Medizin

Abhängigkeit statt Abstinenz: US-Studien warnen vor E-Zigaretten

Dienstag, 25. März 2014

San Francisco – Die Hoffnung, E-Zigaretten könnten Rauchern helfen, auf Zigaretten zu verzichten, ist nach Ansicht von namhaften US-Kritikern nicht belegt. Sie befürchten sogar, dass Jugendliche durch die E-Zigaretten zum Rauchen verführt werden. Doch ihre in Journals der American Medical Association vorgelegten Studien sind nicht stichhaltig.

Stanton Glantz (Jahrgang 1946) ist vermutlich der prominenteste Aktivist der Nicht­raucher­bewegung in den USA. Seit 1978 bekämpft Glantz die Tabakindustrie, er warnte früh vor den Gefahren des Passivrauchens und setzte sich für Rauchverbote in öffent­lichen Gebäuden und Plätzen ein. Seit 1989 leitet Glantz das Center for Tobacco Control Research and Education an der Universität von Kalifornien in San Francisco.

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Dort beschäftigen sich die Forscher seit einiger Zeit mit den Auswirkungen der E-Ziga­retten, mit denen Raucher Nikotin ohne die schädlichen Verbrennungsprodukte von Tabakblättern inhalieren können. Die Hersteller behaupten, dass E-Zigaretten ähnlich wie die Nikotinpflaster als Nikotinersatztherapie eingesetzt werden können, um Rauchern den Einstieg in die Abstinenz zu erleichtern. Da E-Zigaretten aber nicht als Medikament zugelassen sind, müssen die Hersteller diese Behauptung nicht wissenschaftlich bele­gen.

Eine Online-Umfrage, die Rachel Grana vom Center for Tobacco Control Research and Education durchgeführt hat, lässt Zweifel am medizinischen Nutzen der E-Zigaretten aufkommen. Von den 949 Rauchern gaben 88 zu Beginn der Studie an, auch E-Ziga­retten zu benutzen. Diese waren vor allem bei Frauen, älteren Rauchern und Personen mit geringem Bildungsniveau beliebt.

Bei einer erneuten Nachfrage nach einem Jahr rauchten die Nutzer von E-Zigaretten noch genau so häufig Zigaretten wie die anderen Raucher. Für Grana ist dies ein Hinweis darauf, dass die Werbeaussagen der E-Zigaretten-Hersteller nicht zutreffen. Beweisen kann dies die in JAMA Internal Medicine (2014; doi: 10.1001/jamainternmed.2014.187) veröffentlichte Studie allerdings nicht. Hierzu wären randomisierte klinische Studien notwendig, wie sie für die Zulassung von Medikamenten Pflicht sind. Für E-Zigaretten fehlt dieser Nachweis.

Auch eine andere These von Glantz ist bisher weder belegt noch widerlegt. Die freie Verfügbarkeit von E-Zigaretten könnte Jugendliche zur Nikotinsucht verführen, behauptet er. Später würden sie dann auf die „echten“ Zigaretten wechseln, da diese eine höhere Dosis erlauben.

Tatsächlich zeigt eine Analyse von zwei National Youth Tobacco Surveys, dass die Zahl der US-Teenager, die schon einmal eine E-Zigarette probiert haben, sich innerhalb eines Jahres (2012 gegenüber 2011) verdoppelt (von 3,1 auf 6,5 Prozent) hat und dass ein steigender Teil dieser Jugendlichen gleichzeitig Zigaretten raucht.

Da es sich bei den Teilnehmern der beiden Umfragen nicht um die gleichen Jugendlichen handelte und auch nicht erfragt wurde, ob die Jugendlichen zuerst zur E-Zigarette oder zur Tabakzigarette griffen, ist die Beweiskraft der in JAMA Pediatrics (2014; doi:10.1001/jamapediatrics.2013.5488) publizierten Studie minimal. Sie bekräftigt zwar die gegenwärtigen Sorgen, dass die E-Zigaretten eine neue Form der Nikotinsucht auslösen könnten, beweisen können sie es aber nicht. © rme/aerzteblatt.de

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