Politik

Deutsche sind mit ihrem Gesundheitssystem zufrieden

Dienstag, 1. April 2014

Berlin – Die Deutschen sind mit ihrem Gesundheits­system zufrieden. Das geht aus dem MLP Gesundheitsreport 2014 hervor, für den das Institut für Demoskopie Allensbach insgesamt 2.088 Bürger und 540 Ärzte befragt hat. Neun von zehn Ärzten sowie acht von zehn Bürgern bewerten es demnach als gut oder sehr gut.

„Im Behandlungszimmer bemühen sich Ärzte immer um eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten, ganz gleich, welchen Versichertenstatus sie haben“, kommen­tierte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery dieses Ergebnis. Auch internationale Studien belegten immer wieder: Die Menschen in Deutschland werden im weltweiten Vergleich auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau versorgt – ganz gleich, ob Kassen- oder Privatpatient.

Die Versorgungsqualität an deutschen Kranken­häusern bewerten 83 Prozent der Ärzte dem Report zufolge mit gut oder sehr gut – unter den Kranken­hausärzten sind 92 Prozent dieser Ansicht. 58 Prozent der Krankenhausärzte bewerten die wirtschaftliche Situation ihres Hauses zudem als gut oder sehr gut. In den nächsten zehn Jahren vermuten jedoch 71 Prozent, dass sich die wirtschaftliche Lage ihres Hauses verschlechtern wird.

Gut oder sehr gut bewerten 92 Prozent der befragten Ärzte die medizinisch-technische Ausstattung der Krankenhäuser und 70 Prozent die hygienischen Bedingungen im stationären Bereich. Die Arbeitsbedingungen für Krankenhausärzte empfinden jedoch nur 31 Prozent als gut oder sehr gut – und 68 Prozent als weniger oder gar nicht gut. Nur vier von zehn Ärzten sind zudem der Ansicht, dass sich ihr Privatleben gut oder sehr gut mit ihrem Beruf vereinbaren lässt – bei den niedergelassenen Ärzten machen 59 Prozent diese Angabe.

77 Prozent der befragten Krankenhausärzte erklären, sie sähen durch den Kosten­druck im Gesundheitssystem ihre Therapiefreiheit infrage gestellt – vor zwei Jahren waren es noch 67 Prozent. Vier von fünf Krankenhausärzten meinen zudem, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Hauses einen höheren Stellenwert hat als die medizinische.

Knapp die Hälfte der Krankenhausärzte gibt an, dass es in ihrem Haus schon heute einen Ärztemangel gibt. Dass aus finanziellen Gründen in letzter Zeit Personal abgebaut worden sei, berichten 43 Prozent der befragten Krankenhausärzte. Bei jedem siebten Arzt wurden sogar schon Abteilungen geschlossen. Und bei knapp der Hälfte arbeiten viele ausländische Kollegen im Haus, die ihre Ausbildung im Ausland gemacht haben.

Auch im ambulanten Bereich ist der Ärztemangel Realität. Jeder dritte niedergelassene Arzt erklärt, dass es in seiner Region bereits heute einen Ärztemangel gibt – vor vier Jahren waren es noch 22 Prozent. Ein weiteres Drittel rechnet damit, dass es in seiner Region in den nächsten Jahren zu einem Ärztemangel kommen wird. Je kleiner die Stadt, desto höher ist dabei der Anteil der Ärzte, die einen Ärztemangel kennen oder befürchten. 

Im Rahmen des MLP-Reports sollten die Ärzte auch angeben, wie häufig es vorkommt, dass sie eine Behandlung aus Kostengründen verschieben müssen. Häufig kommt dies bei jedem achten Arzt vor, gelegentlich bei jedem viertem und selten bei jedem fünften. Aus Kostengründen ganz auf eine medizinisch sinnvolle Behandlung verzichten müssen sechs Prozent der befragten Ärzte häufig, 16 Prozent gelegentlich und 15 Prozent selten.

In die Zukunft blicken die meisten der befragten Ärzte skeptisch. 84 Prozent erwarten, dass es in den nächsten zehn Jahren schwieriger werden wird, alle medizinisch notwen­digen Leistungen zu verordnen. Vier von fünf glauben zudem, dass Ärzte weniger Zeit für ihre Patienten haben werden. Drei von vier Ärzten sind der Meinung, dass es immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Medizin kommen wird. Und 70 Prozent glauben, dass Maschinen bei der Gesundheitsversorgung eine immer größere Rolle spielen werden.

Eine zentrale Terminvergabe, wie sie die große Koalition einführen will, lehnen sechs von zehn Krankenhausärzten und acht von zehn niedergelassenen Ärzten ab. 45 Prozent der befragten Bürger hingegen befürworten sie. Union und SPD wollen die Krankenhäuser für ambulante Behandlungen öffnen, wenn die Patienten nicht innerhalb von vier Wochen einen Termin bei ihrem Haus- oder Facharzt erhalten. Doch haben Krankenhäuser überhaupt Kapazitäten dafür, weitere Patienten zu behandeln. Nein, sagen 78 Prozent der befragten Krankenhausärzte.

Die niedergelassenen Ärzte wurden gefragt, ob es ihnen in der Regel möglich ist, Termine innerhalb von vier Wochen zu vergeben. 96 Prozent der Haus- und 82 Prozent der Fachärzte bejahen diese Frage. Demgegenüber erklärt ein Drittel der befragten Bürger, sie hätten in den letzten ein, zwei Jahren mehrmals „sehr lange“ auf einen Termin beim Arzt warten müssen. Wie lange sie genau warten mussten und was der Anlass ihres Arztbesuches sein sollte, wurde jedoch nicht erfragt.  

„In dieser Studie vermisse ich konkrete Zahlen“, kritisierte daher der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Regina Feldmann. „Denn die Länge der Wartezeit ist eine sehr subjektive Empfindung.“ Menschen auf dem Land, wo vieles mit höherem Aufwand verbunden sei, schätzten Wartezeiten häufig weniger dramatisch ein als Menschen in der Großstadt.

Feldmann verwies auf die repräsentative Versichertenbefragung der KBV im vergan­genen Jahr, die gezeigt habe, dass die Versicherten grundsätzlich mit der Terminsituation zufrieden seien. „Zwei Drittel der Befragten bekommt sofort oder innerhalb von drei Tagen einen Termin beim Arzt. Nur in wenigen Fällen beträgt die Wartezeit über drei Wochen“, so Feldmann. In Einzelfällen gebe es auch mal Probleme bei den Wartezeiten, die gelöst werden müssten. Doch grundsätzlich seien die Patienten mit dem deutschen Gesundheitssystem sehr zufrieden – wie ja auch der MLP-Report gezeigt habe.

BÄK-Präsident Montgomery betonte, dass Wartezeiten zwischen Stadt und Land, zwischen einzelnen Facharztgruppen, vor allem aber nach der individuellen Dringlichkeit variierten. „Es ist vollkommen richtig, wenn ein Arzt akute Fälle zügiger behandelt als Patienten, die zu einer Vorsorgeuntersuchung kommen“, sagte er. Deshalb habe die Bundesärztekammer auch vorgeschlagen, eine dringliche Überweisung einzuführen, mit der Ärzte ihre Kassenpatienten schnell zu einem Kollegen überweisen können. Die aktuelle Diskussion suggeriere die Möglichkeit, ein Gesundheitssystem gänzlich ohne Wartezeiten organisieren zu können. „Das mag wünschenswert sein“, so Montgomery, „es weckt aber unrealistische Erwartungen bei den Patienten.“

Ein weiteres Vorhaben der großen Koalition ist es, Patienten vor einer Operation das Einholen einer Zweitmeinung zu ermöglichen. Neun von zehn Ärzten halten das für eine gute Maßnahme. Und 86 Prozent der Patienten finden eine solche Option wichtig oder sehr wichtig. © fos/aerzteblatt.de

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