Medizin

Bariatrische Operation senkt Blutzucker besser als Medikamente

Dienstag, 1. April 2014

Cleveland – Ein Roux-en-Y-Magenbypass oder eine Sleeve-Gastrektomie haben in der bisher größten Vergleichsstudie zur bariatrischen Chirurgie den Blutzucker von Typ-2-Diabetikern langfristig besser kontrolliert als orale Antidiabetika und/oder Insulin. Mit den Ergebnissen warben Adipositas-Chirurgen auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in Washington und im New England Journal of Medicine (NEJM 2014; doi: 10.1056/NEJMoa1401329) für ihre Operationen.

Mit 150 Teilnehmern, von denen 137 nach drei Jahren erneut untersucht werden konnten, gehört die STAMPEDE-Studie (Surgical Therapy And Medications Potentially Eradicate Diabetes Efficiently) zu den größten Studien zur bariatrischen Chirurgie beim Typ 2-Diabetes. Je ein Drittel der Patienten mit einem Body-Mass-Index zwischen 27 und 43 und einem HbA1c-Wert von 7,0 Prozent oder höher wurde seinerzeit auf eine medika­men­töse Therapie, eine zusätzliche Roux-en-Y-Magenbypass oder eine zusätzliche Sleeve-Gastrektomie randomisiert. Der Roux-en-Y-Magenbypass verkürzt die Resor­ptions­strecke ist aber reversibel, während die Sleeve-Gastrektomie, die sich zuneh­mender Beliebtheit erfreut, einen Teil des Magens „opfert“, dafür aber die Resorp­tionsstrecke erhält.

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Roux-en-Y-Magenbypass und Sleeve-Gastrektomie effektiv
Beide Operationen haben sich als effektiv erwiesen. Wie Philip Schauer und Mitarbeiter der Cleveland Clinic vor zwei Jahren berichteten, kam es bei 21 von 50 Patienten nach der Bypass-Operation und bei 18 von 49 Patienten nach der Magenverkleinerung zu einer Reduktion des HbA1c-Werts auf unter 6,0 Prozent: 38 von 50 Patienten nach Bypass und 25 von 49 Patienten nach Magenverkleinerung kamen sogar ohne weitere Diabetesmedikamente aus. Ihr Diabetes war damit praktisch kuriert. Damals hatten auch 5 von 41 allein medikamentös behandelte Patienten dieses Ziel erreicht, wenn auch nur unter Einsatz mehrerer oraler Medikamente und/oder Insulin.

Bei der letzten Zwischenuntersuchung 2 Jahre nach der Operation hatten die Patienten in den beiden chirurgischen Therapie-Armen ihre guten Ergebnisse gehalten. Wie das Team in Diabetes Care (2013; 36: 2175–2182) berichtete, war es nach der Bypass-Operation (nicht aber nach Magenverkleinerung) sogar zu einer Normalisierung der Beta-Zell-Funktion gekommen.

Inzwischen sind drei Jahre seit den Operationen vergangen. Noch immer haben 18 von 38 Patienten nach Magenbypass einen HbA1c von 6 Prozent oder weniger, davon 17 Patienten ohne jegliche blutzuckersenkenden Medikamente. Nach der Magenver­kleinerung hatten 12 von 49 Patienten das anspruchsvolle HbA1c-Ziel erreicht, davon 10 ohne blutzuckersenkende Medikamente, während unter einer intensiven Medikation nur 2 von 40 Patienten ihren Langzeitblutzucker normalisieren konnten (davon keiner ohne Medikamente).

Die durchschnittlichen HbA1c-Werte betragen derzeit 6,7 Prozent nach Bypass-Operation und 7,0 Prozent nach Magenverkleinerung, was einer guten Blutzuckereinstellung entspricht. Bei den medikamentös behandelten Patienten hat sich der Wert auf 9,3 Prozent verschlechtert, ein miserabler Wert, der sich kaum von dem Ausgangswert vor Beginn der Therapie unterscheidet.

Auch beim Körpergewicht und den Cholesterin- und Triglyzeridwerten haben die operierten Patienten ihre postoperativen Vorteile aufrechterhalten können. Ihre Eiweißausscheidung ist zurückgegangen, so dass sie hoffen dürfen, dass ihre Nierenfunktion länger erhalten bleibt als bei den nicht-operierten Patienten.

Lebensqualität der Patienten stabil
Trotz der einschneidenden Änderung des Ernährungsverhaltens, die durch die Operationen erzwungen wird, hat sich die Lebensqualität der Patienten nicht verschlechtert: Nach der Bypass-Operation besserten sich fünf der acht mentalen und körperlichen Bereiche eines Fragebogens zur Lebensqualität. Nach der Magenverklei­nerung waren es zwei mehr als nach der medikamentösen Therapie.

Da außerdem keine Spätkomplikationen der Operation aufgetreten sind, zieht Schauer ein insgesamt positives Fazit der bariatrischen Operationen. Die Patienten sollen aber weiter beobachtet werden um zu untersuchen, ob sich die Therapie auch günstig auf die Spätfolgen des Typ 2-Diabetes auswirkt, zu denen Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nieren­versagen und Erblindungen gehören. © rme/aerzteblatt.de

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