Politik

Koalition erwägt deutlich höhere Pflege-Leistungen

Freitag, 28. März 2014

Berlin – Die Koalition erwägt eine deutliche Erhöhung der Leistungen aus der gesetz­lichen Pflegeversicherung. Das zeigt eine Aufstellung des Bundesgesund­heitsminis­teriums zur Pflegereform, die der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vorliegt. Ein weiterer großer Ausgabenblock soll demnach der geplante Vorsorgefonds für die Jahre ab 2035 sein. Doch hinter den Kulissen wird noch um wichtige Details gerungen.

Für eine Anhebung der Pflegeleistungen um vier Prozent ab 2015 veranschlagt das Ministerium 890 Millionen Euro. Allerdings gibt es bei den Regierungspartnern nach dpa-Informationen auch die Überlegung, das Plus zunächst geringer ausfallen zu lassen, um später mehr Geld übrig zu haben.

Anzeige

Die regelmäßige Anhebung der Leistungen wurde mit der Pflegereform 2008 vorgegeben. Alle drei Jahre – erstmals 2014 – hat die Regierung demnach zu prüfen, ob die Leistungen gemäß der Preisentwicklung anzuheben sind. Laut aktuellem Koalitionsvertrag soll der geplante Anstieg des Beitragssatzes Anfang 2015 von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) um 0,3 Punkte auch dafür dienen.

Die zunächst größten Mehrkosten verursacht laut Ministeriumsaufstellung die Einführung des Vorsorgefonds mit 1,2 Milliarden Euro pro Jahr ab 2015. Die Mittel für den von der CDU durchgesetzten Fonds sollen demnach rund 20 Jahre angespart werden. In den folgenden 20 Jahren sollen so die Beiträge stabilisiert werden, wenn geburtenstarke Jahrgänge ins Pflegealter kommen.

Mit 510 Millionen Euro pro Jahr soll eine bessere Betreuung zu Buche schlagen. In Heimen sind neben Fachkräften heute 24. 000 nachträglich qualifizierte Kräfte im Einsatz – etwa für die Beschäftigung mit Demenzkranken. Künftig sollen es 45.000 sein. Auch körperlich Pflegebedürftige sollen besser betreut werden. 290 Millionen Euro soll der geplante Ausbau entsprechender Leistungen für zu Hause Gepflegte kosten.

Von Kosten von bis zu 100 Millionen Euro geht das Ministerium für Lohnersatz bei Pflegeorganisation aus. Wer Pflege daheim organisieren muss, hat bereits Recht auf zehn Tage Auszeit – künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sagte, ein Kernziel der Pläne sei eine unbürokra­tische Entlastung der Pflegenden. „Wir stärken die Pflege zu Hause und bauen im Vorgriff auf den Pflegebedürftigkeitsbegriff die Betreuungsleistungen deutlich aus”, sagte CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. Die Linke-Pflegeexpertin Pia Zimmermann kritisierte, unklar sei, ob das Geld wirklich komplett da ankomme, wo es dringend gebraucht werde.

Angesichts des Mangels an Fachkräften sagte Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU), es sei zu überlegen, die Pflegeausbildung von schulischen Elementen zu entlasten und stärker an der dualen Ausbildung zu orientieren.

Entwurf zur Pflegereform im April
Für April wird ein Entwurf des Ministeriums für die Pflegereform erwartet. Geregelt werden soll darin auch, wie der größere Teil der Reform vorbereitet werden soll: Die heutigen drei Pflegestufen sollen in einer zweiten Reformstufe durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein sollen durch die Einführung eines neuen Pflegebegriffs offiziell pflegebedürftig machen. Profitieren sollen vor allem die immer zahlreicheren Demenzkranken.

Sozialverbände und Opposition zweifeln daran, dass dieses Projekt nach jahrelangen Ankündigungen tatsächlich in wünschenswertem Ausmaß kommt. Der Pflegebe­vollmächtigte der Regierung, Karl-Josef Laumann (CDU), kündigte Mitte der Woche in Hannover erstmals an, der neue Pflegebegriff werde bis zum 1. Januar 2017 umgesetzt. Der Sozialverband VdK warnte dennoch vor der Gefahr, dass durch die geplante erste Reformstufe Mittel gebunden werden, die hierfür dann fehlen. Mit einer Kampagne wirbt der VdK derzeit für eine große Pflegereform. Beim Bundestag reichte er dafür eine Petition ein. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

code5150
am Mittwoch, 9. April 2014, 09:42

Darlehen finanzielle Angebot zu niedrigen Zinsen

Haben Sie schon online auf der Suche nach einem echt und echt Darlehen auszahlen Ihre Rechnungen oder ein Unternehmen gründen eigene? Haben Sie als wiederum, der durch Ihre Bank-oder andere Kreditgeber ist online? Hier ist ein Ort, waren Sie kann Schnell! und einfache Darlehen ohne jede Verzögerung oder Probleme zu bekommen, gelten heute und kontaktieren Sie uns per E-Mail für weitere Informationen und erhalten kapitalgedeckten so schnell wie möglich mit jeder Menge, die Sie heute brauchen als Darlehen
Name:
Adresse:
Land:
Telefonnummer:
Betrag benötigt:
Kreditlaufzeit :
Monatliches Einkommen:
Alter:
Geschlecht:
vivian.ewellfare@msn.com
Heide Helga
am Dienstag, 8. April 2014, 10:00

Mindestpflegepersonalbesetzung

Lange genug wurde geschaut, wieviel Geld ist da und wie verteilen wir das wenige. Das muss sich grundsätzlich ändern: Wieviel Geld brauchen wir und wo bekommen wir es her, muss die Devise sein.
Und vor allem braucht das wenige Pfllegepersonal, das noch da ist, dringend eine personelle Unterstützung, um den Kollaps des Systems zu verhindern: https://www.openpetition.de/petition/online/mindestpflegepersonalbesetzung-in-deutschen-krankenhaeusern
mario-m
am Mittwoch, 2. April 2014, 14:29

Immer noch nicht genug

Die Lücke ist immer noch zu groß: http://www.vergleich-pflegeversicherungen.de/pflegeversicherung-leistungen/ Die Kosten für die Leistungen sind nicht aufbringbar. Aber ein Schritt in die richtige Richtung!
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

02.01.17
Berlin – Nach der erfolgten Anhebung der Beiträge zur Pflegeversicherung zum Januar 2017 sollen diese laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vorerst nicht weiter steigen. Er gehe „auf heutiger......
30.12.16
Berlin – Die Zahl der Menschen, die eine Pflegezusatzversicherung abschließen, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2015 ist die Zahl der privaten Zusatzversicherungen von 2,48 auf......
28.12.16
Berlin/Potsdam – Die Pflege erfährt im kommenden Jahr zahlreiche Neuerungen. In Berlin und Brandenburg kündigten die Gesundheits- und Sozialministerien heute an, sich des Themas weiter anzunehmen.......
16.12.16
Bundesrat beschließt zahlreiche Reformen
Berlin – Der Bundesrat hat heute zahlreiche Reformen rund um die Themen Gesundheit und Soziales gebilligt. Es geht unter anderem um Arzneimittel, Pflege sowie die Teilhabe von behinderten Menschen.......
14.12.16
Gröhe: Reform der Pflegeversicherung ist auf dem Weg
Berlin – Die Bundesregierung sieht die Pflegeversorgung in Deutschland auf einem guten Weg. Das Kabinett hat dazu heute den „Sechsten Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der......
01.12.16
Pflegebedürftige sollen besser beraten werden
Berlin – Pflegebedürftige und Angehörige sollen künftig besser über Möglichkeiten der Pflege beraten werden. Kommunen sollen Beratung verstärkt vermitteln und mit der Altenhilfe und anderen Trägern......
28.10.16
Pflegereform: Das sollten Ärzte und Pfleger jetzt wissen
Berlin – In diesen Tagen bekommen rund 2,8 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland Post von ihrer Pflegekasse. Darin werden sie erfahren, was sich zum 1. Januar 2017 mit der Pflegereform für sie......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige