstunden. „Wir machen keine medizi­nische Versorgung der Verletzungen, sondern dokumentieren sie, ohne dass Anzeige erstattet werden muss und bieten ein erstes Hilfegespräch“, sagte Saskia Etzold, die stellvertretende ärztliche Leiterin.

Durch die enge Zusammenarbeit mit der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen und anderen Berliner Netzwerken gegen Gewalt könnten Betroffenen zeitnah konkrete Hilfsangebote unterbreitet werden. Auch werde, wenn erforderlich, der Kontakt zu den Psychotraumaambulanzen der Charité hergestellt.

Die Gewaltschutzambulanz arbeitet bereits seit dem 17. Februar in einem Gebäude der Rechtsmedizin der Charité im Berliner Stadtteil Moabit, in derzeit drei Räumen. „Der größte Teil der Betroffenen sind bislang Frauen, die Gewalt erfahren haben und zum Teil mit sehr schweren Verletzungen zu uns kamen“, berichtet Etzold.

Häufig seien auch die Kinder mit dabei. Die betroffenen Frauen und auch die Kinder hätten in den meisten Fällen auch psychotraumatherapeutische Angebote benötigt. Auch Schutzräume seien für eine gewisse Zeit häufig notwendig. „Besser wäre es, wenn wir alles unter einem Dach hätten, um die Betroffenen nicht durch die ganze Stadt schicken zu müssen“, betonte Tsokos.

Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité, plant deshalb langfristig ein eigenes Gebäude am Campus Virchow, im Stadtteil Wedding, einzurichten, wo die Betroffene alle Hilfsangebote unter einem Dach vorfinden.  Die meisten Gewaltopfer habe die  Rettungsstelle am Virchow-Klinikum.

„Doch die Finanzierung eines solchen Gewaltschutzzentrums kann die Charité nicht aus eigenen Mitteln tragen“, erklärte Frei. Hier seien die Senatsverwaltungen gefordert. Tsokos sieht auch die Krankenkassen in der Pflicht, Gewaltschutzambulanzen finanziell zu unterstützen, denn „Gewalt ist etwas Chronisches und zieht hohe Folgekosten in der Krankenbehandlung nach sich.“

Terminvereinbarung: 030/450 570 270 oder per E-Mail: gewaltschutz-ambulanz@charite.de © pb/aerzteblatt.de

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