Politik

Hess fordert schnelle Umsetzung von Transplantations­register

Montag, 31. März 2014

Frankfurt – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hat ihren „Hauptamtlichen Vorstand für Restrukturierung“ Rainer Hess in den Ruhestand verabschiedet. Hess hat die DSO 15 Monate lang geleitet. Davor war er Vorsitzender des Gemeinsamen Bundes­ausschusses. „Sie haben mit großer Besonnenheit entschieden, klare und deutliche Worte gefunden und für Transparenz gesorgt“, sagte die Ministerialdirektorin des Bundesministeriums für Gesundheit, Karin Knufmann-Happe bei einer Feierstunde in Frankfurt.

Immer habe er den Dialog gesucht, Stabilität in der DSO hergestellt und damit auch einen wichtigen Beitrag für die Patienten auf der Warteliste geleistet, so die Ministerial­direktorin. „Er hat die DSO in gutes Fahrwasser gebracht, geordnete Strukturen aufgebaut und die Qualität der Arbeit der DSO gestärkt“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery.

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Der DSO-Stiftungsrat hatte Hess zum 1. Januar 2013 für ein Jahr als Interimsvorstand berufen. Seine Hauptaufgabe war es, die private Stiftung zu einer Einrichtung mit stärker öffentlich-rechtlichem Charakter umzustrukturieren und Bund und Länder in die Stiftungsarbeit zu integrieren. „Dem Engagement von Hess verdankt die DSO eine zügige Neustrukturierung von Stiftungsrat und Fachbeirat, um die vom Gesetzgeber vorgegebenen Anforderungen besser erfüllen zu können“, lobte die DSO.

"Die Entwicklung ist enttäuschend"
Hess selber äußerte sich in der Zeitschrift Der Spiegel heute kritisch zu seiner Arbeit. „Die Entwicklung ist enttäuschend. Wir hatten gehofft, den Manipulationsskandal schneller überwinden zu können“, sagte er. Aber die permanente Berichterstattung über den Prozess gegen einen Transplanteur in Göttingen sei „wie ein Wiederholungszünder“.

„Und nun verbreiten Einzelne auch noch, wir hätten falsche Hirntoddiagnostiken in Deutsch­land. Das ist nahezu tödlich für das System“, bedauerte Hess. Er betonte, die Hirntoddiagnostik in Deutschland sei das sicherste Verfahren zur Feststellung des Todes überhaupt. „Es gibt auch weltweit keinen einzigen Fall, dass ein hirntoter Mensch wieder zum Leben erwacht ist“, sagte er.

Laut dem DSO-Vorstand hat der Missbrauch bei der Organvergabe nicht nur die Bevölkerung aufgewühlt, sondern auch das Personal in den Krankenhäusern. „Wir haben kaum Strukturen in den Kliniken, die die Organspende fördern. Sie gründet bis heute auf dem Engagement Einzelner“, kritisierte Hess.

Er betonte, die wichtigste Maßnahme, um das Vertrauen in die Transplantationsmedizin wiederzugewinnen sei ein Transplantationsregister. „Die Angehörigen der Spender und jeder Arzt müssen nachvollziehen können, was mit den entnommenen Organen geschehen ist“, sagte er und betonte: „Wir brauchen das Register innerhalb der nächsten beiden Jahren!“

Axel Rahmel folgt Rainer Hess
Der Herzspezialist und ehemalige Medizinische Direktor bei Eurotransplant, Axel Rahmel (52), ist ab 1. April der neue Medizinische Vorstand der DSO. Rahmel war seit längerem Wunschkandidat für diese Position, auch im Bundesgesundheitsministerium. Rahmel gilt als sehr korrekt, kompetent und vertrauenswürdig.

„Mein persönlicher Leitsatz ist, in allen Aufgabenbereichen der DSO dem Gebot der Transparenz und einer gesicherten Qualität bei der Erfüllung der Aufgaben zu folgen“, sagte Rahmel zum Deutschen Ärzteblatt. Eurotransplant war im Zusammenhang mit Richtlinienverstößen bei der Organtransplantation nur wenig in die Kritik geraten.

Die DSO dagegen geriet Ende 2011 wegen Vorwürfen von Intransparenz, Mismana­gement und unkollegialem Führungsstil in eine tiefe Krise. Die Politik forderte eine Umstrukturierung der Organisation, darunter einen stärkeren Einfluss des Staates. Inzwischen sind im Stiftungsrat der DSO Bund und Länder vertreten. Hess habe diesen Prozess der Umstrukturierung in vorbildlicher Weise eingeleitet und vollzogen, sagte Rahmel. © hil/aerzteblatt.de

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